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Das Cloppenburger Fachgeschäft Bley führt nun die 6. Generation

Heinz-Jürgen und Edeltraud Grimme übergeben ihr überregional bekanntes Haushaltswarenfachgeschäft an Sohn Thomas. Der 37-Jährige hat erfolgreich den Unternehmens-Onlineshop "Bleywaren" aufgebaut.

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Schlüsselübergabe: Heinz-Jürgen Grimme hat die Geschicke des Cloppenburger Haushaltwarengeschäfts Bley in die Hände von Sohn Thomas gelegt.   Foto: Kühn

Schlüsselübergabe: Heinz-Jürgen Grimme hat die Geschicke des Cloppenburger Haushaltwarengeschäfts Bley in die Hände von Sohn Thomas gelegt.   Foto: Kühn

Heinz-Jürgen und Edeltraud Grimme legen die Geschicke ihres überregional bekannten Fachgeschäfts "Bley" in die Hände der 6. Generation. Seit dem 4. September führt Sohn Thomas als Verantwortlicher die Geschäfte im Online-Handel "Bleywaren" und im stationären Handel in der Cloppenburger Mühlenstraße allein. Das Datum der Geschäftsübergabe hat Symbolcharakter. Am selben Tag im Jahr wurde die Keimzelle eines der wohl ältesten Betriebe im Oldenburger Münsterland gegründet: Urvater und Schlossermeister Gerd Heinz Bley eröffnete 1827 seinen Schmiedebetrieb.

Seit 2013 hat Thomas Grimme den Onlineshop des Unternehmens aufgebaut. Der heute 37-Jährige stieg nach einem Studium der Politik und Geschichte in den elterlichen Betrieb ein. Die Affinität zur digitalen Welt und der Wille, den Handel im Internet und vor Ort neu und "miteinander zu denken", gaben den Ausschlag, aus Berlin nach Cloppenburg zurückzukehren, berichtet der Familienvater.

"Den Handel im Internet und den vor Ort muss man neu und miteinander denken."Thomas Grimme, neuer Inhaber von Bley

In der Rückschau spricht Thomas Grimme von einem "durchaus schwierigen Start des Onlineshops". Der Ein-Mann-Betrieb entwuchs jedoch schnell den Kinderschuhen, sodass das Internetstandbein heute kaum mehr entbehrlich erscheint. "Bleywaren" beschäftigt inzwischen 4 fest angestellte Mitarbeiter und 2 studentische Hilfskräfte, bildet Kaufleute für E-Commerce aus.

Rund 90 Prozent der Shopkunden "kommen nicht aus der Region, 10 Prozent aber schon", freut sich Thomas Grimme, dass Bley-Kunden auch im Internet treu bleiben und sich dort auch wohl "gut aufgehoben fühlen", sagt der neue Chef, der sich für Bestellungen auch schon einmal mit einer handgeschriebenen Karte oder einem Holzpfannenwender bedankt.

Wesentliche Aspekte für die jetzige Geschäftsübergabe: "Das Haus ist wunderbar gut aufgestellt, Thomas kennt sich in beiden Einkaufswelten sehr gut aus. Und auch für alle Mitarbeiter muss erkennbar sein, wer den Hut aufhat", reicht der seit 1968 im Unternehmen tätige Seniorchef den Staffelstab weiter. Es mache ihn sehr froh, dass nun einer seiner 4 Söhne nach den schweren Corona-Zeiten, in denen das Geschäft mehrere Monate lang geschlossen bleiben musste, die Nachfolge antritt. Heinz-Jürgen Grimme sieht aber auch die "treue Stammkundschaft", die das Unternehmen durch die Jahrzehnte und die Corona-Krise getragen hat. Dafür sei er sehr dankbar.

"Das Interesse an Entwicklungen, die Neugier im Beruf, das Aufspüren von Trends und neuen Produkten, das wird auch weiter bleiben."Heinz-Jürgen Grimme, scheidender Inhaber des Fachgeschäfts Bley

Die Eltern werden sich "daran gewöhnen müssen, jetzt loszulassen", schmunzelt Heinz-Jürgen Grimme. Gerade noch hat er sich auf einer Urlaubsreise einige Einzelhandelsgeschäfte angeschaut, "um zu sehen, wie es andere machen. Das Interesse an Entwicklungen, die Neugier im Beruf, das Aufspüren von Trends und neuen Produkten, das wird auch weiter bleiben. Schließlich hat man seinen Beruf und insbesondere den Einkauf immer mit viel Herzblut ausgeübt. Und: Wir waren nie rückwärtsgewandt. Das bleibt."

