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Bei Wiesenhof in Lohne werden täglich 250.000 Tiere geschlachtet

Werden die Oldenburger Geflügelspezialitäten am Wochenende komplett geschlossen? Die Stilllegung der Hähnchenschlachterei hätte fatale Folgen für Mastbetriebe.

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Eine Schließung des Wiesenhof-Schlachthofes in Lohne hätte Folgen - besonders für die Hähnchenmäster, die dort anliefern. Foto: dpa 

Eine Schließung des Wiesenhof-Schlachthofes in Lohne hätte Folgen - besonders für die Hähnchenmäster, die dort anliefern. Foto: dpa 

Am Samstag will der Landkreis Vechta die Ergebnisse eines zweiten Coronavirus-Reihentest bekannt geben, der in dem zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehörenden Hähnchenschlachthof Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS) durchgeführt wurde. Sollten zu den 82 bereits bekannten Infizierten im Kreis, darunter die Mehrzahl Mitarbeiter der OGS, weitere hinzukommen, sodass im Kreis der Inzidenzwert von 50 überschritten wird, muss die Kreisverwaltung Einschränkungen des öffentlichen Lebens prüfen. Aktuell liegt der Sieben-Tages-Wert für Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bei 41,26. Wird der Schlachthof als Infektionsherd ausgemacht, dürfte dieser geschlossen werden.

Landrat Herbert Winkel (CDU) hatte erklärt, dass sich der Landkreis in verschiedenen Szenarien bereits auf Einschränkungen des öffentlichen Lebens einstellt. Einen "Lockdown" im Kreis schließt er bislang aus.

Die OGS wollen die Ergebnisse der neuen Reihentestung abwarten

Auf Nachfrage hält sich Karsten Turek, Geschäftsführer der OGS, mit einer Antwort zu den Vorbereitungen des Schlachthofes auf eine mögliche Schließung zurück: "Wir warten die Ergebnisse der aktuellen Reihentestung ab." Die derzeitige Schlachtkapazität der OGS gibt er mit 250. 000 Tieren pro Tag an. Inzwischen sind laut Turek Verschärfungen des hauseigenen Hygieneplans umgesetzt. Die OGS seien erneut komplett desinfiziert worden, und es gebe mehr Aufsichtspersonal in den Pausenräumen.

Geflügelwirtschaft bietet einen Tarifvertrag an

Dieter Oltmann vom Landesverband Niedersächsische Geflügelwirtschaft betont, dass die Branche alle "Vorsorgemaßnahmen trifft, um eine Virusausbreitung zu vermeiden". Er schlägt "feste Regeln für die Entscheidung über Schlachthofschließungen vor". Durch geeignete "Auflagen für den Betrieb und die Arbeitnehmer" soll der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter und der Bevölkerung sichergestellt werden. Die Geflügelbranche biete einen Flächentarifvertrag an, den man mit der zuständigen Gewerkschaft NGG zeitnah verhandeln will.

Letzteres schlägt auch Karl-Heinz Bley, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion vor. Ähnlich wie im Zeitarbeitsgewerbe müssten die Werkvertragsmitarbeiter über Tarife in die Grundstrukturen des Betriebes eingebunden sein, in dem sie arbeiten. Den Missbrauch von Werkverträgen kritisiert er scharf. Eine generelle Regelung für alle Branchen müsse her, außerdem intensive Kontrollen der "Mitarbeitersituation durch Zoll bis Ordnungsamt". Der Garreler lobt Wiesenhof als "wichtige Wirtschaftssäule der Region". Die Virusgefahren seien sehr ernst zu nehmen, eine Komplettschließung der Schlachterei hält Bley derzeit aber nicht für richtig. Seien Infektionsherde im Betrieb ermittelt, könne man auch über Teilschließung nachdenken. Ein Komplettausfall des Betriebes wäre fatal für die Hähnchenmäster, die schlachtreife Tiere ausstallen müssten.

Ein Lockdown würde erneut die Wirtschaft treffen

Deniz Kurku, Landtagsabgeordneter der SPD, zuständig für den Kreis Vechta, geht davon aus, "dass der Landkreis Vechta im Zweifel die Reißleine zieht und doch den Betrieb schließt, falls ein weiteres Infektionsgeschehen nicht eingedämmt werden kann". Das meint auch Vechtas SPD-Kreisvorsitzender Sam Schaffhausen und mahnt, dass "nun die Gesundheit der Bevölkerung höchste Priorität haben muss". Die Corona-Infektionszahlen bei den OGS seien "natürlich dramatisch". Bis der Infektionsherd ausgemacht sei, sollte ein Betrieb geschlossen werden. Es ginge dabei nicht nur um den Schutz von Personen, sondern auch um den der Wirtschaft, "die ein weiterer Lockdown sicherlich hart treffen würde". Werkverträge müssten "schnellstmöglich der Vergangenheit angehören".

"Mich haben die durchaus hohen Infektionszahlen überrascht und alarmiert."Uwe Bartels, Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland

Uwe Bartels, Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), meinte: "Mich haben die durchaus hohen Infektionszahlen überrascht und alarmiert, auch angesichts des anerkannt umfassenden und vorbildlichen Hygienekonzeptes des Betriebes." Die bislang getroffenen Entscheidungen des Landkreises würden auch "uneingeschränkt vom Leiter des Krisenstabes auf Landesebene, dem Staatssekretär Heiger Scholz geteilt".

Bartels will nicht aus der Beobachterposition heraus "Ratschläge für zu treffende Maßnahmen nach einem Überschreiten der Infektionszahlen" geben. Der Schutz der Gesundheit der Menschen habe höchste Priorität. Daran würden sich auch die Verantwortlichen orientieren. Angesichts der von der Gesellschaft geforderten Änderungen bei den Werkverträgen hätten alle Mitgliedsunternehmen des AEF, "so weit mir bekannt ist", erklärt, dass sie bis Anfang 2021 die Werkvertragsarbeitskräfte als Stammbelegschaft führen werden. "Das ist gut so."

Am Donnerstagvormittag demonstrierte die Tierrechtsorganisation Peta vor den OGS. An der Aktion nahmen auch Aktive der Lohner Bürgerinitiative "Pro Wald" sowie der "Studentischen Tierrechtsinitiative Vechta" teil.

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