Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Durch die Saatkrähe "ist die Arbeit für die Katz"

Die lästigen Vögel picken rund 76.000 Körner aus dem Boden des Friesoyther Landwirts Ulrich Knelangen. Er möchte den Krähen gern den Appetit verderben.

Artikel teilen:
Nur die Löcher sind geblieben. Foto: Wimberg

Nur die Löcher sind geblieben. Foto: Wimberg

Die kleine grüne Pflanze ist schnell aus dem Boden gezogen, das Korn ebenso schnell gefunden und verspeist. Einen Hüpfer weiter das gleiche Spiel. Reihenweise lassen es sich die Saatkrähen schmecken. „Die Arbeit war für die Katz“, sagt Ulrich Knelangen beim Gang über seinen Acker an der Friesoyther Emsstraße.

Auf knapp einem Hektar hat der Landwirt dort am 14. April Mais gepflanzt. Als er am Montag seine Fläche begutachtete, stellte er fest, dass fast alle der rund 76.000 Saatkörner verschwunden sind. „Nur die Löcher sind geblieben“, formuliert es Knelangen zynisch, der die ungebetenen Gäste zwar schon im vergangenen Jahr dulden musste, "so schlimm wie jetzt war es da aber noch nicht". Damit er auf eine Ernte nicht gänzlich verzichten muss, will er noch einmal in die Bodenbearbeitung gehen und neu pflanzen.

Krähen sind in Friesoythe nicht nur am Stadtrand, sondern auch im Stadtpark sowie rund um das heutige Caritas-Gelände an der Willohstraße vielfach zu Hause. Saatkrähen treten im Gegensatz zu Rabenkrähen in Kolonien auf. „Und die Rahmenbedingungen sind hier bei uns extrem günstig“, betont Hermann Wreesmann vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Wenn Grünland nicht mehr ausreichend vorhanden ist, weichen die Tiere auf Ackerflächen aus und bevorzugen dabei den Maisanbau, informiert der Altenoyther. Da es sich um „schlaue Vögel“ handelt, wissen sie um die Beute im Boden und wie sie dafür ihren Schnabel erfolgreich einsetzen müssen.

Landwirt Ulrich Knelangen bleibt auf seinem Acker nur noch eine Handvoll Pflanzen. Foto: WimbergLandwirt Ulrich Knelangen bleibt auf seinem Acker nur noch eine Handvoll Pflanzen. Foto: Wimberg

Der Brutbestand habe sich erholt und nehme zu, verweist Wreesmann auch auf Statistiken des Umweltministeriums. Durch die Grünlandverteilung und Verfolgung wurde in den 70er Jahren der Tiefstand registriert. Der gesetzliche Schutz der Vögel, die im Gegensatz zu Raben oder Elstern nicht dem Jagdrecht unterliegen, habe zu einer Erholung geführt.

Mit Blick auf die Region erinnert der Naturschutz-Experte an den Scharreler „Krähenwald“, in dem sich durch den Einsatz seiner Besitzer die Kolonien entfalten konnten, "als die Art vom Aussterben bedroht war". Konflikte zwischen Mensch und Tier seien nicht wegzudiskutieren. Zögen die Vögel in Städte und Siedlungsgebiete, sei das mit Lärm und Dreck verbunden. Alternative Brutplätze zu finden oder sie anderweitig zu vertreiben, sei äußerst schwierig, abgesehen vom engen rechtlichen Rahmen, der für die „besonders geschützte“ Gattung gilt.

Vergrämung erfordert einen langen Atem

Saatkrähen seien keine Aasfresser, die beispielsweise von Unrat angezogen werden. Vielmehr ernährten sie sich überwiegend pflanzlich, auch Schädlinge wie der Eichenprozessionsspinner gehörten auf ihren Speisenplan.

Sogenannte Vergrämungsaktionen sind laut Ministerium als genehmigte Ausnahme möglich, aber „mit einem langen Atem verbunden“, blieben häufig wirkungslos oder sogar kontraproduktiv. Versuche, sie mit Raubvögeltönen per Lautsprecher zu stören gibt es ebenso wie den Einsatz der traditionellen Vogelscheuche. Da die Tiere jedoch schnell lernten, ließen sie sich so einfach jedoch nicht abschrecken. „Wenn sie sich etabliert haben, bleiben sie erst mal“, sagt Hermann Wreesmann.

Ulrich Knelangen hat somit vermutlich kaum eine andere Chance, als die Saatkrähe letztlich „als natürlichen Bestandteil der niedersächsischen Artenvielfalt“ zu akzeptieren. Dass sie jedoch seine Ernte vernichtet, will der Landwirt nicht gänzlich hinnehmen und zumindest alternative Lösungen prüfen, ob er den Vögeln nicht doch noch irgendwie den Geschmack verderben kann.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Durch die Saatkrähe "ist die Arbeit für die Katz" - OM online