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Das Handwerk hat zunehmend Schwierigkeiten, seine Ehrenämter zu besetzen

Die Handwerkskammer in Oldenburg veranstaltete einen „Tag des Ehrenamtes“. Die langjährigen "Meistermacher" Franz-Josef Kreinest (Holdorf) und Johannes Abeln (Lohne) wurden dabei verabschiedet.

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Ehrung: Hauptgeschäftsführer Heiko Henke (links) und Kammerpräsident Eckhard Stein (rechts) mit (von links) Gerhard Hollje, Erwin Reinen, Franz-Josef Kreinest, Helmut Bädeker und Johannes Abeln. Foto: Heidemann

Ehrung: Hauptgeschäftsführer Heiko Henke (links) und Kammerpräsident Eckhard Stein (rechts) mit (von links) Gerhard Hollje, Erwin Reinen, Franz-Josef Kreinest, Helmut Bädeker und Johannes Abeln. Foto: Heidemann

Er habe immer Lehrlinge in seinem Betrieb gehabt und es habe ihm auch stets daran gelegen, dass „die jungen Menschen, die bei mir ihren Beruf erlernt haben, eine gute Ausbildung erhielten“ sagt Maurer- und Betonbauermeister Franz-Josef Kreinest. Da sei erst das Engagement in der Maurerinnung der Kreishandwerkerschaft Vechta und dann die Tätigkeit als ehrenamtlicher Prüfer bei den Meisterprüfungen im Bereich der Handwerkskammer Oldenburg schon fast selbstverständlich gewesen, sagt der 72 Jahre alte Holdorfer. Kreinest hat jetzt, nach 29 Jahren Prüfertätigkeit, dieses Amt aufgegeben, und wurde mit weiteren Ehrenamtlern nun von Kammerpräsident Eckhard Stein ausgezeichnet.

Anlässlich des Kramermarktes hatte die Kammer die ehrenamtlichen Kräfte aus den Kammerausschüssen zum „Ehrenamtstag“ eingeladen. Stein betonte bei einem Frühschoppen mit 50 Gästen, dass das Handwerk ohne Ehrenamt nicht funktionieren würde.

Kreinest prüfte 29 Jahre lang die Meisterkandidaten im Maurer- und Betonbauerhandwerk des Oldenburger Landes

Gleich 5 Prüfungsausschussmitglieder wurden für ihre langjährigen Verdienste geehrt und verabschiedet. Für die Meisterprüfungen waren seit über 25 beziehungsweise 30 Jahren neben Kreinest im Einsatz: Gerhard Hollje (Raumausstatter), Helmut Bädeker (Metallbau) und Erwin Reinen (Zimmerer). Aus dem Kreis der Gesellenprüfungsausschussmitglieder nahm der Lohner Johannes Abeln seine Auszeichnung vor Ort entgegen. Abeln prüfte die angehenden Elektroniker in der Fachrichtung Maschinen- und Antriebstechnik.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte Kreinest seine letzten Prüfungen abgenommen. Danach war für ihn Schluss. „Ausbildung hat mir immer am Herzen gelegen, deshalb habe ich den Prüfer gerne gemacht.“ Für Handwerker, die ihren Stand schätzen, sollte auch das Ehrenamt in den Organisationen „von Interesse sein“, glaubt er. Zweimal im Jahr waren die Meisterprüfungen angesetzt, im Frühjahr und im Herbst. Alljährlich dürften es rund 40 Gesellen gewesen sein, die er zum Ende ihrer Meisterlehrgänge geprüft hat, sagt er.

Kreinest, der 2016 sein Bauunternehmen in Holdorf an seinen Sohn weitergereicht hat, und seither „freiwillig arbeitet“, hat sich sehr lange Zeit bereit gefunden, seine ehrenamtliche Prüfertätigkeit auch noch als Senior auszuüben, „obwohl das Amt auch immer zeitintensiv war“. Er ist damit aber keine Ausnahmeerscheinung, berichtet Sandra Sommer, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Vechta. „Wer einmal in das Ehrenamt gegangen ist, der bleibt auch immer lange dabei“, sagt sie, „und wird in der Regel auch stets wiedergewählt“. Das gelte für die Arbeitgebervertreter in den Prüfungsausschüssen ebenso wie für die Arbeitnehmervertreter.

Die Handwerksinstitutionen haben allesamt Schwierigkeiten, ihre Ehrenamtsposten zu besetzen

Grundsätzlich sei es aber in allen Kreishandwerkerschaften und dem Überbau immer schwerer, die ehrenamtlichen Positionen zu besetzen, berichtet sie weiter. Alle 3 Jahre wird für die Gremien des örtlichen Handwerks neu gewählt, doch immer gebe es auch Schwierigkeiten, Ehrenamtliche zu finden. Das, so ihre Erfahrungen, gelte für fast alle Innungen. Ausnahmen bildeten die Friseurinnung sowie das Elektrohandwerk. Hier gebe es vor Ort ein immer hohes ehrenamtliches Engagement. Warum gerade diese Innungen herausstechen, weiß Sommer nicht. Aber: „Ich mache jetzt schon einmal alle Handwerker darauf aufmerksam, dass in 2 Jahren wieder gewählt wird. Deshalb bereits jetzt schon mein Appell an Interessierte, sich für ihre Vertretungen und die Gremien aufstellen zu lassen.“

Anfang des Jahres hatte die Oldenburger Kammer in den sozialen Medien eine kleine Kampagne gestartet, um auf das Ehrenamt aufmerksam zu machen, denn Nachwuchs bleibt gesucht. Laut Zentralverband des deutschen Handwerks sind allein in den Ausschüssen für Meister- und Gesellenprüfungen bundesweit 50.000 Handwerkerinnen und Handwerker aktiv.

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