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Die Volksbanken im Kreis Vechta steigern ihre Bilanzsumme auf über 4 Milliarden Euro

2021 lief vor allem das Geschäft mit Baufinanzierungen der seinerzeit noch 6 Genossenschaftsbanken rund. Die Banken steigern die Zahl ihrer Onlinekonten zuletzt um über 15 Prozent auf fast 64.000.

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Präsentierten erneut gute Geschäftszahlen: Dr. Martin Kühling (links) und Thomas große Klönne sind die Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Vechta. Foto: Kühn

Präsentierten erneut gute Geschäftszahlen: Dr. Martin Kühling (links) und Thomas große Klönne sind die Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Vechta. Foto: Kühn

Die Erfolgsmeldungen der 6 in der Arbeitsgemeinschaft (AG) der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Vechta zusammengeschlossenen Geldhäuser setzen sich fort. Der Sprecher der Gemeinschaft, Dr. Martin Kühling (Volksbank Vechta), und sein Stellvertreter Thomas große Klönne (Volksbank Dammer Berge) konnten in ihrem Bericht zum Jahr 2021 eine erneut gestiegene Bilanzsumme der genossenschaftlichen Geldinstitute verkünden: Mit 4,081 Milliarden Euro haben die Banken erneut eine Schwelle übersprungen – eine Steigerung um 9,2 Prozent (2020: 3,7 Milliarden Euro).

Angesichts "verschärfter Rahmenbedingungen" durch Niedrigzinsen, Digitalisierung, Regulatorik und Pandemie zeigt sich Kühling mit den durchweg positiven Ergebnissen der Banken "wirklich sehr zufrieden". Der Gewinn vor Steuern lag bei rund 34 Millionen Euro, damit sei man im Bundesdurchschnitt "etwas besser" als andere Volksbanken, so gr. Klönne. Das habe seinen Grund vor allem im gut laufenden Kreditgeschäft. Baufinanzierungen seien hoch nachgefragt, denn der "Südoldenburger will Wohneigentum schaffen", erklärt der Dammer Banker.

Rat der Banker: Bauinteressierte sollten das derzeit noch niedrige Zinsniveau nutzen

In diesem Zusammenhang sei der von der Politik über ihre öffentliche Förderbank KfW ausgesprochene Stopp der Zuschussvergabe für Fördermittel im energetischen Neubau und in der Sanierung "nicht verständlich". Derzeit seien "ganz viele Projekte auf Pause gesetzt". Man müsse nun abwarten, wie es weitergehe. "In dieser Plötzlichkeit trifft es den kleinen Häuslebauer. Die Familie, die alles dafür tut, ihren Traum zu verwirklichen, leidet unter dem Stopp ganz besonders", kritisiert gr. Klönne.

Für Kühling, der makroökonomische Daten aus 2021 präsentierte, steht fest, dass sich der Anstieg der Schuldzinsen im Euroraum verstetigen wird. Die jüngsten Andeutungen der Europäischen Zentralbank (EZB), die derzeit "mit ihrem Handeln allem widerspricht, was wir als Bankkaufleute einmal gelernt haben", deuteten auf "nichts anderes" hin. Er rät Bauinteressenten die ihr Projekt schon "weit genug vorangetrieben haben", das derzeit niedrige Zinsniveau schnell zu nutzen.

Leidtragende der hohen Inflationsrate von 5 Prozent in Deutschland, der die EZB nicht aktiv gegensteuere, seien die so genannten "Nachsparer", so Kühling. Damit sind Haushalte gemeint, die ihre Lebenshaltungskosten zum Teil über Dispokredite finanzieren müssen. Zu den Nachsparern zählen unter Zugrundelegung von Bundeszahlen auch rund 15 Prozent der Volksbankkunden vor Ort. Preissteigerungen, wie aktuell für Strom und Gas könnten diese kaum mehr über ihr frei verfügbares Einkommen auffangen, sorgt sich gr. Klönne. Von einer Rückkehr der EZB zum Gebot der Geldwertstabilität würden besonders die Nachsparer-Haushalte profitieren.

