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Betriebe melden erheblich weniger Ausbildungsstellen

Die Agentur für Arbeit Vechta registriert zehn Prozent weniger Lehrstellen im Oldenburger Münsterland. Das örtliche Handwerk sieht noch eine normale Lage.

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Das Bauhandwerkr hat weiter gut zu tun: In der Folge bleibt auch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hoch. Foto: dpa/Fassbender

Das Bauhandwerkr hat weiter gut zu tun: In der Folge bleibt auch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hoch. Foto: dpa/Fassbender

Der aktuelle Arbeitsmarktbericht für den Monat Mai im Bezirk der Agentur für Arbeit Vechta zeichnet mit seinen Zahlen für den hiesigen Ausbildungsmarkt ein deutliches Bild. Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober meldeten sich laut Mitteilung der Agentur 1871 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, das waren 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich sank auch die Zahl der gemeldeten Lehrstellen auf 2909, das ist ein Minus von 9,5 Prozent. Ende Mai hatten 847 Bewerber noch keine Stelle gefunden, 1533 Ausbildungsstellen waren noch unbesetzt.

Der Negativtrend bestätigt sich überregional: Im Mai waren der Bundesagentur 463.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 46.000 weniger als vor einem Jahr. Eine Bewertung der Zahlen wollten die Arbeitsmarktspezialisten nicht vornehmen. Für eine fundierte Bewertung sei es noch zu früh, heißt es bei der Bundesagentur. Insgesamt sei der Ausbildungsmarkt im Mai immer sehr in Bewegung.

Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta kann einen durch die Corona-Pandemie verursachten allgemeinen Rückgang bei der Lehrstellenzahl in seinem Bereich bislang nicht sehen. "Für den Ausbildungsbeginn am 1. August liegen uns derzeit 150 abgeschlossene Verträge vor. Das ist eine Zahl, die sich im üblichen Rahmen und auf Vorjahresniveau bewegt." Insbesondere die kleineren Firmen seien immer spät dran, was die Vertragsformalien angehe. "Es dürfte etliche Betriebe geben, die längst Lehrlinge haben, die Verträge aber noch nicht zur Handwerkskammer geschickt haben."

Noch keine außergewöhnliche Situation, kommentiert Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta, die Zahl der im Handwerk abgeschlossenen Ausbildungsverträge.  Foto: Kollmer Noch keine außergewöhnliche Situation, kommentiert Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta, die Zahl der im Handwerk abgeschlossenen Ausbildungsverträge.  Foto: Kollmer 

"Die Ausbildungsbereitschaft ist nach wie vor da", erklärt Nacke. Nur "ganz vereinzelt" seien Handwerksfirmen aus dem Kreis Vechta so stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, dass sie jetzt von Ausbildung absehen. Auch die Auftragslage normalisiere sich, sei also kein Grund, nicht auszubilden, sagt Nacke. Insbesondere am Bau, der ohnehin durch ein hohes gewerbliches Auftragsaufkommen gut durch die Krise komme, merke man jetzt, dass auch Privatkunden wieder verstärkt Aufträge erteilen.

Nackes Fazit: "Derjenige, der in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz sucht, dürfte einen finden." Das gelte besonders, da in diesem Jahr der Abiturjahrgang in Niedersachsen fehle.

Dieselbe Tendenz sieht der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, Michael Hoffschröer. "Stand Ende April waren bei uns im Vergleich zum Vorjahr rund zehn Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse eingetragen." Diese Schwankung, so nimmt er an, sei aber nicht allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. "Die Zahlen schlagen öfter einmal aus, korrespondieren auch mit dem frühen oder späten Beginn der Sommerferien."

"Was die regionale Lage auf dem Lehrstellenmarkt angeht, glaube ich, dass sich viele Firmen noch kurzfristig entschließen, ihre Ausbildungsplätze zu bewerben und sie zu besetzen."Dr. Michael Hoffschröer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg

Hoffschröer erkennt derzeit eine "Verschiebung" als Grund für die rückläufige Zahl abgeschlossener Ausbildungsverträge. Er zeigt sich vorsichtig optimistisch, "dass wir als Region wirtschaftlich einigermaßen glimpflich davonkommen." Dass Ausbildung angesichts des Fachkräftemangels "wichtig ist, dürfte unseren Betrieben klar sein. Was die regionale Lage auf dem Lehrstellenmarkt angeht, glaube ich, dass sich viele Firmen noch kurzfristig entschließen, ihre Ausbildungsplätze zu bewerben und sie zu besetzen."

Minus bei Lehrverträgen im IHK-Bezirk ist erheblich

Während das Handwerk im Oldenburger Münsterland die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt nicht dramatisch sieht, zeigt sich die Situation in den Mitgliedsunternehmen der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) sehr angespannt. Laut Mitteilung wurden in ihrem Geschäftsbereich bis Ende Mai 1844 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 20,7 Prozent (482 Verträge) weniger als im Vorjahreszeitraum. Die IHK führt das auf den "Corona-Effekt" zurück, erklärt Stefan Bünting, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung. Er glaubt aber auch, dass der Ausbildungsmarkt "noch in Bewegung ist".

In absoluten Zahlen wurden am Stichtag 31. Mai von den im Kreis Vechta ansässigen, der IHK angehörenden Unternehmen 361 Lehrverträge geschlossen (2019: 451), das sind rund 20 Prozent weniger. Im Kreis Cloppenburg waren es 281 Verträge (2019: 367) und damit sogar 23,4 Prozent weniger.

Besonders starke Rückgänge im Kammerbezirk gab es im gewerblichen Bereich bei den Metall-Berufen, hier gab es fast 19 Prozent weniger Verträge (2019: 410; 2020: 334). Unter den kaufmännischen Berufen ist der Handel sehr betroffen, hier wurden bis Ende Mai 26 Prozent weniger Lehrverträge abgeschlossen (409; 304).


Kommentar von Roland Kühn (Reporter):

Während die IHK dramatisch niedrige Zahlen bei den Ausbildungsabschlüssen verkündet, scheint die Lage im örtlichen Handwerk eine völlig andere zu sein. Betrachtet man alle Wirtschaftsbereiche, wirkt der „Corona-Effekt“ höchst unterschiedlich auf die Ausbildungsbereitschaft. Es ist verständlich, dass dort, wo die Geschäftsaussichten trübe sind, nicht ausgebildet wird. Das ist auch fair gegenüber potenziellen Bewerbern. An die Betriebe, die Ausbildung wirtschaftlich stemmen können, geht der Appell das auch zu tun – damit aus der Corona-Krise keine Fachkräftekrise wird.

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