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Corona verschärft Probleme der lokalen Einzelhändler

Die Menschen kaufen immer mehr per Mausklick ein – die Pandemie hat diesen Trend weiter verstärkt. Die Meinungen der Einzelhändler aus Dinklage über die Lage sind dabei durchaus unterschiedlich.

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Die Lange Straße in Dinklage: Laut Zukunftsprognosen wird sich das Bild der Innenstädte verändern. Foto: Bernhardt

Die Lange Straße in Dinklage: Laut Zukunftsprognosen wird sich das Bild der Innenstädte verändern. Foto: Bernhardt

"Kräftiges Umsatzplus im Einzelhandel zu verzeichnen" – "Der Einzelhandel boomt". Dies sind Schlagzeilen, die in den letzten Wochen des Öfteren in den Nachrichten zu lesen waren. Anfang August meldete das Statistische Bundesamt, dass der von Geschäftsschließungen besonders betroffene Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren ein kräftiges Umsatzplus von real 70,5 Prozent zum Vormonat im Juni verzeichnen konnte. Damit lag der Wert erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020. Doch, wer profitiert eigentlich wirklich von diesem Umsatz-Aufschwung? Sind es auch die lokalen Händler? 

Die Dinklager Innenstadt ist klein, aber fein. Es gibt ein Eiscafé, ein paar Restaurants und Geschäfte. Von dem Mehr-Umsatz des Einzelhandels, der laut Statistiken durch die Lockerungen hervorgerufen wird, spüren die lokalen Händler in Dinklage allerdings wenig. "Momentan läuft es eher schleppend. Man kann sagen: Das Kaufverhalten der Leute ist verhalten", erzählt der Besitzer eines Ladens, der namentlich nicht genannt werden möchte.  Auch auf den Straßen sei schon längst nicht mehr so viel los wie früher. Corona habe alles verändert. 

Das wünschen sich viele lokale Händler: Ein Schild an der Ladentür soll darauf aufmerksam machen. Foto: BernhardtDas wünschen sich viele lokale Händler: Ein Schild an der Ladentür soll darauf aufmerksam machen. Foto: Bernhardt

Ein Problem, was den lokalen Händlern schon seit längerem ein Dorn im Auge ist, ist der Online-Handel. Wer früher noch zum bummeln in die Innenstadt gegangen ist, shoppt heute lieber bequem vom heimischen Sofa aus. Zum Vergleich: 2004 lag der Umsatz des deutschen Online-Handels bei 4,4 Milliarden Euro. 2020 waren es 63 Milliarden Euro. Corona hat dieses Problem noch weiter verstärkt. Darunter leiden vermehrt die kleineren Händler die es sich nicht leisten können einen digitalen Shop zu eröffnen. "Nach dem Lockdown hatten wir die Hoffnung, dass dieses Kaufverhalten  etwas abschwächt und die Leute wieder lokaler einkaufen. Doch ich glaube die Menschen haben sich bereits daran gewöhnt", erzählt der Einzelhändler.

Laut aktuellen Expertenmeinungen wird sich das Kaufverhalten der Verbraucher auch weiter zugunsten des Online-Handels verschieben. Das klassische Bild der Innenstadt mit vielen verschiedenen Geschäften wird sich auf kurz oder lang verändern. Besonders die Altersunterschiede zwischen den Verbrauchern stechen heraus, wenn es um den Kauf per Mausklick geht. Laut einer Studie zum Online-Shopping von dem Unternehmen KPMG kaufen 56 Prozent der Generation Z (ab Geburtsjahr 2000) größtenteils Online. Bei den Babyboomern (1946-64) hingegen sind es nur 24 Prozent. Dies können auch die Einzelhändler in der Dinklager Innenstadt bestätigen. Eher ältere Leute würden in den angestammten Geschäften noch einkaufen gehen.

Ladenbesitzer werden von Dinklagern unterstützt 

Die Meinungen innerhalb der Stadt sind durchaus unterschiedlich: Die Besitzerin des Blumenladens Dat Bleumken, Margot Beuse, bewertet die Lage während und nach des Corona-Lockdowns positiv. "Den Zusammenhalt der Dinklager fande ich toll. Die Leute haben mich total unterstützt", schwärmt die Blumenliebhaberin. Über Click & Collect konnte sie auch während der schwierigen Zeiten weiterhin das Geschäft über Wasser halten. Die Verkäuferin setzt ab nun insbesondere auf die sozialen Medien. "Junge Mädels kamen zu mir in den Laden und haben erzählt, dass sie mir auf Instagram folgen und dort immer schauen was ich so Neues habe. Ich hätte niemals gedacht, dass das so eine Reichweite hat", erklärt sie. 

Auch Mark Schumacher, der Geschäftsführer vom Optikergeschäft Schumacher, nimmt die Corona-Zeit eher positiv wahr. Er konnte sogar aus der Krisensituation profitieren: Der Brillenladen durfte während des Lockdowns offenbleiben, da Optiker zur Grundversorgung zählen. "Wir haben einen guten Umsatz in der Zeit gemacht. Die Brillenlieferanten haben erzählt, dass sie viel mehr in die kleineren Städte liefern mussten, da niemand mehr in die großen Städte gefahren ist - wahrscheinlich um Menschenmengen zu vermeiden", erzählt er. Aktuell sei nicht so viel los. Aber: "Das hat verschiedene Faktoren. Es ist Ferienzeit, viele Menschen zieht es besonders jetzt nach dem langen Lockdown in den Urlaub." 

Trend ist laut Prognosen nicht so schnell zu stoppen

Welche Geschäfte mehr oder weniger unter der Pandemie leiden, hängt besonders von der Branche ab. Läden mit Kleidung, Taschen oder Schuhen sind durch den Lockdown ab vergangenen Herbst mit ihrer Sommer- und Winterware durcheinandergeraten. "Die Sommerware musste nach der Wiederöffnung direkt reduziert werden. Das macht den Start nach der harten Zeit natürlich nicht leichter", berichtet der anonyme Ladenbesitzer. 

Die Geschäfte der Innenstadt in Dinklage bewerten die vergangene und aktuelle Lage zusammenfassend sehr unterschiedlich. Eins steht jedoch fest: das veränderte Kaufverhalten hin zum Online-Shopping spüren die meisten lokalen Einzelhändler. Es ist ein Problem, was sich laut Zukunftsprognosen, leider nicht so schnell verhindern lässt. 


Meine Meinung

Ein Kommentar von Lisa Bernhardt, Volontärin 

Die Probleme der lokalen Händler mit der Corona-Pandemie und besonders nach dem Lockdown sind verständlich. Es ist ein trauriges Zeugnis, dass der Trend immer mehr in Richtung Online-Handel geht und der Tante Emmaladen um die Ecke jeden Groschen 2 Mal umdrehen muss. Dennoch: Das Einkaufen im Internet steht auch für den globalen Handel und den Fortschritt in unserer Gesellschaft. Trotz der Lage der ortsansässigen Läden sollten wir den Online-Handel nicht verteufeln. Aber ich glaube, keiner von uns möchte in 30 Jahren mit einem Eis in einer leer gefegten Innenstadt sitzen. Oft schätzen wir die Dinge erst, wenn wir sie verloren haben. So weit sollten wir es nicht kommen lassen. Lieber so oft wie möglich zum heimischen Händler gehen und das Online-Shopping vom Sofa aus sein lassen. Bewegung an der frischen Luft haben wohl die meisten von uns durch die letzten Monate nötig.

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