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Emsteker Schlachthof fährt langsam wieder hoch

Nach wie vor macht der "Schweinestau" in den Ställen den Landwirten Sorge. Nach Infektionen in den Schlachthöfen in Emstek und Sögel sind die Kapazitäten immer noch begrenzt.

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Symbolfoto: dpa

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Nach wie vor beklagen Landwirte, dass Hunderttausende Schweine auf ihre Schlachtung warten – der Überhang beträgt laut Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Damme rund eine halbe Million Tiere. Coronabedingt sind die Kapazitäten in den Schlachtereien derzeit begrenzt, drei Schlachthöfe wegen Infektionen in der Mitarbeiterschaft noch mehr eingeschränkt – dazu gehören Sögel (Weidemark) und Emstek (Vion).

Erste Vion-Mitarbeiter aus Quarantäne entlassen

In dem Emsteker Schlachthof hatte es Anfang Oktober mehrere Coronafälle gegeben. Die Produktion wurde auf eine Schicht heruntergefahren. "Das Personal der Grobzerlegung wird aktuell teilweise aus der Quarantäne entlassen", erklärte Kreissprecher Frank Beumer gegenüber OM online. Die Grobzerlegung galt als Hotspot der Infektionen an dem Schlachthof. Die Schichten werden jetzt erweitert und die "Kapazitäten kontrolliert wieder hochgefahren". 

Bei Weidemark in Sögel liegt die Auslastung inzwischen eigenen Angaben zufolge wieder bei etwas mehr als 50 Prozent. Für Weidemark seien Ausnahmegenehmigungen für Sonntage und den Reformationstag am 31. Oktober beantragt. «Das Land Niedersachsen hat der Zerlegung, nicht aber der Schlachtung an Sonntagen auch zugestimmt», sagte der Sprecher. Die Entwicklung der Corona-Infektionsfälle in diesem Schlachthof sei gut, daher sei das Unternehmen zuversichtlich, die Kapazitäten in Sögel in Absprache mit den Behörden Schritt für Schritt weiter steigern zu können.

Beim Sozialministerium in Hannover gingen bisher zwei Anträge für Sonntagsarbeit ein – damit soll zumindest ein Teil des "Schweinestaus" abgebarbeitet werden. Laut Angaben des Sozialministeriums dürfen die beiden Schlachthöfe bis Ende November sonntags arbeiten –ausgenommen ist allerdings der Reformationstag. 

Böseler Goldschmaus stellt Antrag auf Sonntagsarbeit

Einen Antrag, auch sonntags schlachten zu dürfen, hat die Böseler Goldschmaus Gruppe mit Sitz in Garrel eingereicht, wie Unternehmenssprecher Dr. Gerald Otto auf Nachfrage bestätigte. „Wir wollen der landwirtschaftlichen Seite helfen – im Rahmen unserer Möglichkeiten“, so Otto. Viele Tiere seien aktuell schlachtreif, könnten aber nicht verarbeitet werden. „Der Druck ist da“, betonte der Sprecher. Vion hat hingegen noch keinen Antrag gestellt. Wie Frank Beumker mitteilte, habe der Landkreis darüber derzeit keine Kesntnis.

Eine Ausweitung des Schlachtbetriebs ist nicht so einfach möglich. Derzeit sei der Arbeitsmarkt für Mitarbeiter der Fleischunternehmen so gut wie leergefegt, erklärt dazu die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft, Heike Harstick. Einerseits stellen die Schlachtbetriebe von Werkvertragsarbeit auf Arbeitsplätze mit Festangestellten um. Teilweise seien zudem wegen der bestehenden Quarantänebestimmungen ausländische Arbeitnehmer nicht aus ihrem Heimaturlaub zurückgekommen oder seien aufgrund der ansteigenden Corona-Infektionen hierzulande in ihre Heimatländer abgereist, sagte Harstick. Daher würde die Erlaubnis von Schlachtungen an Sonn- und Feiertagen kaum etwas bewirken.

Helfen würde es, wenn der Betrieb bei drei großen Schlachthöfen, die derzeit coronabedingt nur eingeschränkt tätig sind, wieder vollumfänglich möglich wäre. Das gilt für den Stammsitz des Branchenführers Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück, für den ebenfalls zur Tönnies-Gruppe gehörenden Schlachthof Weidemark in Sögel und für Vion in Emstek. Wenn all diese Betriebe wieder komplett am Netz wären, könnten pro Woche 100.000 bis 120.000 Tiere mehr geschlachtet werden, heißt es bei der ISN.

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