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Boom im Privatkundengeschäft: Das Girokonto löst die "Lohntüte" ab

Die Filiale Vechta der Commerzbank besteht seit 60 Jahren. Nach den Schließungen der Bankstellen in Cloppenburg und Diepholz betreuen die Vechtaer Mitarbeiter auch die Kunden aus diesen Bereichen.

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60 Jahre gibt es die Commerzbank in Vechta: Im Bild Filialdirektor Andre Freitag (mit Signet) mit einem Teil seines Teams. Foto: Kühn

60 Jahre gibt es die Commerzbank in Vechta: Im Bild Filialdirektor Andre Freitag (mit Signet) mit einem Teil seines Teams. Foto: Kühn

Seit drei Jahren ist Andre Freitag Direktor der Filiale Vechta der Commerzbank und zuständig für das Marktgebiet Diepholz und Oldenburger Münsterland. 1992 begann der Diplom-Bankbetriebswirt seine Ausbildung in Vechta, ist seither schon fast 30 Jahre für die bundesweit agierende Bank tätig. Drei Jahrzehnte für dasselbe Unternehmen zu arbeiten, sind im heutigen Wirtschaftsleben bereits eine lange Zeit. Dass ein Bankfilialstandort 60 Jahre besteht, ist angesichts des allerorten von weit entfernt sitzenden Bankvorständen verordneten Massensterbens von regionalen Standorten mittlerweile ebenso ungewöhnlich. Das heute 15 Köpfe zählende Team der Commerzbankfiliale Vechta darf deshalb durchaus mit Stolz auf eine ihre Arbeitsplätze sichernde gute Entwicklung ihres am 26. Oktober 1961 gegründeten Standortes zurückblicken.

Groß gefeiert wird das 60-jährige Bestehen allerdings nur dann, "wenn es die Coronasituation in diesem Jahr noch zulässt", erklärt Freitag. 2020 wurde die Commerzbank 150 Jahre alt. "Es war schon alles vorbereitet in der Zentrale, es sollten Tage der offenen Tür stattfinden, die Plakate waren gedruckt – und dann fiel wegen Corona alles ins Wasser", berichtet der 49-Jährige. Ebenso könnte es mit 60-Jahr-Feierlichkeiten am Filialstandort in Vechta sein.

Erste Räume der Commerzbank befanden sich im Gebäude des Hotel Schäfers

60 Jahre Commerzbank in Vechta nehmen im umgebauten "kleinen Saal" des Hotel Schäfers in der Großen Straße 59 – heute Große Straße 115 – ihren Anfang. Es war die 360. Filiale der Bank bundesweit. Der erste Filialdirektor Clemens Willenborg begründete die Eröffnung laut Zeitungsbericht in der Oldenburgischen Volkszeitung insbesondere damit, dass die Commerzbankzentrale in Frankfurt zeigen wolle, "welch große Bedeutung sie dem wirtschaftlichen Wachstum in unserer Stadt beimisst".

Bereits vier Jahre später wurde – noch bei Schäfers – der Standort vergrößert. 1972 dann der Umzug an den heutigen Standort an der Großen Straße 49. Der Neubau von Hotelier Theo Melchers wurde mit seinerzeit "brandaktuellen" Bankneuerungen wie Briefschließfächer und Nachttresor ausgestattet. Einen "Boom" im Privatkundengeschäft erlebte man bereits am neuen Standort: Die übliche "Lohntüte" mit Bargeld wurde durch das Girokonto abgelöst. 1986 wurden die Räume erneut erweitert.

Die Zeitläufte brachten weitere Neuerungen wie "Beratungsinsel", Geldautomat, Kontoauszugsdrucker oder auch das Online-Banking mit sich. Das Bankgeschäft beschränkte sich nicht mehr auf die Verwaltung von Bargeld und Kundeneinlagen oder auf die Baufinanzierung, sondern erweiterte sich etwa um Vorsorgeprodukte oder das Versicherungsgeschäft. Freitag hebt deshalb auch "unsere Beratungskompetenz" am Standort hervor. Im Gegensatz zu 1961 würde der Kunde heute als Partner begriffen, dem man nichts vorschreibe, sondern dem man Alternativen vorschlage.

Der Filialbereich Vechta verzeichnet anhaltend gute Geschäftszahlen

Das Engagement der Commerzbank in Vechta gründete 1961 vornehmlich auf dem Geschäft mit gewerblichen Kunden. Das ist auch heute noch so, obwohl der Privatkundenstamm erheblich angewachsen ist. Firmenkundenbetreuerin Marieke Ellberg verweist auf vertrauensvolle, gewachsene Kundenbeziehungen. Man wolle auch in Zukunft "zu der dynamischen Entwicklung der Region beitragen".

Nachdem in kurzer Zeit die Standorte der Commerzbank in Diepholz und Cloppenburg geschlossen wurden, muss der Kunde auch Befürchtungen haben, dass nach 60 Jahren bald auch Vechta "dichtgemacht" wird? Freitag: "Die Commerzbank plant nicht, den Standort Vechta zu verlassen." Er könne zwar nicht sagen, wie sich die Situation in der Zukunft darstelle, aber er sei sich sicher, dass die Filiale "weiter bestehen wird".

Die Geschäfte laufen über die gesamte Region hinweg gesehen für die Commerzbank wohl noch gut. Das zeigen die im März präsentierten Jahreszahlen 2020 des Filialbereiches. Danach stieg das für die Geschäftsentwicklung wichtige Gesamtkreditvolumen der Commerzbank in Vechta auf 240 Millionen Euro. Das Neugeschäft mit Baufinanzierungen wuchs um 41,8 Millionen Euro, das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Bereich der Kundeneinlagen stach das Verdienst bringende Geschäft mit Anlagen in Aktien und Fonds heraus: Das Depotvolumen erhöhte sich um 8,2 Prozent auf 64,3 Millionen Euro.

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