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Bildungsträger verzeichnen finanzielle Verluste

Einbußen bei der Kreishandwerkerschaft bis zur Kreisvolkshochschule: Die Coronakrise geht nicht spurlos an den Bildungseinrichtungen in der Region vorbei.

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In der Kreisvolkshochschule Vechta läuft der Kursbetrieb langsam wieder hoch. Foto: Kühn

In der Kreisvolkshochschule Vechta läuft der Kursbetrieb langsam wieder hoch. Foto: Kühn

Von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen sind auch die Bildungsträger im Landkreis Vechta betroffen. So meinte etwa Kreishandwerksmeister Andreas Theilen in seiner Rede auf der Lehrlingsfreisprechung Anfang August, dass durch die Corona-bedingte Schließung der Lehrwerkstätten der Kreishandwerkerschaft "ein hoher wirtschaftlicher Schaden" entstanden sei. Man werde im Vorstand besprechen müssen, wie dieser aufgefangen werden könne.

Ganz so schlimm, wie sie Theilen beschrieben habe, sei die Situation aber nicht, beschwichtigt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Markus Nacke. "Da auch wir von Mitte März bis Ende April schließen mussten, sind uns natürlich im Berufsbildungsbereich Einnahmen entgangen. Unsere Mitarbeiter konnten aber in Kurzarbeit gehen. Aber auch jetzt noch entgehen uns Einnahmen, weil Lehrgänge nicht voll besetzt werden, da die Sicherheitsabstände eingehalten werden."

Die Politik habe aber bei den überbetrieblichen Lehrgängen reagiert und die Möglichkeit geschaffen, die Lehrgänge zu verkürzen, erklärt Nacke. So dauere derzeit ein im Normalfall über 5 Tage durchgeführter Lehrgang jetzt nur noch 4 Tage. "Diese Maßnahme hilft uns, die ausgefallenen überbetrieblichen Lehrgänge rechtzeitig bis zu den Gesellenprüfungen im Winter durchzuführen", so Nacke. Beziffern wollte der Geschäftsführer die finanziellen Einbußen für die Kreishandwerkerschaft nicht.

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta: Markus Nacke bestätigt wirtschaftliche Einbußen durch den zeitweisen Stillstand der Lehrwerkstätten. Foto: KollmerDer Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta: Markus Nacke bestätigt wirtschaftliche Einbußen durch den zeitweisen Stillstand der Lehrwerkstätten. Foto: Kollmer

"So langsam läuft der Betrieb bei uns wieder hoch", erklärt Ralf Schopmans, Leiter der Kreisvolkshochschule Vechta (KVHS). Die finanziellen Einbußen wegen nicht durchgeführter Veranstaltungen kann er aktuell nicht beziffern, sie seien "überhaupt noch nicht greifbar". Er sieht seinen Bildungsträger über das Jahr gesehen aber "noch ganz gut" weggekommen. Gerade im wichtigen Bereich der für das Jobcenter sowie die Arbeitsagentur Vechta durchgeführten Kurse, habe man "mehrere Projekte" umsetzen können, indem man die Präsenzveranstaltungen auf die digitalen Unterrichtswege umgestellt habe. "Das geschah auf eigenes Risiko, nicht wissend, ob wir auch die neue Form bezahlt bekommen. Das hat aber letztlich geklappt", freut sich Schopmans. Wichtig für ihn: "Die Dozenten dieser Kurse konnten bleiben." Das habe man nicht in allen Bildungsbereichen geschafft, bedauert Schopmans. "Die Dozenten der Sprachkurse mussten wir alle in Kurzarbeit schicken."

Ausgefallene Veranstaltungen sollen möglichst noch dieses Jahr nachgeholt werden. "Wir haben hier auch Freiberufler, also Dozenten, die ausschließlich von den Kursvergütungen leben. Denen fällt es natürlich schwer, ihren Einkommensausfall zu kompensieren. In bestimmten Bereichen ist die Kompensation teilweise gelungen, da haben wir Mittel über das Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) beantragen können, die wir an die Dozenten durchgeleitet haben."

Erwachsenenbildung ist generell ein Zuschussgeschäft

Generell sei Erwachsenenbildung ein Zuschussgeschäft, erklärt Schopmans. Getragen würde diese Arbeit nicht über die Teilnehmergebühren, "das würde gar nicht reichen", sagt er, "denn es gibt den großen Bereich der Fixkosten, vom Personal bis über die Miete, jetzt die Hygienemaßnahmen und viele weitere Posten mehr." Dafür würden zum Beispiel unter anderem die Zuschüsse der Kommunen benötigt, die die KVHS erhalte.

Für KVHS-Chef Ralf Schopmans sind die finanziellen Einbußen seiner Bildungseinrichtung überhaupt noch nicht greifbar. Foto: Kessen Für KVHS-Chef Ralf Schopmans sind die finanziellen Einbußen seiner Bildungseinrichtung "überhaupt noch nicht greifbar". Foto: Kessen 

Wichtig sei für den finanziellen Jahresabschluss auch, wie die Landespolitik auf die Coronakrise reagiere. Von dort gibt es über das Erwachsenenbildungsgesetz Zuschüsse, deren Höhe durch die Teilnehmerzahl bestimmt wird. "Aktuell ist die Frage, wie man in Hannover mit dem Jahr 2020 umgehen wird, meines Wissens nach nicht geklärt", sagt der KVHS-Chef.

