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Die Wasserstoff-Strategie wird es schwer haben

Regionale Tankstellenbetreiber sehen die Zukunft des Verkehrssektors nicht allein im Wasserstoff, sondern eher im Energiemix. Die Infrastrukturkosten sind hoch.

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Tanken an einer Wasserstoff-Tankstelle: Ein Tankvorgang soll nicht wesentlich länger dauern, als es die Fahrer eines Diesel- oder Benzin-Pkw bislang gewohnt sind. Foto: dpa / Kahnert

Tanken an einer Wasserstoff-Tankstelle: Ein Tankvorgang soll nicht wesentlich länger dauern, als es die Fahrer eines Diesel- oder Benzin-Pkw bislang gewohnt sind. Foto: dpa / Kahnert

Die nationale Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung hat mit Auflage des jüngsten Konjunkturpakets konkrete Formen angenommen. Mit insgesamt neun Milliarden Euro soll die Markteinführung von Wasserstoff (H2) massiv gefördert werden. Mithilfe des Energieträgers will Deutschland insbesondere seine ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen. "Grüner" Wasserstoff soll in Zukunft etwa im Verkehrssektor klimaschädliche Kraftstoffe ablösen.

Schießen mit Ausrufung der Wasserstoffstrategie nun die H2-Tanksäulen wie Pilze aus dem Boden? "Wir wären die ersten, die investierten, gäbe es Planungs- und Investitionssicherheit für uns mittelständische Tankstellenbetreiber", sagen Ludger und Marcus Feldhaus. Die Visbeker betreiben unter dem Markennamen Felta in eigener Regie sowie im Franchise-System insgesamt 21 Tankstellen in der Region.

Eine Wasserstoff-Tankstelle kostet 2,5  Millionen Euro.

"Nach unseren Erfahrungen aus der Vergangenheit bei der Vermarktung von reinem Biodiesel und den Beimischungen von Ethanol werden wir erst einmal abwarten, bevor wir Wasserstoff anbieten", erklärt Ludger Feldhaus. Er ist ein "gebranntes Kind", was die Einführung alternativer Kraftstoffe angeht. "Sobald sich der Staat in Märkte einmischt, etwa durch Steuererhöhungen oder Verbote, ist unser Geschäft tot. Wir sind bei Biodiesel und Ethanol zwei Mal in Vorkasse gegangen, und haben schlechte Erfahrungen gemacht." Marcus Feldhaus weist auf die Höhe eines Invests hin: "Für eine H2-Tankstelle muss man rund 2,5 Millionen Euro in die Hand nehmen."

Marcus Feldhaus (FELTA). Foto: KühnMarcus Feldhaus (FELTA). Foto: Kühn

Ludger Feldhaus wünscht sich für den Wasserstoff außerdem "gleiche Rahmenbedingungen". Die Elektromobilität werde derzeit massiv öffentlich subventioniert, genauso wie der Umstieg von Diesel auf LNG (Liquid Natural Gas) im Transportgewerbe.

"In Zukunft haben wird einen Energiemix", sagt Marcus Feldhaus. Er ist auch Sprecher der Region Nord im Bundesverband Freier Tankstellen und weiß, dass es besonders im Verkehrsbereich vieler Energiearten „nebeneinander“ bedarf. Ihn ärgert, dass immer über CO2-Einsparungen geredet wird, die Politik aber bereits existierende Möglichkeiten zur Senkung des klimaschädlichen Gases mittels Beimischung grüner Kraftstoffe nicht zulässt, "obwohl das möglich wäre“.

Alexander Renz ist Geschäftsführer von Alternoil in Steinfeld. Er setzt, was den Transportbereich angeht, auf LNG. Er nimmt gerade viel Geld in die Hand und investiert in ein bundesweites Tankstellennetz für die Betankung von Lkw mit LNG. Wasserstoff ist für ihn noch kein Thema. Auch Renz nennt hohe Investitionskosten als Grund für seine abwartende Haltung. "Realistisch betrachtet, sehen wir beim Wasserstoff gerade nur kleinste Anfänge." Wenn man "heute was machen will, was dem Klima sofort hilft, dann muss man auf den Energiemix setzen, und da gehört LNG – insbesondere als Bio-LNG erzeugt – klar dazu."

"Ist kein Kunde für die Ware da, kann ich nichts verkaufen."Alexander Renz, Geschäftsführer Alternoil, Steinfeld

Wasserstoff "kommt irgendwann, ist Schlüsseltechnologie der Zukunft", aber jetzt sei dieser, da auch erheblich teurer als LNG, noch keine Alternative. Das gelte auch für die Fahrzeuge: "Die sind zu teuer, das gilt für Pkw wie Lkw." Beim Wasserstoff gilt für ihn eine einfache Rechnung: "Ist kein Kunde für die Ware da, kann ich nichts verkaufen. Und nur aus Liebhaberei so etwas anzubieten, das können wir uns als Mittelständler nicht leisten."

Fakten:

  • „Grüner“ Wasserstoff wird durch Elektrolytische Spaltung von Wasser (H2O) in Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H2) hergestellt, wobei nur Strom aus erneuerbaren Energien verwendet wird.
  • „Grauer“ Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen. In der Regel wird Erdgas unter Hitze in Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2) umgewandelt (Dampfreformierung). Das CO2 wird in die Atmosphäre abgegeben und verstärkt den globalen Treibhauseffekt.
  • „Blauer“ Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, dessen CO2 nach der Entstehung jedoch gespeichert wird (engl. Carbon Capture and Storage – CCS). Er gilt damit als klimaneutral.
  • „Türkiser“ Wasserstoff ist solcher, der über eine thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) entsteht. Anstelle des gasförmigen Kohlendioxid wird fester Kohlenstoff erzeugt. Wird die Wärme mithilfe erneuerbarer Energiequellen gewonnen und zudem der Kohlenstoff gebunden, wird Klimaneutralität erreicht.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von OM-Reporter Roland Kühn.

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