Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Corona-Stufenplan sorgt für Unverständnis bei Händlern und Kunden

Christian Kunstmann, Geschäftsführer des Modehauses Leffers Lohne, fordert Gleichbehandlung. Termin-Shopping ist für ihn praxisfern. "Ins Blaue hinein den Laden vorbereiten, das funktioniert nicht."

Artikel teilen:
Der Laden ist dicht, trotzdem geht die Arbeit weiter: Das Modehaus Leffers gehört der Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" an. Der bundesweite Zusammenschluss hat ein eigenes Konzept zur Wiedereröffnung vorgelegt – und reagiert mit Unverständnis auf den Corona-Stufenplan von Bund und Land. Foto: Timphaus

Der Laden ist dicht, trotzdem geht die Arbeit weiter: Das Modehaus Leffers gehört der Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" an. Der bundesweite Zusammenschluss hat ein eigenes Konzept zur Wiedereröffnung vorgelegt – und reagiert mit Unverständnis auf den Corona-Stufenplan von Bund und Land. Foto: Timphaus

Der von Bund und Ländern vereinbarte Stufenplan für eine Lockerung der Corona-Einschränkungen hat in weiten Teilen des Handels für Unverständnis gesorgt. So bezeichnete der Handelsverband Deutschland (HDE) die Ergebnisse als Katastrophe. Auch beim Modehaus Leffers mit seinen Standorten in Oldenburg, Vegesack, Leer, Lohne und Lippstadt hatte man sich vom Corona-Gipfel mehr versprochen, wie der Lohner Geschäftsführer Christian Kunstmann erklärt. "Es ist ein völliges Durcheinander", konstatiert er resigniert.

Das Modehaus Leffers beteiligt sich an der bundesweiten Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum". Der Zusammenschluss, dem neben dem HDE auch Branchenriesen wie s.Oliver, Thalia, H&M, Mediamarkt und Saturn angehören, hatte vor Beginn der Beratungen gefordert, dass der Einzelhandel ab Montag (8. März) wieder öffnet.

Wie das funktionieren könnte, dazu hatte die Initiative ein Positionspapier mit einem Konzept auf Basis des Stufenplans des Robert-Koch-Instituts (RKI) erarbeitet. Der Handel forderte eine Strategie, die sich nicht nur an den Inzidenzwerten, sondern auch an der Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten orientiert, wie vom RKI vorgeschlagen.

Geschäftsführer des Modehauses Leffers in Lohne: Christian Kunstmann. Foto: KunstmannGeschäftsführer des Modehauses Leffers in Lohne: Christian Kunstmann. Foto: Kunstmann

Demnach könnte bei einem Inzidenzwert unter 35 unabhängig von der Auslastung der Intensivstationen der Einzelhandel öffnen, bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 und hoch ausgelasteten Intensivstationen dürften nur Läden mit mehr als 40 Quadratmetern Fläche unbeschränkt öffnen, bei einer Inzidenz von mehr als 200 und mittlerer bis hoher Auslastung der Intensivstationen wären nur noch die Geschäfte des täglichen Bedarfs geöffnet.

Das Modehaus Leffers beteiligt sich nach Angaben von Kunstmann an dem Vorstoß, um Einheit zu demonstrieren. "Je breiter wir im Handel aufgestellt sind, desto stärker ist unsere Stimme in Richtung Politik. Egal ob Textil oder Elektronik, Sport, Schuh oder Möbel – der Handel steht zusammen."

Wo bleibt die Perspektive für einen Öffnungsweg?

Er betont, dass es den Händlern nicht um ihre Geschäfte, "sondern um die vielen Tausend Arbeitsplätze im Einzelhandel und die aktuell bedrohten Existenzen dahinter" gehe. "Der Einzelhandel macht wie die Gastronomie das Zentrum einer jeden Stadt aus – und dafür kämpfen wir", sagt Kunstmann.

