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Behörden: Produktionsstopp bei Tönnies vorerst bis 17. Juli

Obwohl die Fabrik bis 17. Juli geschlossen bleibt, kann Tönnies auf Antrag einzelne Schließungen bereits vorher aufheben lassen. Unterdessen fordern Aktivisten die dauerhafte Schließung (Update).

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Geht es vor dem 17. Juli wieder los? Tönnies hat ein Hygienekonzept für die Wiederaufnahme des Betriebs vorgelegt. Darüber wird am Montag beraten. Foto: dpa/Seidel

Geht es vor dem 17. Juli wieder los? Tönnies hat ein Hygienekonzept für die Wiederaufnahme des Betriebs vorgelegt. Darüber wird am Montag beraten. Foto: dpa/Seidel

Die Fleischfabrik der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) bleibt vorerst bis zum 17. Juli geschlossen. Das teilte die Stadt am Freitag mit, nachdem sich am Donnerstag mehrere Behörden und Vertreter des Landes sowie des Kreises getroffen hatten. Dieses Datum entspricht der für die Arbeiter vom Land angeordneten Quarantäne-Verfügung. In der Nacht war die bisherige gültige Schließungsverfügung ausgelaufen.

Zuvor hatte laut Mitteilung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e. V. (ISN) mit Sitz in Damme der Verein bereits seit Mitte der Woche "die verschiedenen Behörden und das Unternehmen Tönnies aufgefordert, endlich Klarheit darüber zu schaffen, wie und wann es mit der Schlachtung und Zerlegung am Standort in Rheda-Wiedenbrück weiter geht".

Denn: Laut Mitteilung kann Tönnies auf Antrag einzelne Betriebsschließungen oder Betretungsverbote am Standort Rheda-Wiedenbrück auch vor Ablauf der neuen Frist aufheben lassen. Voraussetzung ist ein Konzept zum Gesundheits- und Arbeitsschutz, dass den Vorgaben der Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen entspricht.

ISN fordert schnelles Anlaufen des Schlachtbetriebs - unter Einhaltung entsprechender Schutzmaßnahmen

Am Montag soll über ein von Tönnies vorgelegtes Hygienekonzept für die Wiederaufnahme des Betriebs bei einem Abstimmungstermin beraten werden. Laut Stadt sind dabei Vertreter des Unternehmens und alle Fachbehörden eingebunden.

"Endlich scheint Bewegung in die Gespräche zur Wiederaufnahme des Schlacht- und Zerlegebetriebs bei Tönnies zu kommen. Endlich wird nach mehr als zwei Wochen hierüber kommuniziert. Jetzt heißt es: Konstruktiv zusammenarbeiten, Hürden abräumen und den Schlachtbetrieb so schnell es geht unter Beachtung der entsprechenden Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter wieder anlaufen zu lassen", heißt es von Seiten der ISN.

"Agrar-Ökologie statt Agrar-Kapitalismus - das könnte doch ein Weg sein für die Zukunft"Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident

Unterdessen haben Aktivisten am Tönnies-Hauptstandort in Nordrhein-Westfalen am Samstag gegen Massentierhaltung protestiert. Vier Teilnehmer besetzten zeitweise das Dach des Betriebs und brachten dort ein Transparent mit der Aufschrift "Shut Down Tierindustrie" an.

Ähnliche Forderungen kamen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der sich in einer Videobotschaft für kleinere Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland stark machte. "Agrar-Ökologie statt Agrar-Kapitalismus - das könnte doch ein Weg sein für die Zukunft", sagte der 53-Jährige.

Bei den Protesten bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück blockierten Demonstranten die Hauptzufahrt der Fleischfabrik und verlangten auf Transparenten "Schlachthäuser schließen!" und "Schluss mit der Ausbeutung von Mensch, Tier, Natur". Zu dem Protest aufgerufen hatte das Bündnis "Gemeinsam gegen die Tierindustrie".

Bündnis fordert dauerhafte Schließung

In einer Erklärung forderte das Bündnis, der aktuell wegen zahlreicher Coronavirus-Infektionen unter den Mitarbeitern stillgelegte Schlachthof müsse dauerhaft geschlossen bleiben. Vor der Fabrik demonstrierten nach Augenzeugenberichten knapp 100 Personen friedlich gegen die Tierindustrie.

Bayerns Ministerpräsident forderte derweil mehr Geld für die Landwirtschaft, "aber für eine Wende hin zu mehr Agrar-Ökologie", sagte Söder. Die Landwirte müssten mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Ställe und das Tierwohl zu organisieren und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben. Viele Bürger seien auch bereit, dann mehr Geld auszugeben. "Es soll so sein, dass Fleisch nicht unendlich teuer wird, es soll für jeden erschwinglich sein."

Aktivisten haben die Einfahrt der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück besetzt. Foto: dpaKirchnerAktivisten haben die Einfahrt der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück besetzt. Foto: dpa/Kirchner

Hintergrund: Der Fleischverarbeiter Tönnies hatte in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht, weil dort mehr als 1500 Mitarbeiter mit dem Virus Sars-Cov-2 infiziert worden waren. Die Bevölkerung in den Kreisen Gütersloh und Warendorf hatte deshalb erneut weitgehende Einschränkungen des Alltags hinnehmen müssen. Die Einschränkungen im Kreis Gütersloh gelten noch bis zum 7. Juli.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz dort am Samstag bei 66,5. Die Kennziffer beschreibt, wie viele Neuinfektionen es pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gab. Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert bei 270,2. Als Grenzwert für das Ende eines regionalen Lockdowns gilt der Wert 50. Im Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, war die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage zuletzt bereits unter diesen Grenzwert gefallen.

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