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Die Ionisationstechnik ist das Stiefkind bei der Bekämpfung des Coronavirus

Die komplette Vernichtung von Viren in der Raumluft durch den Einsatz von Ionen ist seit mehr als einem Jahrzehnt praxiserprobt. Die Ionen zerstören die Zellmembran von Viren und Bakterien.

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Seine Geräte vernichten Viren und Bakterien in der Raumluft mittels Ionisation: Markus Kenter, Inhaber von „ZentriJet“ in Garrel, stellt die Technik vor. Foto: Kühn

Seine Geräte vernichten Viren und Bakterien in der Raumluft mittels Ionisation: Markus Kenter, Inhaber von „ZentriJet“ in Garrel, stellt die Technik vor. Foto: Kühn

Markus Kenter, Chef von "ZentriJet" in Garrel, lächelt ein wenig gequält: "Wir sind viele Wege gegangen, haben Bürgermeister und Schulleiter angesprochen, aber am Ende gab es immer den Punkt, an dem wir nicht weiterkamen", antwortet er auf die Frage, warum die Ionisation in der Coronavirus-Schuldebatte keine sehr große Rolle spielt. Er lässt durchblicken, dass es zunächst die nicht vorhandenen Praxistests und fehlenden Zertifizierungen der "neuen" mobilen Geräte waren, danach fehlte offensichtlich der – auch politische – Mut, Neuland zu betreten und die Ionisation in die Schulen zu bringen. "Obwohl die Corona-Lage generell schlechter wurde, die Infektionszahlen nach oben gingen und die Ionisation seit mehr als 10 Jahren in der Praxis ist – und gegen Viren wirkt."

Kenter und sein Team bei Zentrijet sind Tüftler, bereits mehrfach für ihre technischen Innovationen ausgezeichnet. Die Firma gilt als Spezialist für Hochdruckvernebelung, baut und vertreibt Anlagen zur Kühlung oder für den Brandschutz, für die Desinfektion oder eben auch solche Geräte, mit denen es möglich sein soll, durch Ionisation Geruchsneutralität und Keimfreiheit herzustellen. "Einsatz in der Landwirtschaft, Schlachthöfen oder in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben – die Technik ist erprobt", sagt Kenter. Es lag nahe, die Ionisation weiterzuentwickeln. Dabei lag der Blick nicht ausschließlich auf der Bekämpfung des Coronavirus. "Im mit Keimen belasteten medizinischen Bereich, etwa in Wartezimmern oder Behandlungsräumen oder auch bei Allergikern und Asthmatikern, stehen bereits unsere Geräte."

Das Coronavirus wird zum einen durch direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen virushaltiger Tröpfchen, zum anderen durch ausgeatmete Aerosolpartikel, die sich insbesondere in schlecht gelüfteten Innenräumen anreichern können, weitergegeben. Sars-CoV-2-Viren docken sich etwa auch an Staub an und können im luftgetragenen Zustand mehrere Stunden lang infektiös bleiben.

Die Ionisationstechnik ahmt die Natur nach – den Oxidationsprozess

Um die Luft von den Viren zu reinigen, gibt es verschiedene Verfahren (siehe Fakten). Das Bundesumweltamt sieht allerdings, da mobile Luftreinigungsgeräte nicht das – etwa in Klassenräumen – anfallende Kohlendioxid und den Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, die Fensterlüftung und das Tragen einer medizinischen Maske als prioritäre Maßnahmen. Auch für viele Kommunen und Arbeitgeber ist das Lüften das Mittel der ersten Wahl in der Bekämpfung von (Corona-)Viren und Bakterien.

Und was ist nun das Besondere an der Ionisation? Über eine bipolare elektrische Aufladung in die Raumluft abgegebene Ionen zerstören bei Kontakt mit Viren oder Bakterien deren Zellmembran. In der freien Natur gebe es Ionen im Überfluss, erklärt Kenter. Am meisten dort, wo Wasser in Bewegung ist. Sehr gering ist dagegen die Zahl der Ionen in der Regel in geschlossenen Räumen. Die Zentrijet-Geräte machen nun nichts anderes, als die Natur, den Prozess der Oxidation, nachzuahmen: "Sie fluten den Raum mit Ionen", gesundheitsschädliches Ozongas entstehe dabei nicht.

Zentrijet will alle Viren und Keime bekämpfen können

Die Geräte arbeiten ohne Luftumwälzung, ein Lüfter und die natürliche Thermik verteilen die Ionen im Raum. Da die Ionen in der Luft bleiben, bekämpfen sie nach Einschätzung des Unternehmens sofort auch die durch das Ausatmen Infizierter wieder neu in den Raum eingetragenen Viren. Räume, die unter höchster Virenlast stehen, sind in kurzer Zeit von 90 Prozent ihrer Keim- und Virenbelastung befreit, nach 3 Stunden ist die Belastung "nicht mehr messbar", so Kenter.

Niklas Arkenberg, Geschäftsführer des Klimaspezialisten Airpool in Damme sagt, dass die Ionisation für den Großanlagenbau bislang noch nicht wirklich eine Rolle spielt. Allerdings hätten Bauherren, insbesondere Schulträger, aus der Coronavirus-Pandemie ihre Schlüsse gezogen. "Es gibt keinen Schulneubau mehr ohne dezentrale Lüftungsanlage." Dass sich Kommunen scheuen, viel Geld für einen vielleicht nur auf Zeit genutzten Luftreiniger auszugeben, dafür hat er Verständnis. "Das Geld ist dort, wo es geht, definitiv besser in einer dezentralen Raumluftversorgung angelegt. Das ist eine Investition von Dauer."

Die Ionisationsgeräte von Zentrijet gibt es in verschiedenen Größen und mit unterschiedlicher Leistung. Foto: ZentrijetDie Ionisationsgeräte von Zentrijet gibt es in verschiedenen Größen und mit unterschiedlicher Leistung. Foto: Zentrijet

Die Ionisationsgeräte von Zentrijet gibt es in verschiedenen Größen. Die Kosten für ein Gerät, das einen Klassenraum virenfrei halten könne, lägen bei rund 1.600 Euro, sagt Kenter. Für den Betrieb der energiesparenden Geräte werde lediglich Strom benötigt. Zu haben sind die Produkte direkt beim Hersteller, der gerade – nomen est omen – an der Einsteinstraße einen neuen Betriebsstandort baut.


Luftreiniger-Fakten (Auszug):

  • Im Grundsatz sind vier Technologien bei Luftreinigern zu unterscheiden:
  • Filtertechnologien: Das Luftreinigungsgerät saugt die Luft ein und entfernt Viren durch integrierte, hocheffiziente Gewebefilter. Die Filter müssen regelmäßig ausgetauscht werden.
  • UV-C: Nicht über einen Filter, sondern durch UV-C Strahlung im Gerät werden Mikroorganismen wie Bakterien und Viren inaktiviert. Ohne Schutz wirkt die Strahlung gesundheitsschädlich.
  • Ionisations- und Plasmatechnologien: Das Gerät produziert Ionen, die über die Zerstörung der Zellmembranen Bakterien und Viren vernichten. Die Technik ist wartungsarm, die Geräte sind leiser als Luftumwälzer.
  • Ozoneinsatz: Vernichtet Viren und Keime vollständig. Da ein Reizgas, darf reines Ozon laut Umweltbundesamt nicht in Räumen eingesetzt werden, in denen sich Menschen aufhalten. Für den Gebrauch, etwa in Schulräumen, ist Ozon nicht geeignet.

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