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Das Handwerk ist "die vielleicht größte Klimabewegung, die es gibt"

Die Handwerkskammer Oldenburg trifft sich zur Vollversammlung. Die Branche spielt eine wichtige Rolle bei der Verkehrs- und Klimawende – doch der Berufsstand kommt bei der Jugend immer weniger an.

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Handwerkskammer-Vizepräsidentin Irene Lammers und Hauptgeschäftsführer Heiko Henke (rechts) begrüßten als Gastredner Michael Heidkamp (EWE AG). Foto: Heidemann

Handwerkskammer-Vizepräsidentin Irene Lammers und Hauptgeschäftsführer Heiko Henke (rechts) begrüßten als Gastredner Michael Heidkamp (EWE AG). Foto: Heidemann

Das Handwerk ist die "vielleicht größte Klimabewegung, die es gibt", so hob Vizepräsidentin Irene Lammers (Malerbetrieb Fuxen, Steinfeld) die wichtige Rolle der Branche bei der Gestaltung der Klimawende hervor. Für die Wende brauche es Hände, hieß es auf der 198. Vollversammlung der Handwerkskammer Oldenburg. Lammers nutzte gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Heiko Henke ihren Bericht vor allem, um für beruflichen Nachwuchs zu werben: Wer das Klima retten wolle, habe dazu alle Möglichkeiten. "Von Beruf Klimaschützer, sozusagen. Wir arbeiten quasi Mondays, Tuesdays, Wednesdays, Thursdays und Fridays for Future."

Zweimal im Jahr kommt das höchste Gremium des Handwerks im Kammerbezirk, der geografisch das Gebiet des alten Oldenburger Landes umfasst, zur Vollversammlung zusammen. Die Kammer unterstützt und vertritt rund 13.000 Handwerksbetriebe mit etwa 90.000 Beschäftigten.

Die Kalkulation öffentlicher Ausschreibungen wird angesichts der Preisschwankungen nahezu unmöglich

Lammers und Henke hoben die Betroffenheit des Handwerks durch Pandemie und Krieg hervor. Neben den stark gestiegenen Energiepreisen machten den Betrieben die Kosten für Rohstoffe, Störungen der Lieferketten, hohe Inflationsraten und der sich weiter verschärfende Mangel an Fachkräften und Betriebsnachfolgern zu schaffen. Die Kalkulation bei öffentlichen Ausschreibungen sei sehr schwierig bis unmöglich geworden.

Ein besonderes Problem bleibt der fehlende berufliche Nachwuchs im Handwerk. "Wir brauchen neben der Energiewende auch eine Bildungswende", forderte Lammers. Die Maler- und Lackierermeisterin wünscht sich eine "Wende in der Einstellung zur dualen Ausbildung. Die Erwartung, dass dem Abitur ein Studium folgen muss, führt uns in eine Sackgasse. Von der Politik brauchen wir ein klares Bekenntnis zur Gleichwertigkeit von akademischen und beruflichen Bildungswegen." Henke hatte die Zahl der im aktuellen Jahr bis Ende Mai eingetragenen Lehrverhältnisse vorgetragen: Verglichen mit dem Vorjahr "reden wir über ein Minus von 16,6 Prozent. Ein Vergleich mit der Zeit vor Corona ergibt gar eine Lücke von 23 Prozent."

"Es wird Zeit, dass die Berufsorientierung wieder ans Laufen kommt. Der Tag der Ausbildung wird erstmals nach Pandemiebeginn wieder stattfinden. Am 15. September erwarten wir die Schulen wieder auf dem Gelände unseres Berufsbildungszentrums in Oldenburg", erklärte Henke. Ergänzend will man die digitalen Wege nutzen, um junge Menschen für das Handwerk zu interessieren. So habe man sich um ein Projekt beworben, in dem Auszubildende aus der Region zu Botschaftern werden. "Mit verschiedenen Videoproduktionen findet Handwerk bei den Schülerinnen und Schülern statt. Diese können mittels der sozialen Medien direkt Fragen an die Azubis stellen. Die Auszubildenden geben dann Rückmeldung und bleiben in Kontakt mit den Schülern." Henke verbindet mit dem Projekt die Hoffnung, dass der persönliche Kontakt auch in neue Ausbildungsverträge mündet.

"Es müssen millionenfach Wärmepumpen und Ladesäulen installiert werden. Das ist ohne ein leistungsstarkes Handwerk undenkbar."Michael Heidkamp, Vorstand Markt der EWE AG

Als Gast informierte Michael Heidkamp, Vorstand Markt der EWE AG, die Vollversammlung und die Ehrengäste über die schwierige Lage im Energiesektor. Auch ohne den Ukrainekrieg habe die Energiewirtschaft bereits vor enormen Herausforderungen gestanden. Er nannte als Beispiele die stark volatilen Preise der Energiemärkte oder die Klimaneutralität. Nach Kriegsbeginn hätten "Themen wie Versorgungssicherheit und Lieferfähigkeit eine ganz neue Dimension erreicht".

Heidkamp betonte, dass man in Deutschland "die Ertüchtigung sowie den Ausbau der notwendigen Infrastrukturen für die Wärme- und Verkehrswende nur durch größte Anstrengungen auf allen Ebenen erreichen" werde. Man müsse "millionenfach Wärmepumpen und Ladesäulen installieren", das sei "ohne ein leistungsstarkes Handwerk undenkbar".

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