Getragen vor allem durch die gute Baukonjunktur vor Ort hatten die 6 Banken in 2021 Kredite in Höhe von knapp 3,2 Milliarden Euro in ihren Büchern. Das ist ein Anstieg um 11,5 Prozent. Zuletzt waren es rund 2,85 Milliarden Euro (2020). Seit 2019 stieg das Kreditvolumen jährlich um rund 300 Millionen Euro.

Die Unternehmen vor Ort wollen weiter investieren

Die "außergewöhnlichen Wachstumsraten, die so auf Dauer nicht bleiben werden", sagt Kühling, seien begründet in einer guten Konjunktur vor Ort: "Von Pandemiefolgen merken wir hier fast nichts." Die Unternehmen vor Ort – und das sei in allen Banken zu spüren – "wollen und werden weiter investieren. Sie sind innovativ, mutig und kapitalstark", weiß gr. Klönne. Aber: Das immer stärker in den Vordergrund rückende Personalproblem wird künftig Investitionen verhindern.

Starken Einfluss auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen werden die so genannten ESG-Ratings nehmen, erklärt Kühling. In "3 bis 4 Jahren" werden die Banken bei Kreditanträgen die Kriterien "Environmental Social Governance" – zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – in den Fokus "nehmen müssen". Perspektivisch würden Unternehmensfinanzierungen teurer.

"Das Wertpapiergeschäft ist in Gänze durch die Decke gegangen."Dr. Martin Kühling, Sprecher der AG der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Vechta

Zunehmend machen die Banken "rentierliche Geschäfte" in der Wertpapieranlage, so Kühling. Allein die Kunden der Volksbank Vechta hätten 2021 rund 100 Millionen Euro in Wertpapiere, vor allem in längerfristige Sparanlagen investiert. "Das Wertpapiergeschäft ist in Gänze durch die Decke gegangen", erklärt Kühling. Zwar steigen die Kundeneinlagen der Volksbanken im Kreis um 6,7 Prozent auf nun 2,73 Milliarden Euro, die "Kunden bleiben aber bequem", tadelt gr. Klönne. Immer noch würden rund 1,7 Milliarden Euro in kaum verzinsten Sichteinlagen gehalten.

Einen Schub gab es bei der Zahl der Online-Bankkonten. Die AG-Banken verwalten fast 64.000 der digitalen Konten – ein Zuwachs von imposanten 15,3 Prozent (2019: 51.500). Angesichts der "Nachhaltigkeit" der Onlinekonten – "Wege zur Bank fallen weg, auch Papierausdrucke" – und deren Sicherheit rate man den Kunden verstärkt zur Nutzung der digitalen Wege zur Erledigung ihrer Bankgeschäfte, sagt gr. Klönne. Die Beratung der Banken zu den neuen Möglichkeiten zeige Wirkung.

Fakten

  • Der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Vechta waren im Jahr 2021 folgende 6 Geldinstitute angeschlossen: Damme, Bakum, Dinklage-Steinfeld, Lohne-Mühlen, Visbek und Vechta.
  • Die Geldhäuser sind an 23 Standorten vertreten, betreiben 112 SB-Geräte, darunter 47 Geldautomaten.
  • Unter den insgesamt 556 Mitarbeitern sind 217 teilzeitbeschäftigt, 50 befinden sich in einer Ausbildung beziehungsweise im Studium.
  • Die Banken gaben 2021 fast 330.000 Euro in ihr lokales Sponsoring.
  • Im Jahr 2021 zahlten die Banken knapp 8,5 Millionen Euro Steuern, die Mitarbeiter weitere 4,9 Millionen Euro.
  • Eigentümer ihrer Volksbank sind heute 50.115 Mitglieder, das sind knapp 900 mehr als 2020 (49.217) und über 2.000 mehr im Vergleich zum Jahr 2019 mit 48.038 Genossen.

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