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Das Oldenburger Münsterland ist ganz heiß auf Erdwärme

Immer mehr Hausbesitzer sowie gewerbliche und öffentliche Nutzer vor Ort installieren Geothermieanlagen. Landesweit liegt OM beim Zuwachs aktuell weit vorne.

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Nicht viel Platz benötigt eine Erdwärmesonde, allerdings muss sie von einer großen Bohrmaschine tief in die Erde gebracht werden. Foto: BWP

Nicht viel Platz benötigt eine Erdwärmesonde, allerdings muss sie von einer großen Bohrmaschine tief in die Erde gebracht werden. Foto: BWP

Sonne, Wind und Wasser sind als alternative Energiequellen zu fossilen Brennstoffen bekannt. Im Schatten davon gewinnt die Nutzung von Erdwärme zum Heizen von Privat- und Gewerbeimmobilien an Bedeutung. Die Technik, die hinter der Gewinnung dieser Wärmeenergie steht, nennt sich Geothermie (siehe Fakten). Vor allem die oberflächennahe Variante mit Bohrtiefen zwischen 50 und 150 Metern erfreut sich wachsender Beliebtheit – sowohl landesweit als auch vor Ort. So sind im vergangenen Jahr nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) nur im Landkreis Aurich mehr neue Anlagen hinzugekommen als in den Kreisen Cloppenburg und Vechta.

Der Reihe nach: In Niedersachsen nimmt die Anzahl der Geothermieanlagen nach einigen Jahren der Stagnation nunmehr rapide zu, teilt das LBEG mit. So seien allein im vergangenen Jahr etwa 2600 neue Erdwärmepumpen installiert worden. Das entspreche einem Zuwachs von mehr als 15 Prozent. "Dieser Aufwärtstrend ist sehr erfreulich. Er ist unter anderem auf vereinfachte, zielgerichtete Regelungen bei der Installation der Anlagen zurückzuführen", erklärt LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier. Dadurch seien die Verfahren vergleichsweise kurz und unbürokratisch geworden.

Zurück zu den Zahlen: Inzwischen sind in Niedersachsen mehr als 18.800 Erdwärmeanlagen in Betrieb. Darin sind etwa 430 gewerbliche und öffentliche Anlagen mit mehr als 30 Kilowatt Heiz-/Kühlleistung enthalten, die beispielsweise von Schulen, Kindergärten oder Bürogebäuden genutzt werden. Insgesamt liege die Ausbaurate bei den oberflächennahen Geothermieanlagen in Niedersachsen aktuell deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Bereits mehr als 1000 Anlagen in OM installiert

Allerdings hat Niedersachsen auch Nachholbedarf. So wurden nach Zahlen des Landesamtes für Statistik im Jahr 2019 landesweit nur bei insgesamt 4,6 Prozent der neuen Wohngebäude Erdwärmeheizungen installiert. Der Bundesdurchschnitt lag jedoch bei 7,6 Prozent.

Spitzenreiter bei der Gesamtzahl der installierten Anlagen war im vergangenen Jahr erneut die Region Hannover mit insgesamt 1862 Erdwärmepumpen, gefolgt vom Landkreis Emsland (1758). Auf die Bevölkerung bezogen befindet sich die höchste Anlagendichte mit 5,3 je 1000 Einwohner im Emsland, vor der Grafschaft Bentheim (4,6). Auf Platz 1 beim Zuwachs neuer Anlagen rangiert der Landkreis Aurich. Dahinter folgen die Landkreise Cloppenburg, Lüchow-Dannenberg und Vechta.

In absoluten Zahlen heißt das: Im Kreis Vechta sind bereits mehr als 400 Geothermieanlagen in öffentlichen, gewerblichen und privaten Gebäuden installiert, 2017 waren es noch weniger als die Hälfte. Im Kreis Cloppenburg werden derweil bereits mehr als 600 Anlagen zur Erdwärmegewinnung gezählt. 

Gleichwohl: Ausgeschöpft sind die Möglichkeiten damit wohl noch lange nicht. "Unser Bundesland hat große, sofort umsetzbare Potenziale für die Nutzung oberflächennaher Geothermie", sagt Erdwärme-Experte Holger Jensen vom Niedersächsischen Geothermiedienst. Und weiter: "Diese Potenziale können einen wesentlichen Beitrag zur Wärmewende leisten", bekräftigt der Geologe.


Fakten:

  • Selbst das bisschen Restwärme, das unmittelbar unter der Erdoberfläche gespeichert ist – zumeist etwa 10 Grad – reicht aus, um Häuser zu erwärmen.
  • Eine Erdwärmeheizung arbeitet dabei im Prinzip wie ein Kühlschrank – nur im umgekehrten Betrieb: Sie entzieht dem Untergrund Wärme und gibt diese an das Haus ab.
  • Das geschieht meistens mithilfe von Wärmepumpen.
  • Im Jahr 2020 waren von allen errichteten Geothermieanlagen in Niedersachsen 92,4 Prozent Erdwärmesonden und 7 Prozent Erdwärmekollektoren.
  • Durchschnittlich hatte eine Erdwärmesondenanlage im Jahr 2020 2 Bohrungen und eine mittlere Bohrtiefe von 94 Metern.

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