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Der Konjunkturklimaindex im Oldenburger Land geht in die Knie

Die aktuelle Umfrage der IHK zeigt deutlich eine zunehmend schlechtere wirtschaftliche Stimmung bei den Unternehmen auf. Alle Branchen leiden unter den hohen Energiekosten und deren Auswirkungen.

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Kaum noch Kauflust: Einzel- wie auch Großhandel im Oldenburger Land  spüren die zunehmende Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Foto: dpa/Jensen

Kaum noch Kauflust: Einzel- wie auch Großhandel im Oldenburger Land  spüren die zunehmende Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Foto: dpa/Jensen

War die wirtschaftliche Lage im Oldenburger Land bislang noch recht stabil, schlagen jetzt auch in der Region der Ukrainekrieg, die hohen Energiekosten, die Konsumzurückhaltung aufgrund schwindender Kaufkraft sowie Lieferengpässe auf die Geschäftserwartungen der hiesigen Unternehmen durch. Das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Oldenburg (IHK) zeigt: Der Konjunkturklimaindex fällt deutlich um 20 Punkte auf 58,3 Punkte. Bei der letzten Umfrage vor 3 Monaten waren es noch 79 Punkte. "Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten schlagen mittlerweile bei vielen Betrieben durch – und zwar branchenübergreifend", sagt Björn Schaeper, Geschäftsführer der IHK für Wirtschaftspolitik.

An der Konjunkturumfrage für das 3. Quartal haben sich laut IHK 267 Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungswirtschaft beteiligt. 68 Prozent dieser Unternehmen sehen die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten pessimistisch, nur knapp 3 sind zuversichtlich. Die Unternehmen berichten über deutlich höhere, teilweise um das 10-fache höhere, Energiekosten, Zulieferbetriebe können Termine wegen Materialmangels nicht einhalten, Handel und Gastgewerbe kämpfen zusätzlich mit der Kaufzurückhaltung ihrer Kunden. Die aktuelle Lage wird derzeit von 23 Prozent als schlecht beurteilt, 21 Prozent bewerten sie aber immer noch als gut.

Fast jeder zweite Befragte meldet eine schlechte Ertragslage

Allerdings: Fast jeder zweite Befragte meldet eine schlechte Ertragslage, berichtet Schaeper, denn die gestiegenen Kosten lassen sich nicht immer an die Kunden weiterreichen. Um Kosten zu sparen, reagieren laut IHK viele Betriebe mit Anpassungen der Produktions- oder Geschäftszeiten, auch wenn dies auf Kosten des Umsatzes geht. Erschwerend sei, dass das Konjunkturumfeld global eingetrübt sei, so Schaeper. Der Export falle somit als Stütze weg.

Trotz der Diskussionen um vom Staat übernommene Energierechnungen oder die Einführung eines Gaspreisdeckels werden die Erwartungen der Unternehmen immer noch von einem möglichen vollständigen Gaslieferstopp bestimmt. Das würde Gaszuweisungen und damit umfassendere Produktionsdrosselungen oder gar -einstellungen bedeuten und hätte somit noch drastischere Konsequenzen für die Konjunktur als die ohnehin schon sehr schwierigen Bedingungen. Investitionen, auch in Digitalisierungsvorhaben und in Weiterbildungsmaßnahmen, werden von den Unternehmen verschoben.

Geplante Gaspreisbremse sei ein wichtiges Signal

Für Schaeper ist die geplante Gaspreisbremse zur Entlastung der Unternehmen und Verbraucher "ein wichtiges Signal". Sie zeige eine klare Perspektive für die Betriebe auf und trage zu mehr Planungssicherheit bei.

Beim Blick auf die Branchen ergibt sich ein differenziertes Bild. Danach klagt die Industrie über Materialknappheit und hohe Energiepreise. Steigende Baupreise und die Investitionszurückhaltung der Unternehmen haben die Nachfrage nach Bauleistungen zurückgehen lassen, aber noch sind die Auftragsbücher des Baugewerbes gut gefüllt. Einzelhandel und Großhandel leiden unter der Kaufzurückhaltung ihrer Kundschaft, während Dienstleister ihre Lage als noch zufriedenstellend beurteilen.

Noch wird auch im Verkehrs- und Logistikgewerbe die Geschäftslage überwiegend positiv bewertet. Einer hohen Nachfrage nach Transportdiensten stehen begrenzte Kapazitäten gegenüber. Dies führt zu steigenden Preisen. Für die nächsten Monate sind die Erwartungen aber auch hier negativ.

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