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Der Faktor "Zeit" könnte fürs Zentralklinikum eine wichtige Rolle spielen

Der Referatsleiter des Sozialministeriums zeigt Perspektiven für die Planung des Zentralklinikums Vechta-Lohne auf. Ein fünfter Bewerber sorgt für zusätzliche Konkurrenz.

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Die Krankenhauslandschaft der Zukunft im Blick: Zur ersten Sitzung des Beirates begrüßte der Stiftungsvorsitzende Ulrich Pelster mehr als 30 Teilnehmer. Zu Gast war Dr. Boris Robbers, Referatsleiter für Krankenhäuser im Niedersächsischen Sozialministerium. Foto: Speckmann

Die Krankenhauslandschaft der Zukunft im Blick: Zur ersten Sitzung des Beirates begrüßte der Stiftungsvorsitzende Ulrich Pelster mehr als 30 Teilnehmer. Zu Gast war Dr. Boris Robbers, Referatsleiter für Krankenhäuser im Niedersächsischen Sozialministerium. Foto: Speckmann

In der ersten Sitzung des Beirates für das Zentralklinikum Vechta-Lohne gab es Komplimente von höchster Stelle: Dr. Boris Robbers, Referatsleiter für Krankenhäuser im Niedersächsischen Sozialministerium, bezeichnete das Projekt als "super sinnvoll“. Die anerkennenden Worte aus Hannover, gepaart mit der demonstrativen Geschlossenheit vor Ort, schienen Flügel zu verleihen. In der großen Runde war plötzlich schon vom Richtfest die Rede.

Gegen eine rauschende Feier hätte die Schwester-Euthymia-Stiftung als Trägerin der fusionswilligen Krankenhäuser in Vechta und Lohne sicher nichts einzuwenden. "Das sind gute Perspektiven“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Pelster schmunzelnd. Bei der aufkeimenden Euphorie war ihm und den übrigen Teilnehmern der Videokonferenz aber bewusst, dass es noch ein weiter Weg ist, bis ein Richtkranz über dem geplanten Neubau im Wind baumelt.

Realisierung ist nach wie vor von Förderung abhänging

Ob das 220 Millionen Euro schwere Großprojekt an der Diepholzer Straße in Vechta überhaupt realisiert wird, ist aufgrund der Abhängigkeit von den Fördermitteln des Landes Niedersachsen zurzeit völlig unklar. In diesem Punkt hielt sich auch der Vertreter des Ministeriums zurück. Auf die Frage, wann mit einer Entscheidung über die Vergabe zu rechnen sei, gab es keine klare Antwort.

In der Visualisierung steht das Großprojekt schon. Das Zentralklinikum an der Diepholzer Straße in Vechta soll 450 Planbetten umfassen. Skizze: Architekten t+pIn der Visualisierung steht das Großprojekt schon. Das Zentralklinikum an der Diepholzer Straße in Vechta soll 450 Planbetten umfassen. Skizze: Architekten t+p

Robbers zeigte Verständnis für den Wunsch der Antragsteller, möglichst schnell Planungssicherheit zu bekommen. Doch es gebe keine Bewertungsmatrix für die Vergabe der Fördermittel. Die Entscheidungsfindung erfolge im Planungsausschuss des Sozialministeriums. Dort würden die Investitionen gemeinsam mit den Krankenkassen geprüft. Ihr Urteil hat bekanntlich großes Gewicht bei den heiß umworbenen Finanzspritzen.

Der aufgelegte Strukturfonds umfasst 360 Millionen Euro. Dem steht ein Antragsvolumen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro gegenüber. Hier konkurriert das Zentralklinikum Vechta-Lohne mit Projekten aus den Landkreisen Diepholz und Heidekreis sowie dem ostfriesischen Georgsheil. Die Situation könnte sich sogar noch verschärfen. Es soll inzwischen einen 5. Bewerber geben, wie der Referatsleiter durchblicken ließ. Zur Herkunft wollte er sich nicht äußern.

Laufzeit für Strukturfonds wird verlängert

Der Referent hatte noch eine weitere Neuigkeit für den Beirat parat: Aufgrund der Corona-Pandemie werde die Laufzeit des Strukturfonds um zwei Jahre bis Ende 2024 verlängert. Hier stellt sich die Frage, welchen Einfluss das größere Zeitfenster und der Fortschritt einzelner Projekte auf die Mittelvergabe haben, etwa wenn sich Planungen wie im Heidekreis durch Streitigkeiten verzögern.