Dorothee Holz, Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne, beschreibt die Situation ihrer Einrichtung ähnlich wie Schopmans. "In wesentlichen Bereichen gab es Verschiebungen, keine Ausfälle", hat sie die Hoffnung, dass das Ludgerus-Werk wirtschaftlich am Ende des Jahres noch einigermaßen passabel dasteht.

Dass man die Kurse in Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur und Jobcenter habe durchführen können, sei gut gewesen, sagt Holz. Man habe deshalb die Lehrkräfte halten können. Es hätte dafür aber auch einiger Anstrengungen bedurft. Zwar gäbe es viele digitale Möglichkeiten, doch schon am Ausdruck von Unterlagen scheitere ein Unterricht, wenn die Teilnehmer nur ein Handy, aber keinen Drucker hätten. Des Öfteren sei "Fensterkontakt" zwischen Lehrer und Schüler nötig gewesen. Der gesamte Sprachförderbereich, etwa für Flüchtlinge, sei aber nicht zu halten gewesen, "das wäre nicht gegangen". Auch Kulturveranstaltungen oder Eltern-Kind-Kurse seien komplett ausgefallen ebenso wie die Seniorenbildung.

Aktuell sei die Teilnehmerzahl in den angebotenen Kursen kleiner, deshalb müssten die Räume des Ludgerus-Werkes exakt beplant werden. Umfangreiche Hygienemaßnahmen verursachten mehr Kosten.

Wegfall der Kurse trifft wirtschaftlich in erster Linie die Lehrenden

Aus ihrer Tätigkeit im Verband der Katholischen Bildungswerke im Offizialatsbezirk weiß Holz auch um die Verhältnisse der meisten anderen Bildungsträger im Kreis und in der Region. So hätten Einrichtungen ohne berufliche Ausbildungs- und Förderungsprogramme und mit anderen Schwerpunkten wie etwa in der reinen Seniorenbildung schlicht "schließen müssen". Der Wegfall der Kurse treffe dabei wirtschaftlich natürlich in erster Linie die Dozenten. Beim Bildungswerk Dammer Berge habe man Kurzarbeit der Stammbelegschaft durch Überstundenabbau verhindern können. Im Bildungswerk Vechta seien verstärkt Online-Veranstaltungen durchgeführt worden.

Dennoch seien "natürlich viele Veranstaltungen ausgefallen", weiß Holz. Das habe natürlich vor allem die Lehrenden getroffen, die als Hauptamtliche in die Kurzarbeit gegangen wären, als freiberuflich Tätige aber plötzlich ohne Einkommen dagestanden hätten.

Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft hat am Standort Vechta bislang keinen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen, sagt die Regionalleiterin Ines Mierau. Natürlich gebe es wirtschaftliche Einbußen, da Kurse angesichts der Corona-Auflagen "nicht unter Volllast" und nur unter Beachtung umfänglicher Hygienemaßnahmen durchgeführt werden können. Andere Seminare seien von den Kursleitern in geeignete Formate wie zum Beispiel das "Distance learning" überführt worden, wobei "immer auf die Passgenauigkeit für die jeweiligen Kunden geachtet" werde.

"Job-Speeddating kann man in Präsenz nicht durchführen."Ines Mierau, Regionalleiterin des Bildungswerkes der Niedersächsischen Wirtschaft

Besonders das Firmenkundengeschäft mit Ausbildungsförderung oder mit Sprachkursen habe - insbesondere in der Region Vechta mit den zahlreichen fleischverarbeitenden Betrieben - gelitten, "da unsere Auftraggeber derzeit andere Sorgen haben", sagt Mierau. Auch beliebte Veranstaltungen wie "Job-Speeddating kann man in Präsenz nicht durchführen". Dennoch: "Es hat sich bewährt, Ausgefallenes nachzuholen oder größere Gruppen zu teilen."

Die Hygieneauflagen kosten viel Geld

Bald läuft ein neuer Kurs der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) bei der Akademie Überlingen in Vechta in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit an. Man habe im Frühjahr schnell auf die Corona-Situation reagiert, ein umfangreiches Hygienekonzept aufgelegt, sagt Sprecherin Karoline Nielsen. Man habe alle Kurse durchgeführt. Schwieriger sei es derzeit, neue Maßnahmen zu erhalten und sie durchzuführen, denn zurzeit "kommen die Arbeitsagenturen und Jobcenter, die für uns wesentliche Auftraggeber sind, durch die Corona-Auflagen nicht an ihre Kunden heran", erklärt Nielsen.

Über die wirtschaftlichen Einbußen will Nielsen keine Auskunft geben, aber natürlich kosteten Unterricht und Ausbildung die Akademie derzeit mehr Geld, sagt sie - allein schon wegen der Hygieneauflagen. Derzeit denke man aber nicht daran, am Standort Vechta keine Kurse mehr anzubieten, das sei sicher. Aktuell lege man sogar ein neues Angebot auf, das "Job Connect Kompakt", das Arbeitslosen eine schnelle Rückkehr in den Job ermöglichen soll.

Die Lehrwerkstätten bescheren der Kreishandwerkerschaft Vechta in diesem Jahr Verluste. Foto: KühnDie Lehrwerkstätten bescheren der Kreishandwerkerschaft Vechta in diesem Jahr Verluste. Foto: Kühn

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