Er fordert von der Politik vor allem eine Gleichbehandlung des Einzelhandels und eine Perspektive für einen "berechenbaren Öffnungsweg". Dass die Infektionsgefahr im Handel nicht groß sei, so Kunstmann, sei bekannt "und sogar durch das RKI bestätigt". Es werde allerdings nicht ausreichend von der Politik berücksichtigt, kritisiert er.

Aber wie ist überhaupt die Lage vor Ort? Der Leffers-Geschäftsführer berichtet, dass das Lohner Modehaus – "wie ein Großteil der Händler mit textilen Waren" – in der Situation sei, dass die wichtige Herbst/Winter-Saison und das Weihnachtsgeschäft "nicht vollständig" stattgefunden hätten – "und die Ware unverkäuflich in den Regalen lag".

Der Warendruck steigt von Woche zu Woche

Parallel dazu komme jetzt die Frühjahrsware in die Läden, die vor 8 Monaten gekauft wurde und nun bezahlt werden müsse. "Der Warendruck wird mit jeder Woche, die wir nicht öffnen dürfen und keine Chancen zum Verkaufen haben, größer", konstatiert Kunstmann. So werde ab Juni schon die Herbst/Winter-Saison 2021 eingeläutet.

Weiter klagt er, dass "unser Format" bei den November- und Dezemberhilfen leer ausgegangen sei und bei der Überbrückungshilfe III noch sehr viele Fragen offen seien.

"Click & Meet" ist in der Praxis kaum umsetzbar

Kunstmann sieht nach dem Corona-Gipfel weiterhin keine "klare Öffnungsperspektive" für weite Teiles des Handels. "Buchhandlungen und Blumenläden dürfen wieder öffnen. Aber was macht den Einkauf in diesen Geschäften sicherer als bei uns?", fragt der Lohner Leffers-Geschäftsführer und ergänzt: "Wir verfügen in unseren Häusern über gute Hygienekonzepte sowie genügend Fläche zur Verteilung der Kundenströme."

Bei einer stabilen Inzidenz unter 100 sehen die Beschlüsse "die Öffnung des Einzelhandels für sogenannte Terminshopping-Angebote" vor. Aber: Bereits im Vorfeld hatte der Handel "Click & Meet" als unpraktikabel bewertet. "Die Personal- und Betriebskosten für diese Angebote sind für die allermeisten Geschäfte höher als die Umsätze. Und die praktische Umsetzung würde zu unnötigen Aufenthalten und Schlangenbildungen führen, die den Hygienekonzepten zuwiderlaufen", heißt es im Papier der Initiative.

Kunstmann erläutert mit Blick auf die Situation im Landkreis Vechta, dass er zunächst in ein Termin-Tool für die Webseite investieren müsste, um dann – "in 2 bis 3 Wochen", so schätzt er – "möglicherweise" wieder für einige wenige Kunden die Türen öffnen zu dürfen.

Corona-Stufenplan ist für alle "schwer verständlich"

Für den Leffers-Geschäftsführer zeigt diese Idee, dass in der Politik ab und an praxisfern entschieden werde. "Ins Blaue hinein den Laden vorbereiten, das funktioniert nicht." Der Handel wie auch die Kunden benötigten eine gewisse Vorbereitungszeit. "Schwups, loslegen – so einfach ist das nicht."

Die jetzt vorgestellten Ergebnisse sind laut Kunstmann für alle "schwer verständlich". Ein Beleg für diese These: Nach dem Corona-Gipfel riefen am Donnerstag zahlreiche Kunden im Modehaus an, um einen Termin zu vereinbaren oder um nachzufragen, wann denn nun wieder geöffnet werden dürfe. "Das Unverständnis bei Händlern und Kunden ist groß." Viele Fragen seien offen. Kunstmann sagt, der Handel unterstütze die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Gleichwohl meint er: "Wir können im Einzelhandel eine sichere Öffnung gewährleisten – und darum sollten wir wieder öffnen dürfen."

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Corona-Stufenplan sorgt für Unverständnis bei Händlern und Kunden - OM online