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#Braindrain – Trumpf der Demografie

Kolumne: Irgendwas mit # – Die Not ist groß. In vielen Betrieben fehlen heutzutage Fachkräfte und Auszubildende. Für junge Menschen ist das eine gute Nachricht, um endlich Veränderungen durchzusetzen.

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Frisches Obst und kostenlose Getränke, eine Tischtennisplatte im Büro, E-Bikes für Beschäftigte, Praktika im Ausland, Weiterbildungsprogramme oder Fitnessgutscheine. Angesichts des Fachkräftemangels suchen Unternehmen neue Wege, um Fachkräfte und Auszubildende zu gewinnen. Auch im Oldenburger Münsterland sind die Auswirkungen des demografischen Wandels spürbar. Einige Ausbildungsplätze im OM bleiben mittlerweile unbesetzt.

Die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt haben sich geändert – zum Vorteil junger Menschen. Das Abhängigkeitsverhältnis hat sich teils umgekehrt: Konnten sich Betriebsinhaber früher den besten Kandidaten aussuchen, sind einige Gewerke heutzutage froh, wenn überhaupt eine Bewerbung ins Postfach flattert. Stattdessen können sich Arbeitleistende in diversen Branchen das Unternehmen aussuchen, für das sie arbeiten wollen.

Gerade Klein- und Mittelständische Betriebe, wie es sie im Oldenburger Münsterland zuhauf gibt, stellt die Entwicklung vor ein zweites Problem: den Braindrain-Effekt. Damit ist die Abwanderung von Fachkräften gemeint. Denn der Fachkräftemangel betrifft auch die großen Player der Branchen. Diese verfügen über andere Möglichkeiten, um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Sie können – wie man es etwa im Fußball über den FC Bayern sagen würde – den anderen Firmen die Talente wegschnappen.

"Noch nie standen die Zeichen günstiger, um nachhaltige Veränderungen in Unternehmen und auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen."Bernd Bergmann

Angesichts dieser Entwicklung verwundert es doch stark, dass viele Firmen noch immer auf materielle Anreize setzen. Ein E-Bike als Geschenk zum Arbeitsvertrag? Klar, das kann den einen oder anderen Bewerber gerade angesichts der aktuellen Spritpreise durchaus überzeugen. Ob so aber Beschäftigte langfristig an ein Unternehmen gebunden werden. Die Antwort: Eher nein.

Wer weiter ausschließlich auf materielle Anreize setzt, hat die Zeichen der Zeit nicht begriffen. Früher wurde das Leben um die Arbeit herum geplant. Heute muss die Tätigkeit zum Leben sowie den eigenen Werten passen. Mit fortschreitender Individualisierung und zunehmender Vielfalt hält die gesamtgesellschaftliche Entwicklung nun Einzug in die Wirtschaft. Insbesondere die postmaterialistisch geprägten Generationen Y und Z haben andere Vorstellungen als vorherige Generationen. Sie achten stärker auf gute Arbeitsbedingungen, die Wertschätzung ihrer Arbeit und fordern Verantwortung, Mitbestimmung und Raum zur Selbstentfaltung.

Des einen Leid, des anderen Freud: Noch nie standen die Zeichen günstiger, um nachhaltige Veränderungen in Unternehmen und auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. Früher hieß es noch: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ Heute reicht es schon, wenn junge Menschen sich ihrem Vorteil durch den demografischen Wandel bewusst sind und ihn zu nutzen wissen.

Denn der Fachkräftemangel bietet die Chance, endlich faire und gleichberechtigte Löhne einzufordern, Sexismus und toxischem Arbeitsklima den Kampf anzusagen, mehr Mental-Health-Angebote in Firmen zu schaffen und die Rahmenbedingungen für die eigene Selbstverwirklichung zu setzen. Junge Menschen können Unternehmen nun dazu bewegen, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Etwas, wovon ältere Generationen oft nur träumen konnten.

Clevere Betriebe haben dies längst erkannt. Sie stellen sich den Veränderungen nicht in den Weg, sondern unterstützen junge Menschen und sorgen selbst für den so notwenigen Wandel. Es wird Zeit, dass sich auch im OM die Betriebe diesem bewusst werden. Denn sonst könnten gut ausgebildete Fachkräfte der Region schnell den Rücken kehren.


Zur Person:

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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