Der heute 72 Jahre alte Heinz-Jürgen Grimme begann 1968 seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im elterlichen Betrieb. In der Folge wuchs das Haushaltswaren-Fachgeschäft – auch in der Fläche. "Eigentlich wollte ich Architekt werden, das hat man immer gemerkt, denn wir waren ständig am Bauen, haben abgerissen, erweitert." Auch in der Peripherie engagierte sich die Familie, baute den heute veräußerten Famila-Markt sowie den Hagebaumarkt. "Wir haben immer versucht, besser zu werden, immer aktuell zu sein."

Seiner Gattin Edeltraud (65 Jahre), die seit 20 Jahren im Geschäft mitwirkt, schreibt Heinz-Jürgen Grimme "den Blick für die Sortimente" zu. Und verrät eine "Schwäche": "Beim Einkauf bin ich sehr emotional, verzettele mich manchmal auch."

Das Bley-Konzept eines wertigen Angebots und einer guten Beratung bleibt

Wird mit dem neuen Chef jetzt auch für die 15 Mitarbeiter und die Kunden im Fachgeschäft Bley alles anders? Thomas Grimme verneint: "Die Verzahnung von Onlineshop und Fachgeschäft bleibt. Dass die Geschäfte in beiden Welten gemacht werden müssen, ist längst Teil kaufmännischer Realität." Die Maßgabe des Vaters, Kunden in einem "gut sortierten Fachgeschäft ein wertiges Warensortiment" zu bieten, bleibe.

Die Kunden dürfen auch weiterhin auf fachliche Beratung durch geschulte Mitarbeiter vertrauen. "Wir wissen, dass wir manchmal auch zweiter Sieger sind, die Kunden nach einer Beratung bei uns anderswo kaufen, aber wir stellen auch fest, dass die Beratung wesentlicher Aspekt des Kaufs bei uns ist", sagt Heinz-Jürgen Grimme.

Thomas Grimme will sich künftig noch stärker dem Oberthema "Essen und Trinken" zuwenden, kündigt aber nur partielle Veränderungen im Sortiment des 1800 Quadratmeter großen Ladengeschäfts in der Cloppenburger Innenstadt an. „Bei uns wird es weiter nachhaltige und praktische Qualitätsprodukte geben.“ Und damit bestätigt er seinen Vater, der sich „nie der Preiskonkurrenz ausliefern wollte, das können wir gar nicht“. Hochwertige Haushaltswaren und Elektrokleingeräte, Grills, ausgefallene Accessoires, Glas und Porzellan werden bleiben, neu werden Spielwaren aufgenommen. Auch Veranstaltungen, wie die erfolgreichen Grillseminare, werden weiter angeboten. Im Online-Shop gibt es künftig öfter „Bleylights“-Aktionen. 

Heinz-Jürgen Grimme will sich künftig im Cloppenburger Stadtmarketing engagieren

„Edeltraud und ich werden jetzt mehr Zeit für ehrenamtliches Engagement und unsere sportlichen Hobbys haben“, blickt Heinz-Jürgen Grimme auf den „Ruhestand“. Er will sich im Marketing der Stadt engagieren. Ihm fehlt das „Wir“ in der (Innen-)Stadt. Die vom Stadtrat zur Verfügung gestellte eine Million Euro für die Zentrumsbelebung bezeichnet er als „Geschenk“. Er wolle gerne seinen Teil beitragen, um Neues anzuschieben, denn: „Noch mehr Ein-Euro-Läden brauchen wir nicht.“

Ideen und Pläne für Stadt und Unternehmen habe er immer viele gehabt, sagt Heinz-Jürgen Grimme. Diese finden sich schriftlich niedergelegt und gesammelt jetzt in einem „Ideen- und Pläne-Schrank“ im Geschäft, verrät Sohn Thomas: „Ideen in stattlicher Anzahl.“

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