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Die Deindustrialisierung steht vor der Tür

Deutschland steuert auf eine Deindustrialisierung zu. Um diese abzuwenden, bedarf es Schnelligkeit – nicht nur zum Wohl der jetzigen Generation.

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Unternehmer haben einen anderen Blick auf explodierende Energiepreise. Die eigene massive Betroffenheit wird von niemandem von der Hand gewiesen, allerdings wird der allerorten wabernde Begriff der Energiekrise richtig als Energiepreiskrise definiert, die sich – gerade vom reichen Deutschland – bei allen Widrigkeiten bewältigen lässt. Letztlich bestimmt immer der die Energieströme, der bereit und in der Lage ist, teure Energie zu bezahlen.

Wirtschaftslenker schauen aber auch in die Zukunft – und da sehen sie inzwischen schwarz für den Wirtschaftsstandort „D“. Es ist die Rede von „Deindustrialisierung“. Denn: Die hohen Energiekosten treiben längst überaus wichtige Grundstoffproduzenten aus dem Land. Und gehen die, dann wird es für Zurückbleibende schwierig.

Jeder Verbraucher kann die Nöte der auf die Grundstoffproduktion angewiesenen nachfolgenden Wirtschaftszweige nachvollziehen. Bei der Produktion von Düngemitteln fällt Kohlendioxid an, das im Weiteren in der Kühlung als Trockeneis verwendet wird, im Inneren von Feuerlöschern steckt oder als Kohlensäure für sprudelnde Getränke sorgt. Wegen der hohen Energiekosten wird weniger Dünger produziert, damit auch weniger Kohlendioxid. Das Fehlen des Gases zeigt sich dem Verbraucher an leeren Regalen im Getränkemarkt, viel schwerwiegender aber ist, dass auch dem Unternehmer das Gas fehlt, um seine Ware, vielleicht einen Feuerlöscher, zu produzieren. Es gibt unzählige weiterer „Kuppelprodukte“, die dringend benötigter Ausgangsstoff zur Herstellung anderer Waren sind.

Die Profiteure anhaltend hoher Energiepreise in Deutschland werden die Regionen in der Welt sein, die über eigene und billige – noch fossile – Energiequellen verfügen.

"Wird Schnelligkeit in dieser Republik nicht zum Programm, zerstört diese – unsere Generation – heute die Arbeitsplätze für die nach uns Kommenden."Roland Kühn

Die Abwanderung funktionsfähiger Grundstoffindustrien in das außereuropäische Ausland, ist sie einmal in Gang gesetzt, dürfte sich nicht rückgängig machen lassen. Im schlechtesten Fall verlagern auch gleich die nachgeordneten Produzenten ihre Fertigungen. Im günstigen Fall produzieren diese Unternehmen in Deutschland weiter, importieren ihre Ausgangsstoffe aber nun. Angesichts der Erfahrungen mit gestörten Lieferketten will das aber niemand mehr.

Der harte Schluss aus solchen Szenarien liegt auf der Hand: Die Energie- und Klimawende in Deutschland muss noch schneller, mit einem schon fast die Grenzen sprengenden Kapitaleinsatz, vorangetrieben werden. Schnelles Handeln der lenkenden Institutionen in dieser Republik ist gefragt. Die Zeit der Diskussionen ist vorbei. Die in deutscher Gemütlichkeit erstarrten Behörden müssen in die Spur gebracht werden. Falls nötig, muss eine Art „Notstandsrecht“ her, um die Energie- und Klimawende auch planerisch umsetzen zu können.

Wird Schnelligkeit in dieser Republik nicht zum Programm, zerstört diese – unsere Generation – heute die Arbeitsplätze für die nach uns Kommenden.

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