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Corona-Krise drückt Schweinepreise - und eröffnet neue Perspektiven

Während der Pandemie ging der Absatz drastisch zurück, auch die Exporte erlahmten. Die Hoffnung der Branche richtet sich auf die Lockerungen.

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Schweinemäster unter Druck: Der Markt leidet unter geringem Absatz. Die neuen Ferkel sind aber schon da. Foto: dpa/Hollemann

Schweinemäster unter Druck: Der Markt leidet unter geringem Absatz. Die neuen Ferkel sind aber schon da. Foto: dpa/Hollemann

Geschlossene Restaurants, keine Volksfeste und viel weniger Exporte: In der Corona-Krise sank der Absatz von Schweinefleisch drastisch. Das ließ auch die Preise abstürzen. Derzeit gibt es 1,60 Euro pro Kilo Schlachtgewicht für Mäster. Das seien 16 Cent weniger als ein Jahr zuvor, teilte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) mit. Seit Jahresbeginn betrage der Einbruch mehr als 40 Cent pro Kilo.

„Die Schweine stehen jetzt fertig gemästet im Stall und müssen vermarktet werden.“Leo Kruse, Landwirt aus Damme

Das bedeutet herbe Einbußen für Tierhalter im Oldenburger Münsterland, wo es mehr als fünf Millionen Mastschweine gibt. „Die fallenden Preise freuen mich ganz und gar nicht, aber leider kann ich nicht viel dagegen ausrichten. Die Schweine stehen jetzt fertig gemästet im Stall und müssen vermarktet werden“, berichtet der Dammer Landwirt Leo Kruse. Außerdem: Die Ferkel des nächsten Durchgangs seien „schon geboren und müssen versorgt werden, genauso wie die des übernächsten Mastdurchgangs schon in den Sauen heranwachsen“.

Das zeigt: Die Schweinemast kann nicht einfach heruntergefahren werden. Das dauere „Wochen und Monate“, sagt Kruse. Dasselbe gelte für den umgekehrten Fall, das erneute Ankurbeln der Mast. „Daher hoffe ich auf bessere Preise und darauf, dass uns Zustände wie in anderen Ländern, wo viele Schlachthöfe geschlossenen wurden, erspart bleiben“, lautet das Fazit von Kruse.

Privater Konsum kann Ausfälle nicht auffangen

Der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Vechta, Dr. Friedrich Willms, erklärt ebenso: Der private Konsum könne die Ausfälle „nicht in Gänze auffangen“. Und so gebe es „gerade jetzt, wenn eigentlich die Schützenfestsaison beginnt, plötzlich weniger Nachfrage bei konstantem Schweineangebot“. Auch er setzt auf das Prinzip Hoffnung. Dass sich die durch die Corona-Pandemie bedingten Verwerfungen bald wieder reduzieren, gelinge nur aber, „wenn es nicht zu einer zweiten, schlimmeren Infektionswelle kommt“.

Willms sagt, dass es zwar grundsätzlich im Schweinemarkt immer wieder ein Auf und Ab der Preise gebe. So habe Deutschland sehr von den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA profitiert. Nun aber seien die gegenseitig auferlegten Strafzölle zurückgenommen worden und die chinesischen Importe aus den USA sowie aus Brasilien liefen wieder. „Das drückt auch für unsere Exporteure die Preise“, erklärt Willms. Gleichwohl sei wohl der Hauptgrund für die fallenden Preise „das Fehlen der Großabnehmer in Deutschland“.

Auch Heinrich Dierkes aus Goldenstedt, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit Sitz in Damme, sagt über den Shutdown des öffentlichen Lebens: „Lange Zeit ist keine einzige Currywurst verkauft worden.“ Und mit Blick auf das Kontaktverbot stellt er fest: „Grillen allein im Garten macht auch keinen Spaß.“ Das habe den Konsum erheblich gesenkt, es habe einen „starken Einbruch“ gegeben.

Warnt vor Panik: Heinrich Dierkes, ISN-Vorsitzender. Foto: ChowanietzWarnt vor Panik: Heinrich Dierkes, ISN-Vorsitzender. Foto: Chowanietz

Beim Welthandel in Corona-Zeiten führt er auch „ein logistisches Problem“ an. Es habe für die Transporte keine ausreichenden „Kühlkapazitäten mehr gegeben“. Dierkes ist zuversichtlich, dass die Marktsituation sich bald bessert: „Wir hoffen, dass wir Ende der Woche Ruhe reinkriegen.“ Wichtig sei jetzt, dass keine Panik aufkomme.

Der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums (AEF) Oldenburger Münsterland, Uwe Bartels, sagt ebenfalls: Alle Hoffnungen würden sich jetzt auf die Corona-Lockerungen richten. „Das wird den inländischen und den europäischen Markt beflügeln, aber auch die chinesische Nachfrage.“

Sieht zunehmenden Strukturwandel: Uwe Bartels, AEF-Vorsitzender. Foto: M. NiehuesSieht zunehmenden Strukturwandel: Uwe Bartels, AEF-Vorsitzender. Foto: M. Niehues

Bartels, Ex-Agrarminister von Niedersachsen, geht aber dennoch davon aus, dass auf längere Sicht „der Strukturwandel in der Schweineproduktion zunehmen wird“. Landwirte könnten zwar mit den immer wieder auftretenden Störungen der Nachfragesituation in Exportmärkten umgehen. Das gelte auch für die Konkurrenzsituation durch Aufbau eigener Kapazitäten in den Importstaaten. Doch: Es würden in Deutcshland noch kostensteigernde Auflagen hinzukommen.

Dazu zählt er die neue Düngeverordnung, das Umweltrecht und ein Mehr an Tierwohl. Erschwert werde die Situation durch „ausbleibende Endscheidungen der Politik über die Richtung der Tierhaltung in Deutschland“.

Auch das Aufkommen neuer Ernährungstrends und die zunehmende Nachfrage nach Fleischersatzprodukten würden insbesondere die Nachfrage nach Schweinefleisch verringern. Eine derartige Häufung von den Markt beeinflussenden Ereignissen sei schon außergewöhnlich.

„Nach Corona sieht der Agrarmarkt in Deutschland anders aus.“Uwe Bartels, AEF-Vorsitzender

Bartels ist deshalb überzeugt: „Nach Corona sieht der Agrarmarkt in Deutschland anders aus.“ Er nennt diese neuen Perspektiven: „Die Schweinehaltung wird sich schwerpunktmäßig auf Premiumware aus nachhaltiger tiergerechter Produktion konzentrieren.“ Eine geringere Zahl an Tierhaltern werde mit größeren Beständen weiterhin auch für den Exportmarkt produzieren. Und: „Fleischersatzprodukte werden im nationalen und internationalen Markt zunehmen“.





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