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Der Krieg in der Ukraine hat Folgen für den Handel und die Händler

In Kauver-Märkten wie in Friesoythe, Cloppenburg oder Lohne werden Spezialitäten aus Osteuropa angeboten. Der Krieg und seine Folgen sind dort aus mehreren Gründen ein großes Thema.

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Seit 2010 betreibt Eugen Hock ein Geschäft in Friesoythe mit osteuropäischen Waren und Lebensmitteln. Foto: Fertig

Seit 2010 betreibt Eugen Hock ein Geschäft in Friesoythe mit osteuropäischen Waren und Lebensmitteln. Foto: Fertig

Der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen auf die Menschen in der Region. Auch Waren- und Handelsströme sind betroffen. Eugen Hock betreibt in Friesoythe seit 2010 ein Geschäft für osteuropäische Lebensmittel. Es gehört zum Einkaufsverbund Kauver und firmiert auch unter diesem Namen.

Hocks Laden ist geöffnet, Kunden gehen dort ein und aus. Die Regale sind gut gefüllt. Vor dem Eingang stehen Schütten mit frischem Obst und Gemüse. Doch mit Auskünften an die Presse hält sich der Chef sehr zurück. Er verweist auf die Sprecherin des Einkaufsverbundes Kauver, Anastasia Kirsch aus Ibbenbüren. Die erläutert die Gründe.

Schmierereien und eingeworfene Scheiben

Die GmbH selbst hat ihren Sitz in Gelsenkirchen. Elf Läden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind in dem Verbund zusammengeschlossen. Sie werden eigenständig betrieben. Neben dem Geschäft an der Friesoyther Bahnhofstraße gibt es in Niedersachsen weitere Kauver-Märkte in Cloppenburg, Lohne, Lingen und Hannover.

Durch den Krieg in der Ukraine seien alle sehr verunsichert, sagt Anastasia Kirsch. Nach Berichten in Zeitungen habe es Feindseligkeiten gegen einzelne Kauver-Filialen gegeben. Scheiben seien beschmiert worden. Am Sonntag sei bei dem Geschäft in Oberhausen ein Fenster eingeworfen worden. Die Verbundleitung stelle es den Ladenbetreibern frei, mit Journalisten über die aktuelle Situation zu sprechen. Doch wer das nicht wolle, brauche nicht. Dann rede sie.

Märkte beziehen ihre Produkte überwiegend aus der EU

„Wir sind alle gegen den Krieg“, sagt Kirsch, „aber wir möchten die Diskussion darüber aus unseren Geschäften vor Ort fernhalten.“ Die Kauver-Märkte hätten internationale Kundschaft. Dort kauften Menschen aus Russland ein, aus der Ukraine, aber auch aus anderen Ländern, und natürlich kämen auch deutsche Kunden, die Spezialitäten aus Osteuropa haben wollten. Es sei ein bunter Mix. Allen Geschäftsinhabern sei daran gelegen, dass das so bleibe und sich Kundinnen und Kunden jedweder Herkunft bei ihnen wohlfühlten.

Mit den Lieferketten gebe es bisher noch keine Schwierigkeiten, sagt Kirsch. Doch ob das auch für die Zukunft gelte, bleibe abzuwarten. Das könne sich täglich ändern. Man stehe in ständigem Kontakt mit den Großhändlern, erläutert die Kauver-Sprecherin. Allerdings bezögen die Märkte ihre Produkte ohnehin überwiegend aus der EU. Viele der Produkte würden in Deutschland oder Polen produziert.

Russen nicht automatisch als Kriegstreiber abstempeln

Ähnlich läuft es im Geschäft von Natalie Heier. Die 42-Jährige führt in Ihrhove in der Gemeinde Westoverledingen an der Industriestraße seit 2 Jahren den Markt „Natalie“ für osteuropäische Spezialitäten. „Ich beziehe alle Lebensmittel aus Deutschland. Es wird alles hier im Land nach russischen Rezepten produziert“, erläutert die Geschäftsfrau. Vieles, so wie Schaschlik und Pelmeni, bereite sie auch selbst zu. Von daher habe sie keine Lieferprobleme.

Doch, der Krieg in der Ukraine sei auch in ihrem Laden ein großes Thema, sagt sie. Ein Thema, das die Menschen bewege, denn bei ihr kauften Leute aller Nationalitäten ein. Heier selbst wurde in der früheren Sowjetunion geboren, lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland und ist seit 12 Jahren in Ihrhove ansässig. Sie habe  Flüchtlinge aus der Ukraine, eine Frau mit Kind, bei sich zu Hause aufgenommen, erzählt sie.

Sie finde es schwierig, dass wegen des Krieges alle Menschen, die Russisch sprechen, abgestempelt und Kinder in der Schule negativ auf ihre Herkunft angesprochen werden. „Viele Menschen sprechen Russisch“, sagt sie. Das bedeute nicht, dass sie mit dem Krieg einverstanden sind. Sie sei froh, auf dem Land zu leben, wo die Menschen einander kennen, und viele Leute wüssten, wer sie sei.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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