Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die Einigkeit der Demokraten hört auf, wenn die Wirtschaft leidet

Das Geflecht zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn ist eng – zu eng. Deshalb fallen sämtliche Sanktion bisher nahezu lächerlich aus. Nur ein Energieembargo würde Putin wirklich treffen.

Artikel teilen:

Der Krieg im Osten wird Europa radikal verändern. Insbesondere die wirtschaftlichen Beziehungen aller Volkswirtschaften westlicher Demokratien zum diktatorisch regierten Russland. Wie geradezu gefährlich verwoben inzwischen das Geflecht zwischen Westeuropa und Russland ist, das zeigen die hilflosen Versuche des Westens, den Einmarsch Putins mit nicht militärischen Mitteln zu verhindern. Der übliche Politikstil des „kleinsten gemeinsamen Nenners“ zeigt sich in harmlosen, geradezu lächerlich wirken den Wirtschaftssanktionen.

Die Abhängigkeit der Westeuropäer von russischem Gas und Öl, aber auch vom importierten Weizen scheint zu groß. Putin weiß, dass die Einigkeit der Demokraten dort aufhört, wo deren Wirtschaft leidet, die Menschen leiden. Wie also weiter vorgehen? Die Demokratien müssen endlich wieder ihre Handelsbeziehungen breit aufstellen, anderenfalls werden sie politisch und wirtschaftlich erpressbar. Die Pandemie lässt grüßen.

"Wirklich treffen wird Putin nur ein völliger Stopp des Importes russischer Waren und Rohstoffe."Roland Kühn

Die Nichtinbetriebnahme von Nord Stream 2, der Bann gegen russische Banken oder das Einfrieren der Vermögen von Putin nahestehenden Unterstützern, selbst die Kappung von Swift, dem internationalen Bezahlsystem, sind rein symbolische Maßnahmen, keine Mittel, die jemanden treffen, der laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg auf einem Devisenvorrat von rund 600 Milliarden Dollar sitzt.

Wirklich treffen wird Putin der völlige Stopp des Importes russischer Waren und Rohstoffe. Dazu gehört auch, dass die Gaspipeline Nord Stream 1 geschlossen wird. Um den Riesenberg an Devisen schnell abzuschmelzen darf der russische Staat, der fast zwei Drittel seines Haushaltes über die Verkäufe von Rohstoffen bestreitet, schlicht kein Geld mehr einnehmen.

Ein völliger Stopp der Importe ist kein wirtschaftlicher Husarenritt. Ein Energieembargo der EU gegen Russland würde die russische Wirtschaft nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) härter treffen als etwa die deutsche. Das klingt paradox, liegt aber daran, dass Deutschland einen guten Energiemix hat, wegfallendes russisches Gas kompensieren könnte. Die deutsche Wirtschaft würde sogar profitieren, das Bruttosozialprodukt steigen, während Putins Finanzen in die Knie gehen.

Rational betrachtet, wären die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft gering

Gern wird das Beispiel gebracht, dass das Bruttosozialprodukt Italiens um fast ein Viertel höher ist als das des Riesenreiches Russland. Der global gesehene Einfluss der Wirtschaft Russlands ist also kaum relevant und dessen gelieferte Rohstoffe durchaus substituierbar. Das zeigen auch die bislang überaus moderaten Verluste an fast allen wichtigen westlichen Börsen.

Natürlich werden sich die Wirkungen eines Energie- und Warenembargos im Westen zeigen. Die Inflation wird getrieben, Heizung und Mobilität werden für uns alle teurer – zunächst. Auch Unternehmen würden getroffen, durch Wegfall der Geschäfte, durch Enteignung. Aber: Rational betrachtet gehen lediglich 2 Prozent der deutschen Exporte in das riesige Land.

Letztlich bleibt westlicher Politik und jedem Demokraten nur eine Frage: Was ist uns Freiheit wert? Diese Frage müssen wir schnell klären. Es dürfte aber auch klar sein, dass der Winter des Jahres 2022 in jeder Beziehung kalt werden wird.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die Einigkeit der Demokraten hört auf, wenn die Wirtschaft leidet - OM online