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E-Mobilität soll im Südkreis Fahrt aufnehmen

Neuenkirchen-Vörden produziert mehr erneuerbaren Strom, als es selbst braucht. In Puncto Verkehr ist die grüne Wende allerdings noch nicht eingetreten. Ein Konzept gibt dafür es allerdings schon.

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Ein Stromer: TexFortis-Mitarbeiter Dominik Schulte schließt einen Pkw aus dem E-Fuhrpark an die Ladesäule an. Foto: Schmutte

Ein Stromer: TexFortis-Mitarbeiter Dominik Schulte schließt einen Pkw aus dem E-Fuhrpark an die Ladesäule an. Foto: Schmutte

In der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden wurde 2019 so viel Strom aus erneuerbaren Energien produziert, dass sich der Ort rein theoretisch zu 100 Prozent selbst damit versorgen könnte. Und damit nicht genug: Dabei wären sogar 85,42 Prozent über den Eigenbedarf hinaus produziert worden. Die Zahl hatte Bauamtsmitarbeiter Arthur Hamm auf der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses bekannt gegeben.

In puncto "grüne Energie" ist die Gemeinde also eine Vorreiterin. Denn eine ausgeglichene Bilanz bei Produktion und Verbrauch von Ökostrom haben sich zahlreiche Kommunen erst für die nächsten Jahre als Ziel gesetzt. 

Dass die Gemeinde beim Ökostrom weit überdurchschnittliche Werte erreicht, zeigt ein Blick auf die nationalen Vergleichszahlen. Bundesweit lag der Anteil der erneuerbaren Energien 2019 bei 42,1 Prozent des Verbrauchs und somit rund 143 Prozent unter dem Wert in Neuenkirchen-Vörden.

Aber nicht nur in Sachen "grüne" Stromerzeugung ist die Gemeinde aus ökologischer Sicht ein Vorbild, auch die E-Mobilität soll in diesem Jahr richtig Fahrt aufnehmen. Im November 2019 war jedes 10. neu zugelassene Fahrzeug in Deutschland mit einem reinen E-Antrieb ausgestattet, das ist eine Steigerung von 523 Prozent im Vergleich zum November 2018. Im hiesigen Raum waren die Steigerungsraten ebenfalls hoch, allerdings auf das ganze Jahr gesehen niedriger als auf Bundesebene. Ende 2020 waren zum Beispiel in Neuenkirchen-Vörden 29 E-Autos zugelassen.

Firma Textfortis hat ihren Fuhrpark verändert

Speziell Gewerbetreibende werden von der Autoindustrie in den Werbefokus für E-Fahrzeuge genommen. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen TexFortis Germany, dessen Inhaber Ali Karadag ist. Neuenkirchen-Vörden ist Sitz der Konzernleitung. Vor 3 Jahren bezog die Gesellschaft einen Neubau an der Bersenbrücker Straße. Der Stromanschluss ist so dimensioniert, dass Tex-Fortis Ladesäulen für E-Fahrzeuge auf dem Firmengelände installieren konnte.

In seinen 3 Fabriken in Bangladesch lässt Ali Karadag Textilien in großen Stückzahlen fertigen, mit denen Massenabnehmer wie zum Beispiel Tchibo, Aldi oder Lidl beliefert werden. Zum Fuhrpark der Konzernleitung mit 11 Mitarbeitern gehören 2 rein elektrisch betriebene Pkw (je ein Tesla und Mercedes) und 3 Plug-in-Hybride. Ali Karadags Ehefrau Nicole ist längst eine überzeugte E-Pkw-Fahrerin. Als Grund dafür nennt sie die Nachhaltigkeit, aber auch den deutlich größeren Fahrspaß. Allerdings sei die geringe Reichweite ein Nachteil. 

Für Ali Karadag war die Kostenfrage ein Argument für die Umrüstung. Der geleaste E-Fuhrpark habe durch staatliche Zuschüsse, Steuerersparnis, geringere Wartungskosten und den im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen günstigeren Strompreis einen Kostenvorteil von rund 30 Prozent gegenüber seinem alten Fuhrpark mit Verbrennungsmotoren.

Neuer Dienstwagen des Bürgermeisters soll ein E-VW werden

Die Gemeinde hat unterdessen vor dem Rathaus eine Ladesäule für E-Fahrzeuge installieren lassen, die allerdings noch nicht sehr intensiv genutzt wird. "Wenn ich aus meinem Büro auf die Ladesäule schaue, sehe ich dort nur hin und wieder mal ein Fahrzeug stehen, oft auch mit auswärtigem Kennzeichen", berichtet Arthur Hamm. Das wird sich in den nächsten Monaten wohl ändern, da der neue Dienstwagen des Bürgermeisters ein VW mit Elektroantrieb sein wird.

Weitere Lademöglichkeiten entstehen am Autohof in Hörsten an der Autobahn. Aral hat einen Bauantrag für 4 Ladesäulen gestellt, an denen jeweils 2 Fahrzeuge geladen werden können. Somit entstehen Lademöglichkeiten für gleichzeitig 8 Pkw.

Zudem werden in jeder Kommune im Landkreis Vechta und somit auch in Neuenkirchen-Vörden 10 Ladesäulen kostenlos für zum Beispiel Hotels, Vereine oder Betriebe zur Verfügung gestellt, die zu 50 Prozent über das Leader-Förderprogramm bezuschusst werden. Die restlichen Kosten (etwa 5.000 bis 6.000 Euro insgesamt) tragen die Kommunen. Die Zuteilung erfolgt im Windhundverfahren, das vermutlich Ende Februar startet. Voraussetzung ist, dass die Säulen von jedermann gegen Gebühr benutzt werden können.

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