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Der falsche Zeitpunkt

Thema: Der Streik der Lokführer – Monatelange Reisepläne können in diesen Tagen implodieren, weil die GDL ihre Macht ausspielt und fast jeder Zug stillsteht.

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Streiks gehören zum Instrumentenkasten von Gewerkschaften. Insofern tut die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) ab heute genau das, wofür sie da ist. Doch beim Streik der Lokführer gibt es eine weitere Dimension: die staatsbürgerliche Verantwortung. Und die lässt fragen, ob ein solcher ins Mark der Republik gehender Streik im August 2021 nötig ist.

Die Gründe für den Zweifel: Es ist Ferienzeit. Wer weite Strecken zurücklegen muss – noch dazu mit Kindern – ist froh, dies nicht auf überfüllten Straßen tun zu müssen, sondern sich in ein komfortables ICE-Abteil setzen zu können. Monatelange Reisepläne können in diesen Tagen implodieren, weil die GDL ihre Macht ausspielt und fast jeder Zug stillsteht, weil ihr starker Arm das will. Man bedenke: In Zeiten von Sommerferien, Homeoffice und Zoom-Meetings werden es kaum Geschäftsreisende sein, deren Pläne durchkreuzt werden.

"Und was machen die Lokführer? Erzwingen, dass viel mehr Menschen als nötig in viel weniger Zügen als möglich auf engem Raum zusammenkommen müssen"Philipp Ebert

Doch noch gewichtiger: Die Corona-Pandemie. Die Zahlen steigen, die Delta-Variante macht Sars-Cov-2 um ein vielfaches ansteckender als zuvor. Und was machen die Lokführer? Erzwingen, dass viel mehr Menschen als nötig in viel weniger Zügen als möglich auf engem Raum zusammenkommen müssen. Dadurch dürfte die Ansteckungsgefahr erheblich steigen.

Letztlich aber kommt ein Streik der GDL nie passend – das war auch in der Vergangenheit schon so. Wenn die Frauen und Männer in den Führerständen so essenziell für das Funktionieren des Landes sind – vielleicht sollte man sie dann auch entsprechend bezahlen. Darüber ist zu reden – aber nicht jetzt.

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