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Die Fahrradhändler werden von der Kundschaft überrannt

Der Fachhandel mit angeschlossener Werkstatt hat die Corona-Kontaktverbote gut gemeistert. Der Saisonstart fällt mit hoher Kauflust der Kunden zusammen.

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Der Lohner Fahrradhändler Stephan Bünger (links), im Bild mit Werkstattmitarbeiter Andreas Bentrup, bestätigt gute Geschäfte im Reparaturbetrieb wie auch im Verkauf. Foto: Kühn

Der Lohner Fahrradhändler Stephan Bünger (links), im Bild mit Werkstattmitarbeiter Andreas Bentrup, bestätigt gute Geschäfte im Reparaturbetrieb wie auch im Verkauf. Foto: Kühn

Die Werkstätten sind bis zur Kapazitätsgrenze mit Reparatur- und Wartungsaufträgen eingedeckt, und der Verkauf neuer Modelle läuft dermaßen auf Hochtouren, dass Kunden Zeit mitbringen müssen, wollen sie ein ausführliches Beratungsgespräch führen. Die Rede ist von den Fahrradfachhändlern in der Region. Dort gibt sich gerade die Kundschaft die Klinke in die Hand. „Ja, es stimmt, wir haben wirklich gut zu tun“, bestätigt der Lohner Händler Stephan Bünger (1817 Bünger-Bikes). Zu den Corona-Verlierern zählt er seine Branche nicht, denn „die Lockerung der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise fällt mit dem lang ersehnten Start in die Fahrradsaison zusammen, die Nachfrage ist deshalb hoch.“

„Wir wurden förmlich überrannt.“Hermann Büld, Fahrradhändler aus Vechta

Sein Vechtaer Kollege Hermann Büld bestätigt den derzeitigen „Run“ auf die Fahrradhändler. „Schon in der Zeit der strikten Ladenöffnungsverbote sind wir in der Werkstatt gut zurecht-gekommen, die durften wir ja offen halten. Reparaturen und Wartungen wurden gut nachgefragt“, berichtet er. „Als wir dann vor zwei Wochen auch unseren Laden wieder öffnen konnten, war der Kundenansturm für uns kaum zu bewältigen.“ Das habe er in seiner Zeit als Fahrradhändler noch nicht erlebt, sagt Büld: „Wir wurden förmlich überrannt.“

Gefragt waren Fahrräder jeglicher Sortimente. „Die Nachfrage reichte vom Kinderrad über das Trekkingrad oder das E-Bike-Modell bis zum Handycap-Fahrrad aller Preisklassen. „Fast ausverkauft“ war Bülds Nähmaschinensortiment.

Der Urlaub fällt flach, jetzt wird in gute Fahrräder investiert

Im Zweirad-Center Pott in Vechta zeigt sich Inhaber Marco Busse ebenfalls „sehr zufrieden“. Wie seine Kollegen hatte er zunächst die Befürchtung, dass ihm die Corona-Pandemie den angepeilten Jahresumsatz völlig verhagelt. Die Werkstatt habe allerdings schon gut durch die Schließungsphase geholfen, sodass er keine Kurzarbeit anmelden musste. Nach jetzt zwei Wochen Ladenöffnung ist er überzeugt, dass er seine Jahreszahlen schafft, vielleicht übertrifft. „Die Kunden geben ihre Zurückhaltung auf und kaufen. Zuletzt waren oft Pärchen oder Ehepaare bei mir, die ganz klar gesagt haben: Der Urlaub fällt für uns flach, jetzt investieren wir in neue, gute Fahrräder.“

Marco Busse (Zweirad-Center Pott, Vechta). Foto: KühnMarco Busse (Zweirad-Center Pott, Vechta). Foto: Kühn

Diese Erlebnisse bestätigt auch Dominik Becker (Der Fahrradfachmann, Neuenkirchen). „Dass der Urlaub wegfällt, ist tatsächlich ein Anschaffungsgrund“, weiß er aus seinen Beratungen. Viele Kunden sähen das Fahrrad als Möglichkeit, die freie Zeit sinnvoll-sportlich zu nutzen: „Man kann ja auch nicht den ganzen Tag joggen“, schmunzelt er. Lange Arbeitszeiten seien bei ihm zwar üblich, aber jetzt seien sie noch länger.

Zum Problem für die Fahrradhändler, so sagen es Bünger und Busse voraus, wird das schwindende Angebot auf dem Markt. Denn noch immer litten alle Hersteller wegen der Corona-Krise und ausgefallener Produktion unter Teilemangel. Es könnten weniger Räder produziert werden. Becker bestätigt das, so fehlen einem seiner Zulieferer die Fahrradrahmen. Bis das Modell gebaut sei, dürften noch Monate ins Land gehen.

Die Lieferengpässe bei Fahrradteilen sind noch nicht gänzlich behoben

„Lieferengpässe wird es geben“, sagt Bünger. So lange aber die Läger der hiesigen Händler noch gefüllt seien, „ist ein Angebot vorhanden, Verkauf kein Problem“, doch die aktuellen Modelle werden rarer. „Mein Lager ist noch gut gefüllt, aber es ist so: Manches Fahrrad bekommen wir gar nicht oder später, auch spezielle Anbauteile gibt es oft nicht mehr. Da müssen wir die Kunden vertrösten.“ Wie Büld verkauft auch Bünger quer über das Sortiment, vom „sportlichen Mountainbike bis zur gemütlichen Gazelle“.

Die Fachverbände sagen der Fahrradbranche eines der vielleicht umsatzstärksten Jahre voraus. Da wird es angesichts einer hohen Kundenfrequenz auch in größeren Ladengeschäften schon einmal richtig eng. „Da haben wir Händler gerade alle dasselbe Problem“, sagt Büld. Er bittet daher alle Besucher um das vorgeschriebene Tragen von Mund-/Nasenschutz. Das diene dem Schutz aller Mitarbeiter im aufgesuchten Geschäft.

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