Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Corona-Lockdown: Händler legen eigenes Konzept zur Wiedereröffnung vor

Die Initiative fordert eine Strategie, die sich auch an der Auslastung der Intensivbetten orientiert. Christian Kunstmann, Geschäftsführer des Modehauses Leffers in Lohne, erläutert die Hintergründe.

Artikel teilen:
Eine bundesweite Einzelhandels-Initiative fordert die Wiedereröffnung der Läden und Geschäfte ab Montag (8. März). Foto: dpa/Gentsch

Eine bundesweite Einzelhandels-Initiative fordert die Wiedereröffnung der Läden und Geschäfte ab Montag (8. März). Foto: dpa/Gentsch

Kurz vor Beginn der Corona-Beratungen von Bund und Ländern am Mittwoch hat die bundesweite Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" gefordert, dass der Einzelhandel ab Montag (8. März) wieder öffnet.

Die Initiative, zu der neben dem Handelsverband Deutschland (HDE) und Branchenriesen wie s.Oliver, Thalia, H&M, Mediamarkt und Saturn auch das Modehaus Leffers mit seinen Standorten in Oldenburg, Vegesack, Leer, Lohne und Lippstadt zählt, hat dazu ein Positionspapier mit einer Öffnungsmatrix auf Basis des Stufenplans des Robert-Koch-Instituts (RKI) erarbeitet.

In dem Papier heißt es, dass im Einzelhandel täglich 50 Millionen Kundenkontakte stattfänden, davon aber 40 Millionen auf den Lebensmitteleinzelhandel entfielen. "Es geht beim aktuellen Lockdown daher nur um 20 Prozent der Kundenkontakte – aber um 50 Prozent der Arbeitsplätze im Einzelhandel", argumentiert die Initiative.

Geschäftsführer des Modehauses Leffers in Lohne: Christian Kunstmann. Foto: KunstmannGeschäftsführer des Modehauses Leffers in Lohne: Christian Kunstmann. Foto: Kunstmann

Das Modehaus Leffers beteiligt sich nach Angaben des Lohner Geschäftsführers Christian Kunstmann an dem Vorstoß, um Eintracht zu demonstrieren. "Je breiter wir im Handel aufgestellt sind, desto stärker ist unsere Stimme in Richtung Politik. Egal ob Textil oder Elektronik, Sport, Schuh oder Möbel – der Handel steht zusammen." Er betont, dass es den Händlern nicht um ihre Geschäfte, "sondern um die vielen Tausend Arbeitsplätze im Einzelhandel und die aktuell bedrohten Existenzen dahinter" gehe. "Der Einzelhandel macht wie die Gastronomie das Zentrum einer jeden Stadt aus – und dafür kämpfen wir", sagt Kunstmann.

Der Leffers-Geschäftsführer berichtet, dass das Lohner Modehaus – "wie ein Großteil der Händler mit textilen Waren" – in der Situation sei, dass die wichtige Herbst/Winter-Saison und das Weihnachtsgeschäft "nicht vollständig" stattgefunden hätten – "und die Ware unverkäuflich in den Regalen lag". Parallel dazu komme jetzt die Frühjahrsware in die Läden, die vor 8 Monaten gekauft wurde und nun bezahlt werden müsse.

Warendruck ist hoch, Corona-Hilfen fließen nicht

"Der Warendruck wird mit jeder Woche, die wir nicht öffnen dürfen und keine Chancen zum Verkaufen haben, größer", konstatiert Kunstmann. So werde ab Juni schon die Herbst/Winter-Saison 2021 eingeläutet. Weiter klagt er, dass "unser Format" bei den November- und Dezemberhilfen leer ausgegangen sei und bei der Überbrückungshilfe III noch sehr viele Fragen offen seien. 

Resignation gehört aber nicht zum Modell eines guten Geschäftsmann. So sagt Kunstmann: "Trotzdem blicken wir optimistisch nach vorne und freuen uns darauf, unsere Kunden wieder vor Ort zu begrüßen, sobald wir dies dürfen."

Der Leffers-Geschäftsführer fordert von der Politik eine Gleichbehandlung des Einzelhandels und eine Perspektive für einen "berechenbaren Öffnungsweg". Dass die Infektionsgefahr im Handel nicht groß sei, so Kunstmann, sei bekannt "und sogar durch das RKI bestätigt". Es werde allerdings nicht ausreichend von der Politik berücksichtigt, kritisiert er.

Öffnung erst bei Inzidenz unter 35 ist unrealistisch

Kunstmann sagt: "Wir verfügen im Einzelhandel über gute Hygienekonzepte sowie genügend Fläche zur Verteilung der Kundenströme." Abschließend gibt er sich überzeugt: "Wir können im Einzelhandel eine sichere Öffnung gewährleisten – und darum sollten wir auch wieder öffnen dürfen."

Wer eine Öffnung erst ab einer Inzidenz unter 35 favorisiere, so heißt es in dem Papier, wolle noch für mehrere Monate keine Öffnung des Einzelhandels und nehme in Kauf, dass anschließend keiner mehr da sei, der noch öffnen könne. Derzeit habe nur ein Land in Europa eine Inzidenz von unter 35: Island.

Einkauf auf Termin: Für Händler keine Öffnungsstrategie

Den Vorschlag des Einkaufens mit Termin – kurz: "Click & Meet" – hält die Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" nicht für eine adäquate Öffnungsstrategie. "Die Personal- und Betriebskosten für diese Angebote sind für die allermeisten Geschäfte höher als die Umsätze. Und die praktische Umsetzung würde zu unnötigen Aufenthalten und Schlangenbildungen führen, die den Hygienekonzepten zuwiderlaufen."

Die Initiative fordert eine Strategie, die sich nicht nur an den Inzidenzwerten, sondern auch an der Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten orientiert, wie vom RKI vorgeschlagen.

Demnach könnte bei einer Inzidenz unter 35 unabhängig von der Auslastung der Intensivstationen der Einzelhandel öffnen, bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 und hochausgelasteten Intensivstationen dürften nur Läden mit mehr als 40 Quadratmetern Fläche unbeschränkt öffnen, bei einer Inzidenz von mehr als 200 und mittlerer bis hoher Auslastung der Intensivstationen wären nur noch die Geschäfte des täglichen Bedarfs geöffnet.

Eigene Öffnungszeiten für Senioren?

Insgesamt ist die vorgeschlagene Öffnungsmatrix in 5  Inzidenzbereiche und 3 Auslastungsgrade unterteilt, sodass insgesamt 15 Szenarien entstehen. Kosten für Schnelltests müsse der Staat tragen. Im Gegenzug verweisen die Händler auf ihre Hygienekonzepte, unterstützen die Idee von speziellen Öffnungszeiten für Senioren und erklären sich bereit, auf Wunsch auf "aggressive Wiedereröffnungswerbung und bis Ostern auf große Rabattaktionen" zu verzichten.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Corona-Lockdown: Händler legen eigenes Konzept zur Wiedereröffnung vor - OM online