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Bei den Hotels geht es langsam bergauf

Dinklager Hotels in Corona-Zeiten: Wie ist die Situation im Burghotel, im Hotel Wiesengrund und im Rheinischen Hof? Wir haben nachgefragt.

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Hereinspaziert: Stefan Steger (Direktor) und Tina Pohl (Leiterin Gastronomie und Veranstaltungen) vom Burghotel Dinklage erwarten die Gäste auch in der Kaminstube. Foto: Böckmann

Hereinspaziert: Stefan Steger (Direktor) und Tina Pohl (Leiterin Gastronomie und Veranstaltungen) vom Burghotel Dinklage erwarten die Gäste auch in der Kaminstube. Foto: Böckmann

Der Betrieb in den Hotels stand fast still. Die Restaurants blieben geschlossen. Tagungszimmer wurden nur noch an Business-Kunden vergeben. In der Hochphase der Corona-Pandemie im März und April spürte auch in Dinklage die Tourismusbranche die Auswirkungen der Krise massiv. Wie hat sich das Geschäft im Burghotel, im Hotel Wiesengrund und im Rheinischen Hof in den vergangenen Monaten inklusive zunehmender Lockerungen entwickelt? OM online hat bei den drei Gästehäusern nachgefragt. Der Grundtenor: Es geht langsam, aber sicher bergauf.

Vila Vita Burghotel:

Von Mitte März bis zum Anfang Mai war das Vila Vita Burghotel acht Wochen lang geschlossen - und nahm keinen einzigen Euro ein. 80 Prozent der Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Die Zeit des Shutdowns nutzte das Vier-Sterne-Hotel, das die Deutsche Vermögensberatung als Muttergesellschaft hat, für Renovierungsarbeiten.

Seit dem Re-Start am 11. Mai ist Direktor Stefan Steger mit der Entwicklung "sehr zufrieden", das Geschäft entwickle sich schneller als gedacht wieder in die richtige Richtung. Erfreulich seien vor allem die Übernachtungszahlen, die sich seit der dritten Juni-Woche wieder auf dem Niveau von Vor-Corona-Zeiten bewegen. "Die Leute wollen raus, sie wollen 'was erleben'", hat er bemerkt.

Ein entscheidendes Kriterium für die steigende Nachfrage waren die Lockerungen zum 22. Juni, die es dem Hotel ermöglichten, Schwimmbad und Sauna unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wieder zu öffnen. Denn, daraus macht Steger keinen Hehl: "Wir sind eben hauptsächlich ein Wellnes-Hotel." Mit entsprechenden Zeittickets können Gäste nun bis zu viermal am Tag den Wellnessbereich nutzen. Die Aufenthaltszeit sei zwar kürzer, der Entspannungsfaktor dort wegen der kleineren Zahl an zulässigen Gästen dafür höher, findet Steger.

Während im Burghotel die Zahl Gäste in Hotel und Gastronomie peu à peu steigen, wird sich im Bereich der Tagungen die Branche durch Corona nicht nur kurz- bis mittelfristig, sondern nachhaltig verändern, vermutet Steger. Die Zahl der Business-Kunden werde abnehmen, weil Firmen zunehmend auf Videokonferenzen setzen. "Es wird weniger Anlässe geben, sich 'face to face' zu treffen", glaubt der Burghotel-Direktor. Steger hofft, dass sich die Zahl der Meetings auf 70 bis 80 Prozent auf Vor-Corona-Niveau einpendele. Eine Prognose sei aber schwierig.

Seit der Wiederöffnung im Mai sind übrigens wieder alle Mitarbeiter im Einsatz. Zwar noch nicht unbedingt immer unter der Woche, aber vor allem an den gut gebuchten Wochenenden. Mit rund 70 Festangestellten und Teilzeitkräften ist das Burghotel in Dinklage durchaus ein größerer Arbeitgeber. Weiterhin und wohl bis mindestens in den August hinein geschlossen ist aufgrund der Verordnungen übrigens der 27 Hektar große hoteleigene Wildpark. Direktor Steger hofft hier aber auf eine Lösung.

