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Betreiber widerspricht: Geflügelmist wird nicht verarbeitet

Walter Hußmann hatte behauptet, dass in der Pilot­anlage Geflügelmist verarbeitet wird. Tatsächlich werde dort Klärschlamm verwertet, stellt der Geschäftsführer klar.

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Betriebsleiter der Pilotanlage der Bioreformer GmbH: Hans-Jürgen Tiemann betont, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Das Unternehmen hat eine Spezialfirma ins Boot geholt, um die Ablust zu kontrollieren. Foto: Fertig

Betriebsleiter der Pilotanlage der Bioreformer GmbH: Hans-Jürgen Tiemann betont, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Das Unternehmen hat eine Spezialfirma ins Boot geholt, um die Ablust zu kontrollieren. Foto: Fertig

Zu Unrecht angeprangert sieht Andreas Tiemann, Geschäftsführer der Bioreformer GmbH, seine Firma. Das Unternehmen mit Sitz im emsländischen Lähden betreibt seit dem Herbst eine Pilotanlage am C-Port in Sedelsberg. Damit werden aus organischen Substanzen Aktivkohle und Phosphatdünger gewonnen.

Walter Hußmann hatte von einer Anlage im Testbetrieb in dem Industriepark gesprochen, in der Geflügelmist verarbeitet werde. „Die Umweltbelastung durch Geruch ist derart hoch, dass Mitarbeitern von benachbarten Firmen ,kotz­übel‘ wird“, hatte Hußmann erklärt, „und sie wegen Kopfschmerzen nicht mehr arbeiten können.“  Zwar nennt Hußmann, der zu den Aktivisten gegen die Ansiedlung der Gülle- und Festmistverwerter Revis bioenergy und Kaskum am C-Port gehört, den Namen der Firma nicht. Allerdings, sagt Tiemann, sei sein Unternehmen das einzige, das in dem Industriepark eine Anlage im Testbetrieb laufen habe, und dadurch eindeutig identifizierbar.

In mobiler Halle wird Klärschlamm verwertet

In seiner mobilen Halle werde kein Geflügelmist verarbeitet, betont der Geschäftsführer. Tatsächlich verwerte die Bioreformer GmbH dort Klärschlamm, also menschliche Fäkalien aus Kläranlagen sowie Abwasser aus Industriebetrieben, Waldrestholz, Straßenbegleitgrün und Einstreu. Daraus erzeuge die Anlage Phosphatdünger und Aktivkohle, erläutert Tiemann. Durch die Klärschlammverordnung gebe es gesetzliche Vorgaben, dass Phosphat aus Klärschlamm zurückgewonnen werden müsse.

„Dass das riecht und riechen darf, ist normal. Aber wir halten die Grenzwerte ein.“Hans-Jürgen Tiemann, Betriebsleiter

Bisher werde Klärschlamm weitgehend verbrannt. In seiner Testanlage, so Tiemann, würde er hingegen aufbereitet und dadurch Stoffe gewonnen, die anschließend dem Kreislauf, etwa als Zuschlag in der Industrie, wieder zugeführt würden. Als Basis würden jedoch weder Gülle, noch Gärreste genutzt und auch kein Geflügelmist. „Der Ausgangsstoff enthält überhaupt nichts Tierisches“, sagt der Geschäftsführer der Bioreformer GmbH, sondern „Wertstoff, der sonst in die Biotonne geht“. Alles, was verarbeitet werde, komme aus einem Umkreis von 50 Kilometern.

Das Projekt, das ab Januar im Zwei-Schicht-Betrieb laufen soll, basiere auf einem langfristigen Konzept, so der Verfahrenstechniker, in das sein Unternehmen mehr als drei Millionen Euro hineingesteckt habe. Die Testanlage in einer mobilen Halle steht hinter dem Verwaltungsgebäude des C-Port-Zweckverbands, Am Küstenkanal 2. Im nächsten Jahr plane man den Erwerb eines Grundstücks im südwestlichen Teil des Indus­trieparks. Dort solle ein Festbau entstehen.

Betriebsleiter ist Tiemanns Bruder Hans-Jürgen. In der Pilotanlage sind derzeit drei Mitarbeiter beschäftigt. In der Halle werden Klärschlamm und andere organische Materialien getrocknet, täglich zwei Tonnen pro Stunde. Die Obergrenze liege bei 50 Tonnen täglich, die in einem Drei-Schicht-Betrieb erreicht würden. Mehr gebe die Genehmigung nicht her, sagt Hans-Jürgen Tiemann.

In der Halle riecht es. „Wir sind an einem Industriestandort“, sagt Tiemann. „Dass das hier riecht und riechen darf, ist normal. Aber wir halten die Grenz­werte ein. Und Klärschlamm muss schließlich irgendwo aufbereitet werden.“ Auch dem gelernten Landwirtschaftsmeister sind die Beschwerden über Geruchsbelästigung von Mitarbeitern benachbarter Firmen bekannt.

C-Port liegen Beschwerden wegen des Geruchs vor

Arno Djuren, Geschäftsführer des C-Port-Zweckverbands, bestätigt ebenfalls, dass sich Leute über Gestank beklagt hätten. „Uns liegen Beschwerden vor“, sagt Djuren auf Nachfrage, „denen nachgegangen wird.“  Wie Uwe Rottmann, Leiter des Gewerbeaufsichtamts Oldenburg, mitteilt, seien Mitarbeiter seiner Behörde mehrfach vor Ort gewesen. „Dabei konnten zum Teil Geruchsemissionen im Umfeld der Anlage wahrgenommen werden, jedoch nicht bei allen Besuchen“, berichtet Rottmann. Wegen Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation sei das Gewerbeaufsichtsamt mit dem Betreiber der Anlage im Gespräch. „Hier erwarten wir vom Betreiber, dass gegebenenfalls noch vorhandene Anfangsprobleme kurzfristig gelöst werden“, so der Behördenleiter. „In der nächsten Zeit werden wir die Geruchssituation im Umfeld der Anlage weiter beobachten, um damit eine breitere Grundlage für die Beurteilung des Umfangs der Geruchsbelästigungen zu erhalten.“

Das weitere Vorgehen seiner Behörde werde an diesen Erkenntnissen ausgerichtet. Als wenige Wochen nach dem Start der Pilotanlage Beschwerden über Gestank laut geworden waren, hatte Andreas Tiemann in Aussicht gestellt, eine Spezialfirma aus Belgien zu beauftragen, die Abluft zu kontrollieren, um zu prüfen, was man verbessern könnte.

Dieser Auftrag sei inzwischen erteilt, sagt Betriebsleiter Hans-Jürgen Tiemann. Damit gehe man über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Filter und Abluftwäsche seien, wie es das Gesetz vorsehe, ohnehin in Betrieb. Die beauftragten Experten sollen nun herausfinden, was noch im Wasserdampf steckt, der aus der Anlage ausgestoßen wird, und was man verändern könnte, um die Situation zu optimieren, etwa, indem man den Schornstein verlängert. „Bis zum Jahresende kommt die Firma und führt Messungen durch“, so Tiemann.

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