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Ein Gastgeber aus Leidenschaft hat es schwer

Die Löhne gering, das Image mies: Daniel Jans-Wenstrup vom Hotel Wahlde in Neuenkirchen hat genug von der pauschalen Medienkritik. Er macht seinem Ärger Luft.

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Daniel Jans-Wenstrup vom Hotel Wahlde in Neuenkirchen liebt seine Profession. Umso mehr ärgert ihn die Debatte über schlechte Löhne in der Branche. Foto: Kühn

Daniel Jans-Wenstrup vom Hotel Wahlde in Neuenkirchen liebt seine Profession. Umso mehr ärgert ihn die Debatte über schlechte Löhne in der Branche. Foto: Kühn

Daniel Jans-Wenstrup ärgert sich: "Als ich den Bericht in der OV gesehen habe, da ging mir – ehrlich gesagt – die Hutschnur hoch. Der Artikel drehte sich inhaltlich um Minijobber und Kurzarbeiter, und darum, dass diese extrem unter dem Lockdown leiden. Als schlechtes Beispiel wurde dort – wieder einmal – die Gastronomie genannt, die ja sowieso schlechte Löhne an ihre Aushilfen zahle. Und dazu wurde dann auch noch das Bild einer Thekenkraft am Zapfhahn gestellt!" Der Neuenkirchener Gastronom, Inhaber des Land-Gut-Hotels Café Wahlde schüttelt den Kopf: "Nein, diese pauschale Art, eine ganze Branche an den Pranger zu stellen, sie so abzustrafen, die gefällt mir nicht."

Schüler müssen nicht mit gesetzlichem Mindestlohn bezahlt werden

"Man persönlich tut und macht, und wird dann trotzdem in einen Sack gesteckt, auf den alle einprügeln. Das ist nicht fair und gegenüber vielen Gastronomiebetrieben nicht gerecht", sagt Jans-Wenstrup und mahnt, das Zustandekommen von Durchschnittsaushilfslöhnen zu beachten. Die berechneten sich, indem man alle Minijob-Löhne, hohe wie niedrige, zusammenrechne und dann teile. Der Durchschnittslohn in seiner Branche lasse sich erklären: Unter den Minijobbern in der Branche seien eben nicht nur volljährige Kräfte. Nur diese hätten Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro. Schüler (15 bis 18 Jahre) etwa dürften einfache Tätigkeiten verrichten, müssten laut Gesetz aber nicht mit Mindestlohn bezahlt werden, was auch so geschehe. Der Gesetzgeber berücksichtige mit der Ausnahmeregelung das Alter der Aushilfe, die Art ihrer Tätigkeit und ihre Erfahrung – Kriterien, die er als Arbeitgeber genau so als Begründung für die höhere Entlohnung seiner Stammkräfte anlege, erklärt der Hotelier.

Insgesamt, so sagt Jans-Wenstrup, bezahle er seine zwölf Aushilfskräfte angemessen. Und gibt auch die Wettbewerbssituation zu bedenken: "Täte ich das nicht, würde niemand mehr bei uns arbeiten wollen, geschweige denn länger für uns arbeiten."

Zwar habe auch er Mitarbeiter in der Coronazeit in die Kurzarbeit schicken müssen, "anders wäre das wirtschaftlich auch nicht darstellbar gewesen". Anderen Branchen werfe man solches Verhalten nicht vor, aber der Gastronomie. "Warum?", fragt der 48-Jährige. Er hat alle Kräfte behalten, niemanden entlassen. Das hilft ihm jetzt auch, schrittweise den Betrieb wieder hochzufahren. Dennoch: Das Geschäftsjahr wird Jans-Wenstrup in diesem Jahr nicht mit schwarzen Zahlen abschließen, dafür sind zu viele Gemeinschaftsveranstaltungen ausgefallen, zu viele Buchungen im Hotel abgesagt worden.

"Das Image ist nicht gut, das zu verbessern, daran arbeiten wir heute."Daniel Jans-Wenstrup, Hotelier, Neuenkirchen-Wahlde

Jans-Wenstrup klagt aber nicht nur, er will einen neuen Stil in der Branche: "Sonst werden wir absehbar gar keinen Nachwuchs mehr bekommen." Er sieht die Personalnöte der Gastronomie durchaus als hausgemacht: "Das Image ist nicht gut, das zu verbessern, daran arbeiten wir heute. In der Vergangenheit haben noch unsere Ausbilder viel verkehrt gemacht und junge Leute eher abgeschreckt, einen Beruf in der Gastronomie zu ergreifen", sagt der gelernte Koch, der aus seiner Lehrzeit selbst noch den "Pfannen werfenden" Küchenmeister kennt.

Das sei längst vorbei. Er verfolge in seinem Hotel mit Café und Restaurant einen modernen Ansatz: "Unsere gastronomische Idee ist einfach, aber muss täglich neu umgesetzt werden: Wir sind Gastgeber aus Leidenschaft." Das sei allerdings zurzeit schwer. Corona nehme Mimik und Gestik, ein freundliches Lächeln der Gastgeber sieht der Gast wegen der Maske nicht mehr.

Das Hotel Wahlde ist ein Ausbildungsbetrieb. Einer der wenigen Gastronomiebetriebe in der weiteren Umgebung, der noch ausbildet, sagt Daniel Jans-Wenstrup, der sich als "Ausbilder mit Leidenschaft" sieht: "Ich mag es, mit jungen Leuten zu arbeiten. Ihnen etwas beizubringen." Er begreift zudem die Ausbildung "als eine Art Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber". Deshalb werde er weiter Ausbildungsplätze anbieten, "auch wenn es schwer ist, Nachwuchs zu bekommen".

Auch in der Gastronomie lässt sich als Azubi gutes Geld verdienen

Fast 50 Auszubildende hat der in zweiter Generation in Familienhand befindliche Betrieb fit für das Berufsleben gemacht. Derzeit sind zwei Hotelfachfrauen in der Ausbildung, in der Küche arbeitet neben einem weiteren gelernten Koch eine seltene Spezies: ein Auszubildender zum Koch.

Längst bewegt sich die Branche mit ihren Lehrberufen auch weg vom Image des Schlechtzahlers: "Rund 1000 Euro gibt es derzeit im dritten Lehrjahr für die Auszubildenden. Das ist gutes Geld." Jungen Menschen mit Interesse an der Gastronomie empfiehlt er den Einstieg über einen Aushilfsjob. "Man lernt schon als Schüler den freundlichen Umgang mit dem Gast", sagt Jans-Wenstrup. Das sei nicht nur eine gute Basis, wolle man später einen Beruf in der Branche ergreifen, sondern helfe auch im "ganz normalen Leben weiter".

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