Hotel Wiesengrund:

"Die Corona-Krise sehen wir als Herausforderung, die es mit kreativen Ideen zu meistern gilt", sagt Wiesengrund-Inhaber Hartmut Biemer. Zwei Beispiele: Das Hotel bietet seit der Pandemie ein Home-Office-Konzept an, das es ermöglicht, Zimmer als voll digital vernetztes Büro zu nutzen. Und: Meetings sind in den Tagungsräumen mittlerweile wieder als sogenannte "Corona-konforme"-Tagungen möglich, weil das Gästehaus dort die entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln umsetzt. 

Im Restaurant sei auch mittlerweile wieder eine relative Normalität eingekehrt, weil das Hotel Raumtrenner einsetzt, sagt Biemer. Beliebt seien die neu entwickelten "Private-Dining-Räume", dessen Bereiche nur von einzelnen Familien oder Freunden gebucht werden können. Durch schnelle, konsequente Maßnahmen wie diese habe das Hotel Vertrauen gewinnen und Ängste nehmen können, sagt der Inhaber. 

Ein Blick in den Tagungsraum des Hotels Wiesengrund: Hier sind sogenannte Corona konforme Konferenzen möglich. Foto: BiemerEin Blick in den Tagungsraum des Hotels Wiesengrund: Hier sind sogenannte "Corona konforme" Konferenzen möglich. Foto: Biemer

Und wie läuft der Hotelbetrieb im Wiesengrund, das kürzlich von der Redaktion "Top 250 Tagungshotels" in eben jene Liste gewählt wurde? "Wir waren in der positiven Situation, dass wir zu keinem Zeitpunkt schließen mussten, da Businessreisen jeder Zeit gestattet waren", sagt Biemer. Durch die zunehmenden Lockerungen sei das Hotel mittlerweile zu einer guten Auslastung zurückgekehrt. 

Stellen streichen musste man im Wiesengrund durch das Instrument der Kurzarbeit nicht. Einige Investitionen wurden außerdem vorgezogen, zukünftige sollen nach Plan ausgeführt werden. Vor dem Blick in die Zukunft ist den Inhabern Hartmut Biemer und Melanie Abeln deshalb grundsätzlich nicht bange: Mit dem Gesamtkonzept des Hauses sei man für die Zeit mit und nach Corona gut aufgestellt. Klar sei aber: "Bis wir zur Normalität und dem Erfolg der vergangenen Jahre anknüpfen können, wird es noch dauern."

Rheinischer Hof:

Auf zehn Prozent des normalen Betriebs war das Geschäft im Rheinischen Hof Mitte April runtergefahren - so beschrieb Inhaber Bernd Susen damals die Situation des in dritter Generation geführten Familienunternehmens. Mittlerweile blickt man dort grundsätzlich wieder positiver nach vorne. Die Zimmer-Auslastung des Drei-Sterne-Hotels sei wieder ordentlich, das Restaurant sei vor allem am Wochenende gut besucht, sagt Anja Bolte als Assistenz der Geschäftsführung.

Ungewiss sei die Entwicklung zwei anderer Geschäftsfelder. Zum einen: Wie sieht es mit Tagungsgästen aus? Gibt es vermehrt Videokonferenzen? Bolte vermutet, dass die kleineren Meetings eher weniger werden, größere Konferenzen aber auch in der Zukunft - also in der Zeit nach Corona - nachgefragt werden. "Firmen werden sich auch in Zukunft im persönlichen Gespräch austauschen wollen." Ein Trend lasse sich aber noch nicht erkennen. 

Punkt zwei, der dem Rheinischen Hof zu schaffen macht, ist der Saalbetrieb. In der Location, wo bis zu 300 Personen Platz für Hochzeiten, Geburtstage, Betriebsfeiern oder Kulturveranstaltungen haben, fand seit dem Corona-Lockdown genau eine Veranstaltung statt - eine Beerdigung. Denn nach den aktuellen Verordnungen sind die Regeln klar definiert: Es dürfen maximal 50 Personen an Zehner-Tischen sitzen, tanzen ist verboten. "So will ja niemand feiern", beschreibt Anja Bolte das Dilemma.

Was ihr sonst noch seit der Corona-Pandemie aufgefallen ist? Die Arbeit im Hotel sei mit mehr vorausschauender Planung und Organisation als in der Zeit vor Corona verbunden. Positiv sei hingegen das, was auch Stefan Steger vom Burghotel lobt: Alle Gäste halten sich an die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln: "Das ist schon eine gewisse Normalität." Eine Normalität in den ansonsten unsicheren Zeiten.

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