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Boge will nach Corona-Jahr 2020 beim Umsatz wieder zulegen

2020 war für das Unternehmen mit seinem Stammsitz in Damme nicht leicht. Wie auch die Automobilbranche verzeichnete die Gruppe erhebliche Umsatzeinbrüche.

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Vorsichtig optimistisch: Dr. Torsten Bremer erwartet für die Boge-Gruppe 2021 ein Umsatzplus.  Foto: Witkowski

Vorsichtig optimistisch: Dr. Torsten Bremer erwartet für die Boge-Gruppe 2021 ein Umsatzplus.  Foto: Witkowski

Leicht oberhalb des Branchentrends hat der Automobilzulieferer „Boge Rubber & Plastics“, dessen Stammsitz in Damme ist,  das von der Corona-Pandemie und deren Folgen geprägte Geschäftsjahr 2020 abgeschlossen.

Der globale Anbieter für Schwingungstechnik und Kunststoffmodule  verzeichnete bei einem Jahresumsatz von 670,9 Millionen Euro einen Rückgang um 15,6 Prozent gegenüber 2019. Die globale Automobilindustrie hatte nach Worten des Boge-Geschäftsführers Dr. Torsten Bremer im vergangenen Jahr 74,7 Millionen Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge produziert – 15,9 Prozent weniger als 2019.

Damit hatte der bereits 2018 begonnene Rückgang sich weiter fortgesetzt. 2017 hatte die Zahl der weltweit produzierten Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge mit 97,3 den Höchststand erreicht.

Zahl der Beschäftigten in Deutschland sinkt auf 1.600

Insgesamt sank die Zahl der Boge-Mitarbeiter in Deutschland um 100 auf zirka 1.600. Es habe sich ausschließlich um Beschäftigte gehandelt, die das Unternehmen etwa durch den Wechsel in den Ruhestand verlassen hatten oder deren Zeitverträge ausgelaufen waren.

Ende 2020 beschäftigte die Boge-Gruppe weltweit 3.935 Mitarbeiter. Den höchsten Stand hatte das Unternehmen Ende 2018 mit 4.351 gemeldet.

Bei einer Prognose für 2021 für das Unternehmen, das in Damme rund 950 Mitarbeiter beschäftigt sowie rund 200 Millionen Euro Umsatz erzielt und weltweit insgesamt 11 Standorte zählt, zeigte sich Dr. Bremer vorsichtig optimistisch. Er erwartet einen Umsatzanstieg im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr.

Der Umsatz sei in den ersten drei Monaten 2021 gegenüber dem ersten Quartal 2020, das noch nicht von der Corona-Pandemie geprägt war, um rund 11 Prozent gestiegen. Er rechnet aber auch damit, dass sich die branchenweiten Produktionsschwierigkeiten aufgrund gestörter Lieferketten bis ins nächste Jahr hineinziehen.

Unternehmen will 28 Millionen Euro investieren

Im laufenden Jahr plant das Unternehmen, das seit 2014 zum chinesischen CRRC-Konzern gehört, Investitionen in Höhe von rund 28 Millionen Euro. Im Wesentlichen soll Standorte in Deutschland – neben Damme Simmern und Bonn – in der Slowakei und in China bedacht werden.

2020 hatte die Investitionssumme bei 23,6 Millionen Euro gelegen, ein Einbruch von 38 Prozent gegenüber 2019. Rund 4,7 Prozent des Gesamtumsatzes, zirka 31,5 Millionen Euro, wendete Boge für den Bereich Entwicklung auf. Hier betrat das Unternehmen Neuland. Es hat ein Innovations-Center am Hochschulcampus Osnabrück bezogen. Hier liegen die Schwerpunkte insbesondere auf speziellen Anwendungen für die Elektromobilität sowie die Agrarindustrie.

Auch die digitale Produktentwicklung spiele bei Boge eine immer größere Rolle, sagte Dr. Bremer. Mit Hilfe der virtuellen Simulation anstatt realer Prototypen verkürze sich die Gesamtentwicklungsdauer bei gleichzeitiger Kosteneinsparung erheblich.

Sehr breit aufgestellt sei Boge bei den zukünftigen Antriebskonzepten und der Elektromobilität. Von namhaften Automobilherstellern habe das Unternehmen strategisch bedeutsame Neuaufträge für wesentliche Plattformen zukünftiger Antriebskonzepte, also batterieelektrischer sowie Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge, erhalten.

Neues Produktionssegment nimmt Fahrt auf

Die Palette der Elektromobilität-Lösungen reiche von Aggregate- und Fahrwerklagern über Batteriegehäuse mit EMV-Schutz (EMV ist das Kürzel für elektromagnetische Verträglichkeit) und ultraleichte Getriebeträgermodule bis zu Leichtbau-Elektro-Bremspedalen.

Das neue Produktsegment "Kunststoffkomponenten und Module im Motorraum" nehme Fahrt auf. Eine Reihe von Neuaufträgen im Kunststoffbereich sorge für zusätzliches Wachstum auch am Standort Damme.

Verbrennermotoren gibt es mindestens noch 20 Jahre

Allerdings rechnet Dr. Bremer trotz der neuen Antriebstechniken damit, dass Boge zumindest noch für 20 Jahre Komponenten für Fahrzeuge liefern wird, die ausschließlich über einen Verbrennungsmotor verfügen.

Erheblich ausgebaut hat Boge im vergangenen Jahr nach Worten Dr. Bremers seine Kapazitäten in den Werken im slowakischen Trnava und im mexikanischen San Luis Potosi. Für beide Standorte habe die Boge-Gruppe zahlreiche Neuprojekte akquiriert. Zudem habe sie in Wuxi ihr 3. Werk in China in Betrieb genommen.

Ein wichtiges Thema war 2020 zwischen April und Juli die Kurzarbeit. Im Dammer Werk befanden sich im April etwa 46,7, im Mai 32,2 und im Juni fast 27,8 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit. Im Juli waren es 13,25 Prozent. Inzwischen spiele das Thema keine Rolle mehr, sagte der Geschäftsführer.

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