Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Eine Studie lobt, wovor die andere warnt

Mal dickes Lob, mal ernste Mahnung: So unterschiedlich stufen zwei nahezu zeitgleich veröffentlichte Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft das OM ein.

Artikel teilen:
Zu wenig Bewegung in Cloppenburg: Das behauptet eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Eine zweite Analyse aus dem selben Haus erklärt das Gegenteil: Cloppenburg entwickele sich dynamisch. Foto: Kreke

Zu wenig Bewegung in Cloppenburg: Das behauptet eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Eine zweite Analyse aus dem selben Haus erklärt das Gegenteil: Cloppenburg entwickele sich dynamisch. Foto: Kreke

Gerade erst hat das Institut der deutschen Wirtschaft den Kreis Cloppenburg für seine dynamische Entwicklung gelobt: Mit Rang 12 zähle Cloppenburg   zu den „Aufsteiger-Regionen“ Deutschlands, urteilten die Autoren Dr. Christian Oberst und Prof. Michael Voigtländer. Jetzt bekommt ihre Analyse Konkurrenz aus dem eigenen Haus.

In einer zweiten Studie zum „Regionalranking“ behauptet ein anderes Expertenteam desselben Instituts das exakte Gegenteil: Das aktuelle Niveau in den Landkreisen Cloppenburg Vechta sei zwar „gut bis sehr gut“, allerdings sei der Motor der Entwicklung ins Stottern geraten. Die Folge: Die Autoren setzen Cloppenburg in ihrem so genannten „Dynamik-Ranking“ nur auf Platz 349 (von 401 Regionen), noch hinter dem Kreis Vechta auf Platz 314.

Gefahr: Das OM könnte Entwicklung verpassen

Ihre Warnung: Das Oldenburger Münsterland laufe Gefahr, „sich zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen und die entscheidenden Weichenstellungen für eine zukunftsträchtige Entwicklung zu verpassen“.

Das klang im völlig anders aufgebauten „Aufsteigerranking“ von Oberst und Voigtländer noch völlig anders. Gerade wegen seines Nachholtempos bei der Entwicklung  gehörte Cloppenburg gleichauf mit der Stadt Oldenburg und dem Kreis Ammerland zu den zwölf entwicklungsstärksten Regionen Deutschlands. Fazit: Die Landkreise hätten sich „überdurchschnittlich gut entwickelt“.

Nur eine gemeinsamsame Schnittmenge eint die gegensätzlichen Ergebnisse: Beide Studien bescheinigen Südoldenburg einen wirtschaftlich guten Ist-Zustand. Selbst die Kritiker aus dem Institut setzten Vechta auf Platz 90 und Cloppenburg immerhin auf Rang 187 und damit ins oberer Mittelfeld. Was die Aussagekraft dieser Studien angesichts solcher Differenzen noch wert ist, erscheint allerdings fraglich.


Ein Kommentar dazu von Hubert Kreke (Redakteur)

Eine nachvollziehbare und verlässliche Orientierung im Vergleich sollten wissenschaftliche Studien, wenn sie in ein Ranking gegossen werden, ermöglichen. Stattdessen stiftet das Institut der deutschen Wirtschaft Verwirrung, welcher seiner anscheinend ziellos beauftragten Wissenschaftler nun richtig liegt.

Ein Teil der Lösung des Rätsels liegt in den sehr unterschiedlichen Datenbasen und Herangehensweisen beider Autorenteams. So beruft sich das „Aufsteiger-Ranking“ auf sieben Standort-Kernwerte: Arbeitslosenquote, Kaufkraft, Durchschnittsalter, den Stand des Breitbandausbaus, die Bevölkerungsdichte sowie die private und die öffentliche Verschuldung. Die Verfasser des Regional-Rankings werten dagegen 14 Datenquellen aus, darunter die Steuerkraft der Gemeinden und ihre Gewerbesteuersätze, der Anteil der hoch qualifizierten Beschäftigten und die Beschäftigtenrate von Frauen, die Anzahl der Straftaten und die Ärztedichte.

Nur in einem Punkt überschneiden sich beide Studien: Die Überschuldung zählt in beiden Fällen mit.Diese Unterschiede legen einen Schluss nahe: Hätte das Institut beide Teams und ihre Quellen zusammengelegt, wäre ein tatsächlich umfassender Überblick mit weniger zweifelhafter Aussagekraft entstanden. So bleibt der Eindruck: Was Wissenschaftler bewusst als Basis auswählen, bestimmt am Ende ihr Ergebnis. Falsch sind damit zwar beide Studien nicht, aber unvollständig.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Eine Studie lobt, wovor die andere warnt - OM online