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Die Gastronomie plagt der Corona-Frust

Wim Otte und Oliver Kettler aus Neuenkirchen-Vörden brechen wegen der Pandemie die Einnahmen weg. Sie suchen nach Lösungen und haben durchaus Ideen.

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Wim Otte (links) und Oliver Kettler haben harte Wochen hinter sich. Ob es 2021 besser wird, wissen sie nicht - die Hoffnung ist groß. Foto: Lammert

Wim Otte (links) und Oliver Kettler haben harte Wochen hinter sich. Ob es 2021 besser wird, wissen sie nicht - die Hoffnung ist groß. Foto: Lammert

Zwei Geschäftsmänner aus Neuenkirchen-Vörden, ähnliche Branchen, eine Sorge: Wie geht es weiter? Oliver Kettler, Inhaber der Firma Kettler Event, die Veranstaltungen ausrichtet, hatte seine letzte Veranstaltung am 1. März. Seitdem: große Flaute, keine Einnahmen. Er lebt seit Monaten vom Ersparten.

Bei Wim Otte, Betreiber der Gastwirtschaft "Zum schwarzen Ross", kam wegen der Corona-Pandemie sechs Wochen lang kein Geld in die Kasse. Jetzt hat er zwar mit Hilfe Oliver Kettlers, der unter anderem zwei Pagoden geliefert hat, für die Wochenenden einen Biergarten eröffnet. Doch der bringt nicht annähernd die Einnahmen wie in "normalen" Zeiten, in denen neben der Gastronomie und dem Restaurant auch der Saalbetrieb läuft.

"Ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr in unserem Saal keine große Veranstaltung mehr stattfinden wird." Wim Otte, Gastronom

Wim Otte malt in dem Zusammenhang mit Blick auf 2020 ein düsteres Bild: "Ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr in unserem Saal keine große Veranstaltung mehr stattfinden wird." Und 2021? Der Gastronom zuckt mit den Schultern.

Konsequenzen hat das nicht nur für die Familie Otte. Sie hat für ihre beiden Angestellten Kurzarbeit angemeldet. Auch die meisten der sonst auf 450-Euro-Basis tätigen Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben. Den freitags und samstags geöffneten Biergarten schmeißen die Ottes alleine. Lediglich eine Kraft kümmert sich um die Reinigung der vier Doppel- und vier Einzelzimmer, die Wim Otte auch während des Lockdowns im Zuge von Corona vermietet hatte.

Oliver Kettler ist, was Veranstaltungen angeht, nicht minder pessimistisch. Vor Mai 2021 werde sich für die Eventbranche wenig tun, prophezeit er. Auch er, der gerade erst seine neue Halle im Gewerbegebiet Hörster Heide in Hörsten bezogen hat, hat längst kräftig auf die Kostenbremse gedrückt. Fast alle Fahrzeuge sind abgemeldet.

"Untertage 3.0" öffnet am Wochenende

Doch das Einsparen allein spült auf Dauer kein Geld in die Kasse. Deswegen eröffnet der Severinghauser auf seinem Gelände in Hörsten am kommenden Freitag das "Untertage 3.0", ebenfalls eine  Art Biergarten. Der Name lehnt sich an ein Kettler-Projekt in Damme an.

Vor einiger Zeit hatte er in den ehemaligen Memory-Räumen im Sockelgeschoss des Dammer Dersa-Kinos in Anlehnung an die Erzbergwerkstradition in der Stadt das "Untertage" eröffnet. Es musste auf Verfügung des Landkreises wegen einiger fehlender Genehmigungen zunächst wieder schließen. Beim jüngsten Dammer Carneval betrieb Oliver Kettler dann durchaus überirdisch das "Untertage 2.0".

Für "Untertage 3.0" hat er vier Pagoden aufgebaut und Bodenplatten ausgelegt. So ist eine befestigte Fläche von rund 400 Quadratmetern entstanden. Freitags, samstags und zumindest am ersten Wochenende auch am Sonntag soll der Biergarten geöffnet sein.

Oliver Kettler arbeitet dabei mit Caterern zusammen. Jedes Wochenende soll ein anderer Anbieter Essen liefern: "So bekommen auch sie Aufträge." Außerdem könnten so wenigstens einige seiner über 50 450-Euro-Kräfte Geld verdienen, erklärt er, der für seine vier Angestellten ebenfalls Kurzarbeit angemeldet hat.

Gastronomen achten streng auf Einhaltung der Vorgaben

Dass der Event-Ausrichter ebenso wie der Gastronom die strengen Hygiene-Vorgaben wegen Corona einhält, versteht sich von selbst. Eine Maskenpflicht herrscht etwa beim Betreten der Lokalitäten bis zum Erreichen des Tischs und beim Gang zur Toilette. Noch eine Konsequenz: Es gibt Flaschenbier.

Zudem, sagt Wim Otte, achte er peinlich genau darauf, dass sich die Gäste an die Spielregeln halten. Wenn das nicht mehr gewährleistet sei, schließe er den Biergarten. "Schließlich bin ich als Wirt verantwortlich."

Aber: Bei den Vorgaben wünschten sich Wim Otte und Oliver Kettler eine bessere Zusammenarbeit mit dem Landkreis Vechta. Denn dessen Verordnungen oder auch die des Landes verstünden viele Bürger nicht in Gänze und mit den jeweiligen Konsequenzen. So sollte der Landkreis etwa im Zusammenhang mit der Lockerung der Bestimmungen für Feiern deutlicher darauf hinweisen, dass trotzdem zum Beispiel eine Mund-Nasenschutz-Pflicht gilt, Abstandsregeln einzuhalten sind und feste Sitzplätze eine Grundbedingung darstellen.

"Die Menschen wollen raus."Wim Otte, Gastronom

Und doch: Wim Otte und Oliver Kettler sehen trotz Corona Bedarf für Angebote der Gastronomie an die Bürger. "Die Menschen wollen raus", betont Wim Otte. Da er als erfahrener Gastronom aber weiß, dass das Trommeln zum Handwerk gehört, hat er zum Beispiel die Vereine angeschrieben, die in "normalen" Zeiten auf der – aktuell geschlossenen – Kegelbahn im schwarzen Ross kegeln. Der Tenor des Briefes: Zur Not gehe es bei den Treffen ohne Kegeln.

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