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Die EWE erhöht am 1. April ihre Preise für rund 300.000 Strom- und über 160.000 Gaskunden

Betroffen sind die Kunden in der Grund- und Ersatzversorgung. Der Energieversorger hebt die Preise seiner "Comfort"-Verträge an. Für Gas muss ein Standardhaushalt im Jahr jetzt 644 Euro mehr zahlen.

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Der Oldenburger Energieversorger EWE erhöht zum 1. April die Strom- und Gaspreise in der Grund- und Ersatzversorgung. Im Bild der Vertrieb in der Donnerschweer Straße. Foto: EWE

Der Oldenburger Energieversorger EWE erhöht zum 1. April die Strom- und Gaspreise in der Grund- und Ersatzversorgung. Im Bild der Vertrieb in der Donnerschweer Straße. Foto: EWE

Die EWE, größter Energieversorger im Nordwesten, erhöht zum 1. April ihre Energiebezugspreise in der Grund- und Ersatzversorgung. Kunden zahlen dann für ihren Strom bei jeweils unverändertem Grundpreis pro Kilowattstunde (kWh) 30,48 Cent brutto mehr, für Erdgas steigt der Preis auf 10,06 Cent.

Von den Erhöhungen sind rund ein Drittel, laut Marktvorstand Michael Heidkamp rund 460.000 der circa 1,5 Millionen Kunden betroffen. Mehr zahlen müssen Kunden, die über die so genannten "Comfort"-Tarife für Strom und Erdgas ihre Energie beziehen. Verträge, die mit einer Preisgarantie abgeschlossen wurden, sind bis zu ihrem Auslaufen nicht betroffen. Zuletzt im Januar hatte der Energieversorger seine Preise angepasst.

Im Vorjahresvergleich zahlt ein Durchschnittshaushalt für Strom 9,5 Prozent und für Gas 41 Prozent im Jahr mehr. Standardkunden, die der Energielieferant mit einem Jahresstromverbrauch von 2.800 kWh, bei Gas mit 17.500 kWh berechnet, müssen 95,50 Euro beziehungsweise 644 Euro mehr zahlen.

Gaspreis lag in der Spitze im Dezember um 400 Prozent höher als im langjährigen Schnitt

Der Strompreis steigt im April um 13,1 Prozent, der für Gas um 26,4 Prozent. Heidkamp gab in einer Videokonferenz mit Journalisten als Ursache für die im Vergleich "moderaten" Anhebungen an, dass die EWE seit Ende des vergangenen Jahres unerwartet rund 70.000 Kunden insolventer Energielieferanten in die Ersatzversorgung habe aufnehmen müssen. Diese gesetzliche Verpflichtung führe dazu, dass die eigenen langfristigen, preislich abgesicherten Energieeinkäufe am derzeit wegen der hohen Nachfrage teuren Terminmarkt aufgestockt werden müssten. Der Gaspreis lag dort in der Spitze im Dezember um 400 Prozent höher als im langjährigen Schnitt.

"Mit den neuen Preisen ist EWE dennoch im Schnitt günstiger als andere Grundversorger, die ihre Preise zum März im Durchschnitt bei Strom um rund 29 Prozent und bei Gas um rund 52 Prozent anheben", betonte Oliver Bolay, Geschäftsführer der EWE Vertrieb-GmbH, unter Bezug auf Erhebungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Bundesweit liege der Preis für Strom bei 36,19 Cent je kWh (plus 12,5 Prozent) und beim Gas bei 12,21 Cent/kWh (plus 73 Prozent).

Marktvorstand Michael Heidkamp begründete die Preiserhöhungen bei Strom und Gas in der Grund- und Ersatzversorgung vor allem damit, dass EWE zuletzt unerwartet 70.000 Kunden insolventer Energie-Discounter auffangen musste. Foto: VollmertMarktvorstand Michael Heidkamp begründete die Preiserhöhungen bei Strom und Gas in der Grund- und Ersatzversorgung vor allem damit, dass EWE zuletzt unerwartet 70.000 Kunden insolventer Energie-Discounter auffangen musste. Foto: Vollmert

Heidkamp fordert Änderungen der gesetzlichen Vorschriften für Grund- und Ersatzversorgung

Die zusätzlichen Beschaffungskosten könne man – ebenfalls eine Vorgabe des Gesetzgebers – nicht durch einen eigenen Tarif allein den Neukunden berechnen, sondern müsse sie auf alle Bestandskunden in der Grund- und Ersatzversorgung umlegen, erklärte Heidkamp. Bolay versprach, die Preisgestaltung über das laufende Jahr "sehr regelmäßig" zu überprüfen. Man wolle sich nicht "an den Kunden bereichern", versicherte ergänzend Heidkamp.

Dass die Preiserhöhungen für viele Kunden eine erhebliche zusätzliche finanzielle Belastung bedeuten, sieht auch Bolay. Der Energieversorger führe die jetzige, hohe Anpassung "erst zum Ende der laufenden Heizperiode durch" und habe bislang die "Energiepreiskrise für die Kunden durch eine gute Planung und kluge Beschaffungsstrategie so gering wie eben möglich gehalten".

Heidkamp fordert von der Politik Änderungen der gesetzlichen Vorschriften für die Grund- und Ersatzversorgung. Es dürfe nicht sein, dass die Bestandskunden derjenigen Energielieferanten, die mit einem verlässlichen Versorgungs- und Preismodell arbeiteten, durch die Insolvenz so genannter "Discounter" geschädigt würden. Die Bestandskunden der EWE würden jetzt spürbar über die jetzigen Preiserhöhungen für die auf Dauer nicht tragfähigen Geschäftsmodelle von Energiediscountern büßen. 

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