Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Bünting will 13 Mio. Euro in Famila-Neubau in Lohne investieren

Das Handelsunternehmen aus Leer nennt neue Details. Baubeginn könnte im Frühjahr 2021 sein – falls die Politik das umstrittene Projekt absegnet.

Artikel teilen:
Der geplante Famila-Neubau in der Lohner Innenstadt polarisiert. Jetzt hat die Bünting-Unternehmensgruppe, zu der die Supermarktkette gehört, neue Details zu dem Großprojekt bekanntgegeben. Foto: Timphaus

Der geplante Famila-Neubau in der Lohner Innenstadt polarisiert. Jetzt hat die Bünting-Unternehmensgruppe, zu der die Supermarktkette gehört, neue Details zu dem Großprojekt bekanntgegeben. Foto: Timphaus

Die Bünting-Gruppe geht beim geplanten Neubau eines Famila-Marktes in der Lohner Innenstadt in die Kommunikationsoffensive. Vor der Sitzung des Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschusses, der am Dienstag (8. September) um 17 Uhr in der Realschule in der Hauptsache zu diesem Thema tagt, hat das Handelsunternehmen aus Leer neue Details zu dem umstrittenen Vorhaben bekanntgegeben. Die Mitteilung liegt der Redaktion exklusiv vor.

Demnach investiert Bünting nach eigenen Angaben circa 13 Millionen Euro in den Neubau, der auf einem Teilstück der früheren Hofstelle Küstermeyer an der Meyerhofstraße/Keetstraße entstehen soll. Das Konzept umfasst einen Famila-Markt mit etwa 4000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie einen dm-Drogeriemarkt mit 700 Quadratmetern Verkaufsfläche. Bünting rechnet laut Mitteilung mit einem Baubeginn im Frühjahr 2021.

Der bestehende Famila-Markt am Gleisbogen soll nach Angaben der Unternehmensgruppe aufgegeben "und einer anderen Nutzung zugeführt" werden. Die Verlagerung sei auch deshalb notwendig, so Bünting, da das aktuelle Objekt nicht mehr zeitgemäß sei und den Anforderungen an eine moderne Einkaufsstätte nicht gerecht werde.

"Mit unserem Vorhaben möchten wir die Lohner Innenstadt stärken und uns klar zum Standort bekennen."Matthias Adler, Leiter Standortentwicklung Nord der Bünting-Unternehmensgruppe

Bünting-Gruppe bekennt sich zum Standort Lohne

Laut Bünting schließt das Großprojekt zwei Versorgungslücken in der Innenstadt, "in der es bislang weder einen Vollversorger noch einen Drogeriefachmarkt gibt". Matthias Adler, Leiter Standortentwicklung Nord der Unternehmensgruppe, wird in der Mitteilung wie folgt zitiert: "Mit unserem Vorhaben möchten wir die Lohner Innenstadt stärken und uns klar zum Standort bekennen." Der neue Famila-Markt werde hinsichtlich der Sortimentsbreite ein Angebot stellen, das es in dieser Form momentan in der Stadt nicht gebe. "Aus Kundenbefragungen wissen wir, dass viele Lohner bisher in Nachbarorten einkaufen. Dies möchten wir mit einem attraktiven Angebot ändern, sodass auch die Innenstadt von unserem Neubau profitieren wird."

Nach Angaben von Bünting werden durch die geplante Verlagerung etwa 30 neue Arbeitsplätze geschaffen. Regionale Unternehmen profitierten im Zuge des Neubaus von zusätzlichen Aufträgen. Zudem werde durch die Einbeziehung der früheren Hofstelle "ein wichtiges städtebauliches Signal" gesetzt, welches eine "optimale Verbindung zwischen dem Famila-Markt und der Innenstadt" schaffe.

Ein "Masterplan" als Reaktion auf Kritik an Naturzerstörung

Die Bünting-Gruppe geht in ihrem Schreiben auch auf die Kritik ein, die im Nachgang zur Vorstellung des ersten Entwurfs im Herbst 2019 geäußert wurde. So hatten sich die Lohner Bürgerinitiative "Pro Wald" und die Vechtaer Kreisgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) mit deutlichen Worten gegen das Vorhaben positioniert. Aus Sicht der Naturschützer werde mit dem Bauprojekt eine der letzten grünen Inseln in der Lohner Innenstadt zerstört.

Adler sagt nun dazu: "Wir haben uns im Nachgang der Diskussionen hinsichtlich des Umgangs mit dem Baumbestand intensiv mit diesem Thema beschäftigt." In einem ersten Schritt habe ein Sachverständiger den Standort begutachtet. Im Ergebnis, so der Leiter Standortentwicklung Nord, seien "bereits heute circa 45 Bäume nicht mehr standsicher und stellen eine akute Gefährdung dar". Weitere 71 Bäume sind nach Angaben Adlers "durch die zwingend notwendigen Fällungen im Bestand" ebenfalls gefährdet. Lediglich 39 Bäume seien als erhaltenswert eingestuft worden.

Vor diesem Hintergrund hat die Bünting-Gruppe das auf Landschaftsarchitektur spezialisierte Büro Horeis+Blatt aus Bremen mit der Erstellung eines "Masterplans" beauftragt. Dieser sieht nach Angaben des Famila-Mutterkonzerns eine vollständige Neugestaltung des Standortes vor. Laut Bünting sollen auf dem Teilstück der früheren Hofstelle Küstermeyer zukünftig 115 Bäume stehen. Als zusätzliche Kompensation würden weitere 85 Bäume im Innenstadtbereich von Lohne angepflanzt, teilt die Unternehmensgruppe mit.

Neben den Neuanpflanzungen plant Bünting nach Angaben von Adler auch eine extensive Dachbegrünung, um das Kleinklima zu verbessern. Weiter soll auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert werden, die einen Großteil des Energiebedarfs des neuen Supermarktes abdeckt. Auf dem Parkplatz sollen E-Ladestationen für Pkw und Fahrräder entstehen.

Trotz der Offensive: Fragen bleiben offen

Der nun gestarteten Kommunikationsoffensive zum Trotz gibt sich Bünting in einigen Punkten aber weiterhin schweigsam. So plant eine Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe an der Oldenburger Straße in Vechta aktuell einen neuen Combi-Markt, der Handel und Wohnen miteinander kombiniert. Mehrmalige Anfragen dieser Redaktion, was denn in Lohne gegen den Bau eines mischgenutzten Objektes spreche, bleiben unbeantwortet. Auch auf die Frage, warum bei dem Bauvorhaben zur Reduzierung des Flächenverbrauchs keine Tiefgarage oder die Bereitstellung von Parkplätzen auf dem Dach ins Auge gefasst werde, ist aus Leer keine Antwort zu erhalten.


Info:

Der Bauausschuss Lohne tagt am Dienstag (8. September) um 17 Uhr in der Realschule. Die Stadt weist darauf hin, dass die Besucherzahl aufgrund der Corona-Pandemie auf 30 Personen beschränkt ist.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Bünting will 13 Mio. Euro in Famila-Neubau in Lohne investieren - OM online