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Corona-Aktion: Friseurläden lassen das Licht an!

Die Mitglieder der Vechtaer Innung kämpfen für die Öffnung ihrer Salons am 15. Februar. Von Sonntag auf Montag soll die Lichtaktion zeigen:  "Wir sind noch da!"

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Es herrscht Verzweiflung: Blick auf das Fenster eines in der Corona-Pandemie geschlossenen Friseursalons. Foto: dpa / Rumpenhorst

Es herrscht Verzweiflung: Blick auf das Fenster eines in der Corona-Pandemie geschlossenen Friseursalons. Foto: dpa / Rumpenhorst

Mit der Teilnahme an der bundesweiten Aktion "Wir lassen das Licht an – bevor es ausgeht" vom 31. Januar bis 1. Februar sowie einer Petition will das Friseurhandwerk in Niedersachsen auf den Re-Start der Salons am 15. Februar drängen. 24 Stunden lang soll auch in den Salons im Oldenburger Münsterland das Licht brennen. Mehr als 40 Betriebe der Friseurinnung der Kreishandwerkerschaft Vechta machen von Sonntag auf Montag mit. Dahinter steht die Absicht zu zeigen, "dass wir noch da sind. Unsere Existenz ist bedroht, wir wollen arbeiten", will Obermeisterin Monika Bregen (Dinklage), "Druck auf die Politik aufbauen, damit wir bald wieder loslegen können".

Knapp 70 Prozent der Deutschen gehen regelmäßig zum Friseur

Knapp 70 Prozent der Deutschen gehen regelmäßig zum Friseur, erklärt der Zentralverband – und können das im jetzt verordneten Lockdown bereits seit mehreren Monaten nicht. So mancher Kunde ist verzweifelt, weiß auch Bregen. "Obwohl der Salon geschlossen ist, gibt es immer wieder telefonische Anfragen, ob ich denn nicht trotzdem schneiden kann. Und meine Antwort ist derzeit immer dieselbe: Nein, darf ich nicht und werde ich nicht. Es stehen schließlich Strafen in einer Höhe bis zu 25.000 Euro im Raum. Die kann und wird sich kein gesetzestreuer Friseur leisten. Und überhaupt: Wir wollen doch alle, dass es mit den Kontaktbeschränkungen bald vorbei ist, wir unser normales Leben wieder zurückbekommen? Wenn ich oder andere Friseure mal eben zwischendurch Haare schneiden, das würde alle Lockdown-Maßnahmen konterkarieren."

Will endlich wieder arbeiten: Monika Bregen, Obermeisterin der Vechtaer Friseurinnung. Foto: KühnWill endlich wieder arbeiten: Monika Bregen, Obermeisterin der Vechtaer Friseurinnung. Foto: Kühn

Bregen registriert sehr wohl, dass es auch im Kreis "schwarze Schafe" gibt, die Haare schneiden, obwohl es derzeit verboten ist. Das "Serviceangebot" reiche da vom schnellen Schnitt im Haus des Kunden bis zu Leistungen im Altenheim. Gerade im letzteren Fall gehe die Kreishandwerkerschaft konsequent vor, habe das Tun angezeigt. "Das Problem Schwarzarbeit hätte sich schnell erledigt, dürften wir endlich wieder unsere Salons öffnen", ist Bregen sicher. Dann gebe es auch wieder hygienisch saubere und sichere Friseurdienstleistungen – "wer weiß schon, unter welchen Bedingungen illegal gearbeitet wird?", fragt die Dinklagerin.

Eine Verlängerung des Lockdowns für die Friseure sei wirtschaftlich längst nicht mehr zu verkraften, mahnt Bregen die schnelle Öffnung der Salons an. Zwar könnten die Mitarbeiter die Kurzarbeit wahrnehmen, für die Betriebsinhaber gelte das aber nicht. Die eigenen Lebenshaltungskosten und die für den Salon "laufen jetzt bereits monatelang". Da es zunächst nur wenige, jetzt gar keine Einnahmen mehr gibt, hat Bregen "ganz, ganz große Sorgen, dass es viele Betriebe bald nicht mehr geben wird. Ganz besonders Neugründungen wird es treffen."

"Jeden Tag geht Geld weg."Monika Bregen, Obermeisterin der Vechtaer Friseurinnung

Die finanziellen Überbrückungshilfen gab es erst gar nicht, später nur unter Anrechnung der unter den hohen Auflagen erzielten spärlichen Einnahmen. Die Betriebsinhaber, die nicht über ein eigenes Firmengebäude verfügen, denen auch eine finanzielle Absicherung über den Partner fehle, seien besonders schlecht dran, erklärt Bregen. "Jeden Tag geht Geld weg." Hohe Mietzahlungen, Steuern, kein persönliches Einkommen und keinerlei Rücklagen: "Es kommen so viele Sorgen zusammen – bei manchen Kollegen herrscht Verzweiflung pur", seufzt Bregen. Sauer wird die Friseurmeisterin, wenn sie auf die generelle Situation ihres Standes blickt. Konnte zunächst unter hohen hygienischen Auflagen noch weitergearbeitet werden, dann "mussten wir mehr oder weniger von heute auf morgen wieder unsere Geschäfte schließen - obwohl die Hygienekonzepte bei uns hervorragend funktionierten. Warum also überhaupt Schließung?"

Zwischen Trauer und Wut pendeln die Gefühle

Doch ihrer "Traurigkeit, die auch mal in Wut umschlägt" will Bregen jetzt Ausdruck verleihen. Sie wird sich "natürlich" an der zentralen Aktion beteiligen und das Licht in ihrem Salon in Dinklage anschalten. Sie gibt "die Hoffnung nicht auf, dass wir am 15. Februar wieder starten können, dass wir mit unseren Argumenten bei der Politik durchdringen". Gemeinsam mit Kollegen hat sie inzwischen Briefe an die regionalen Abgeordneten im Land und im Bund gesendet. Auch an die Bundeskanzlerin ging ein Schreiben.

Die Frisöre wären auf den Neustart am 15. Februar vorbereitet

Die Friseure "sind auf den Neustart längst gut vorbereitet. Dabei stützen wir uns im Wesentlichen auf die vor diesem Lockdown bewährten Maßnahmen: Weniger Kunden im Geschäft und je Mitarbeiter sowie höchste Hygienestandards", sagt die Obermeisterin.

Kurz nach der bundesweiten Lichtaktion wird der niedersächsische Landesinnungsverband der Friseure am 4. Februar (Donnerstag) im Rahmen der alljährlichen Gespräche der Unternehmensverbände Handwerk Niedersachsen eine Petition an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) überreichen. Alle niedersächsischen Friseurobermeister/-innen haben diese unterzeichnet und wollen die Wiederöffnung ihrer Salons am 15. Februar. "Die Politik muss uns endlich helfen", fordert Bregen.

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