Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Coronakrise trifft den Kreis Vechta wirtschaftlich besonders stark

Eine neue Studie vergleicht die Auswirkungen des Lockdowns auf die einzelnen Regionen. Die Effekte vor Ort sind demnach deutlicher ausgeprägt als anderswo.

Artikel teilen:
Die Kunststoffindustrie, hier die Produktion von Polymerfasern, ist vor Ort von hoher Bedeutung und aktuell stark von der Coronakrise betroffen. Foto: dpa / Endig

Die Kunststoffindustrie, hier die Produktion von Polymerfasern, ist vor Ort von hoher Bedeutung und aktuell stark von der Coronakrise betroffen. Foto: dpa / Endig

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind nur in wenigen anderen Gebieten der Region Weser-Ems derart stark ausgeprägt wie im Landkreis Vechta. Das geht aus einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos hervor, die von OM-Online regional ausgewertet wurde.

25,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im hiesigen Kreis – und damit etwa fünf Prozent mehr als im Landesschnitt – sind demnach in Branchen tätig, die von der Pandemie stark betroffen sind. Vorneweg handelt es sich um die Bereiche Kunststoffindustrie und Automobilzulieferung.

Regional noch erheblich stärker trifft es den Angaben zufolge nur den Landkreis Wesermarsch und die Stadt Emden (siehe auch Karte). Die Gründe: In der Wesermarsch ist der Flugzeugbau eine der dominierenden Branchen, in Emden ist es der Automobilbau. Hinzu kommt in beiden Regionen, dass der Tourismus eine herausragende Rolle spielt. All diese Branchen liegen aktuell brach.

Denn: Seit Mitte März hat die Coronakrise Deutschland im Griff. Das öffentliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen, die Wirtschaft leidet unter dem sogenannten Lockdown, viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit.

Bislang noch nicht betrachtet wurde derweil die Frage der wirtschaftlichen Betroffenheit nach Branchen und Regionen. Für ihre Studie analysierten die Verfasser die Wertschöpfungs- und Zulieferverflechtungen mit dem Ausland sowie die Konsequenzen auf die Binnenwirtschaft. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden dann anhand einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit auf die 401 Landkreise und kreisfreien Städte übertragen.

Jeder Bereich ist betroffen, doch unterschiedlich stark

Ergebnis: Nach Einschätzung der Experten gibt es „keinen Bereich der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, der nicht mit den Auswirkungen der Krise konfrontiert ist“. Gleichwohl würden sich die Effekte auf die einzelnen Branchen erheblich unterscheiden. So sei das Verarbeitende Gewerbe stark betroffen, während der Dienstleistungssektor sich relativ „krisenfest“ präsentiere.

Sehr unterschiedlich fällt die Betroffenheit demnach auch in den Regionen aus. In erhöhtem Maß wirke sich die Krise auf Standorte der Groß- und Autoindustrie wie Wolfsburg, Salzgitter oder Ingolstadt aus. Dort sind mehr als 60 Prozent der Beschäftigten stark betroffen. In dienstleistungslastigen Regionen wie Cottbus seien es dagegen nur sechs Prozent.

„Wir gehen davon aus, in den Aprildaten erste Indizien und Auswirkungen für den Arbeitsmarkt erkennen zu können"Frank Halbsguth, Sprecher der Agentur für Arbeit Vechta

Für den Kreis Vechta bedeutet das: Im bundesweiten Vergleich ist die Betroffenheit vor Ort leicht überdurchschnittlich, weil zwar das Verarbeitende Gewerbe stark vertreten ist, aber nicht von der Großindustrie bestimmt wird. Regional betrachtet ist der Kreis relativ stark betroffen, weil der Dienstleistungssektor hier vergleichsweise unterrepräsentiert ist. Nach Angaben der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer sind lediglich 43 Prozent der hiesigen Beschäftigten in diesem Bereich tätig. Landesweit sind es dagegen 57 Prozent. Stattdessen sind mehr Menschen als anderswo zwischen Weser und Ems in den aktuellen stark betroffenen Industriebranchen beschäftigt.

Offizielle Zahlen der Arbeitsagentur, die die Prognos-Berechnungen untermauern, gibt es noch nicht. Die aktuellen Arbeitsmarktdaten bezögen sich auf den Stand Mitte März, also bevor die Auswirkungen der Corona-bedingten Einschränkungen spürbar waren, heißt es bei der Agentur für Arbeit in Vechta. Unabhängig davon seien die bestimmenden Branchen Kunststoff und Autozulieferung „aber bereits vor der Coronakrise von den Auswirkungen der globalen, konjunkturellen Eintrübungen betroffen“, sagte Behördensprecher Frank Halbsguth auf Anfrage von OM-Online.

Auf die Pandemie bezogen, sei zu erwarten, „in den Aprildaten erste Indizien und Auswirkungen für den Arbeitsmarkt erkennen zu können“, fügte er an.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Coronakrise trifft den Kreis Vechta wirtschaftlich besonders stark - OM online