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Das "Winning Horse" ist ausgeritten

Gästebuch: Die Gastronomie liegt mausetot am Boden. Untergegangen mit den Kneipen und Lokalen, den Wein- und Wirtsstuben ist auch der jahrelange Höhepunkt des Gastro-Jahres für Cloppenburg.

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„Never change a winning horse!“, sagt der Engländer und meint: Wechsle nie ein Pferd, das gewinnt. Oder anders ausgedrückt: Beende nie etwas, das erfolgreich läuft. Jedenfalls nicht freiwillig und keineswegs ohne Not.

Das wollen wir doch mal sehen, sagten sich die Wirtinnen und Wirte des Hotel- und Gaststättenverbandes Cloppenburg Stadt und Land. Wir schaffen das, nicht wahr, Angela? Wir, denen das Wohl und Wehe unserer Gäste doch so sehr am Herzen liegt, wir werden das schon hinkriegen, die erfolgreichste Veranstaltung im Jahr, für die wir verantwortlich sind, den Garaus zu machen, einen würdelosen Tod zu bereiten und den Termin sang- und klanglos und möglichst geräuschlos in die ewigen Gastro-Gründe zu befördern. Es gibt ja schon genug Empfänge.

Ja, leiwe Wirtslüe, da wundert sich keiner, dass die Gastronomie mausetot am Boden liegt. Untergegangen mit den Kneipen und Lokalen, den Wein- und Wirtsstuben ist auch der jahrelange Höhepunkt des Gastro-Jahres für Cloppenburg und umzu, der alljährliche Neujahrsempfang des Dehoga, früher im Dorfkrug des Museumsdorfes, danach in der Stadthalle. Leergefegt ist die Stätte.

Früher, ja einstmals, jeweils am 2. Donnerstag im Januar quoll der Dorfkrug über. Man riss sich um die Plätze. Wer nicht eingeladen wurde, beschwerte sich anschließend bitterlich oder bitterböse. Ein besonderer Gast wurde jeweils geehrt und revanchierte sich mit einer Sammlung für einen sozialen Zweck. Manchmal verdoppelte der Geehrte die gesammelte Summe aus dem eigenen Säckel. Festredner wurden gesucht, gefunden und geheimgehalten. Ein gesellschaftlicher Höhepunkt.

"2023 hat es sich ausgefeiert. Adi Röhr ist verstummt. Seine Ära ist verglüht."Otto Höffmann

Zur Jahrtausendwende erhoben die Wirtinnen und Wirte auf dem Neujahrsempfang einen ihrer früheren Kollegen in den Adelsstand des „Gastronomen des Jahrhunderts“. Es traf keinen Geringeren und keinen weniger Geeigneten als den langjährigen Wirt des „Briefkasten“, den unvergessenen Felix Viegener, der diese einmalige Auszeichnung unter Tränen entgegennahm, frenetisch bejubelt von seinen früheren und noch früheren Gäste, die jetzt alle in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft was zu sagen hatten. Als noch keiner an eine Silvia Breher im CDU-Vorstand zu denken wagte („Gottseibeiuns“), hielten dort schon Doris Ostendorf, Hildegard Kuhlen und andere die Festansprache und fixe Männer natürlich auch.

Und über allem, hinter allen und immer dabei und mittendrin, Adi „Mecki“ Röhr, der Veranstalter als Dehoga-Vorständler, als Wirt des Dorfkrugs, als verrückter Ideengeber, als Spaßvogel und für eben jenen jederzeit zu haben. Genie Adi. Legendär seine Rufe durch den Saal „Papa!!!“. Gemeint war sein damaliger Schwiegervater Franz Schlömer, ebenfalls ein Cloppenburger Wirte- und Hotelier-Urgestein. Anarchie und Übermut.

Doch 2023  hat es sich ausgefeiert. Adi Röhr ist verstummt. Seine Ära ist verglüht. “Papa“ Schlömer kann vom Himmel auch nichts retten. Die Nachfahren im Vorstand haben andere Sorgen, andere Interessen, vielleicht andere Stärken. Für ein solches Event reicht es jedenfalls nicht. Es habe sich nicht mehr gerechnet, hört man sie sagen. Für eine Zuschussveranstaltung habe man kein Geld. Also weg damit. Nach Corona-Pause einfach nicht weitermachen. Merkt ja keiner.

Mein Gott, seufzt da der Gast. Die Leute hätten ohne Ende Eintritt gezahlt, nur um an dem Empfang teilnehmen zu können. Man hat es gar nicht erst versucht. Der Neujahrsempfang der Stadt Cloppenburg, stets im Schatten des Dehoga-Abends und spärlich besucht, will sich nun an den herabfallenden Brosamen des Wirteverzichts bedienen und ist jetzt erstmalig aus dem Ratssaal in die Stadthalle umgezogen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Das „winning horse“ aber hat ausgedient, ist gewissermaßen ausgeritten. Man sitze aber fest im Sattel, verlautet es aus Dehoga-Funktionärskreisen. Doch wo ist das Pferd?


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