Seine persönliche Einschätzung sei, dass bei der finanziellen Überzeichnung der Projekte „eventuell am Ende der Faktor Zeit ein nicht ganz unwichtiger sein könnte“. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Vechta mit der frisch eingeleiteten Bauleitplanung für den ausgewählten Standort sicher einen wichtigen Fortschritt gemacht und auch ein Signal nach Hannover gesendet.

Ein weiterer Punkt könnte sich nach Auffassung des Referatsleiters ebenfalls auszahlen: Wenn einer Bewerbung ein breiter Konsens zugrunde liege, wäre das bei der Knappheit der Fördermittel vorteilhaft. Dieser Konsens ist im Landkreis Vechta gegeben. Das haben die mehr als 30 Vertreter aus Politik, Verwaltung und Gesundheitswesen in der Beiratssitzung mit ihren Wortmeldungen unisono zum Ausdruck gebracht.

"So wie die Stiftung es geplant hat, kann man es besser nicht machen.“Dr. Boris Robbers, Referatsleiter für Krankenhäuser im Niedersächsischen Sozialministerium

"Ich freue mich, das spannende Projekt begleiten zu dürfen", sagte Robbers. Er sei dankbar dafür, dass er von Pelster und dessen Mitstreitern frühzeitig ins Boot geholt worden sei. Das detaillierte Wissen über das Vorhaben erweise sich in der weiteren Betreuung als Vorteil. "So wie die Stiftung es geplant hat, kann man es besser nicht machen“, attestierte der Vertreter des Ministeriums.

In seinen Augen spiegeln Struktur und Größe des Hauses, das über 450 Planbetten verfügen soll, die Zukunft sehr gut wider. Wie wichtig diese langfristige Perspektive in der Gesundheitsversorgung ist, machte Robbers anhand des am Mittwoch veröffentlichten Schlussberichtes der Enquete-Kommission fest. Eine zentrale Empfehlung basiere auf einer gezielteren Krankenhausplanung, die mehr in die Zukunft schaue, anstatt nur den tatsächlichen Bedarf abzubilden.

Kommission empfiehlt verstärkte Konzentration

Eine weitere Empfehlung des rund 300 Seiten starken Papiers sehe die Einführung einer gestuften Versorgungsstruktur in Niedersachsen vor, wie es bereits in einigen Bundesländern der Fall sei. Die Konzentration von hochqualifizierten Angeboten werde für zwingend erforderlich gehalten, berichtete Robbers. Die Forderung nach der verstärkten Konzentration und Bildung von schwerpunktmäßigen Einheiten passe zu dem Projekt im Landkreis Vechta.

"Die Krankenhauslandschaft wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verändern", prognostizierte der zuständige Referatsleiter. Darum sei es bei einem Zentralklinikum Vechta-Lohne wichtig, auch die umliegenden Häuser in Diepholz und Damme im Blick zu haben. In der Regelversorgung werde es immer Überschneidungen geben. Diese Konkurrenz sei auch gut. Aber wo eine besondere Expertise wichtig sei, sollten auch übergreifende Angebote geschaffen werden.

Mit Damme wäre es eine "Riesenlösung"

Mit Blick auf die heimische Krankenhauslandschaft griff Robbers den Gedanken auf, ob neben Vechta und Lohne auch Damme in die Zentralisierungspläne einbezogen werden sollte. Es wäre wahrscheinlich sinnvoll gewesen, eine "Riesenlösung" zu machen, aber unterschiedliche Träger und Verbundstrukturen dürften nicht außer Acht gelassen werden, sagte der Experte. Er glaube, dass der Kreis Vechta mit zwei Häusern für die künftige Gesundheitsversorgung gut aufgestellt wäre.

Als Zusage können solche Äußerungen aus der Landeshauptstadt sicher nicht gewertet werden, aber die persönliche Einschätzung dürfte allen Beteiligten im Landkreis Vechta Mut machen, ihre Planung zügig, verlässlich und einheitlich voranzutreiben. „Wir bewegen uns im Wettbewerb", stellte Stiftungsvorsitzender Pelster unumwunden fest. Er zeigte sich mit Blick auf die Gesamtsituation überzeugt, "dass wir uns in verschiedener Hinsicht positiv abheben". 

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