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Bauern wollen Mehrkosten bezahlt bekommen

Die Pläne für ein Tierwohlkennzeichen liegen auf dem Tisch. Über die Finanzierung wird gestritten. Viel Zeit habe die Politik nicht, sagt Hubertus Berges. Die Betriebe warteten auf Antworten.

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Mehr Tierwohl geplant: Die Schweinehaltung in Deutschland soll gekennzeichnet werden. Foto: dpa/Roessler

Mehr Tierwohl geplant: Die Schweinehaltung in Deutschland soll gekennzeichnet werden. Foto: dpa/Roessler

Wer übernimmt die Mehrkosten für mehr Tierwohl? Das möchten die Landwirte von der Bundesregierung wissen. "Die Schweinehalter benötigen dringend Planungssicherheit", sagt Cloppenburgs Kreislandvolkvorsitzender Hubertus Berges. Ansonsten würden immer mehr von ihnen die Haltung aufgeben.

Mitte der Woche hatte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sein Konzept für ein staatliches Label zur Tierwohlkennzeichnung auf Lebensmitteln präsentiert. Daran sollen Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem ablesen können, wie viel Platz Schweinen während der Mast zur Verfügung stand. Eingeführt werden sollen fünf verschiedene Haltungsstufen: Stall, Stall und Platz, Frischluftstall, Auslauf/Freiland sowie Bio als Extra-Kategorie. Er wolle, dass auch morgen noch gutes Fleisch aus Deutschland auf die Tische komme, hatte Özdemir bei der Vorstellung der Eckpunkte gesagt. Die Verbraucher würden wissen wollen, wie die Tiere gelebt hätten, deren Fleisch sie an der Ladentheke oder im Supermarkt kaufen. Mit der verpflichtenden staatlichen Tierhaltungskennzeichnung schaffe man die seit Jahren überfällige Transparenz.

Alles schön und gut, findet Hubertus Berges. "Es ist aber nicht nachvollziehbar, warum eine Kennzeichnung ausschließlich für Frischfleisch gelten soll und nicht zugleich für Fleisch, das abgepackt oder in der Gastronomie verbraucht wird." Offen sei nach wie vor auch, wie die Landwirte bei den Investitionen für den notwendigen Stallumbau unterstützt werden sollen. "Darüber muss es Klarheit und vor allem eine gesicherte Finanzierung geben", fordert Berges. Mehr Tierwohl ohne jeglichen Ausgleich gehe jedenfalls gar nicht.

"Wer ein Haus baut, sollte das Fundament nicht weglassen."Hubertus Berges, Kreislandvolkvorsitzender Cloppenburg

Mit seinem Gesetzesvorschlag nimmt Özdemir einen neuen Anlauf, um Fleischprodukte in Deutschland mit einer verbindlichen, staatlichen Tierhaltungskennzeichnung auszustatten. Ähnliche Pläne seiner Vorgängerin Julia Klöckner (CDU) waren zuvor gescheitert. Nach der Regierungsübernahme hatten sich die Ampelparteien auf die Einführung verständigt. Bei der Frage, wie die Landwirte bei der Umsetzung unterstützt werden können, herrscht unter den Koalitionspartnern aber Uneinigkeit. Als Anschubfinanzierung ist im Bundeshaushalt bis 2026 eine Summe von einer Milliarde Euro vorgesehen. Im Gespräch sind auch eine höhere Mehrwertsteuer oder eine „Tierwohlabgabe“ auf tierische Produkte. Als denkbar gilt ein Aufschlag von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch. Die FDP lehnt dies aber mit Verweis auf die Inflation ab.

Berges rief die Politik zum Handeln auf. "Der Druck, zu vernünftigen Lösungen für die Landwirtschaft zu kommen, muss erhöht werden." Es sei klar, dass man mit der anvisierten Milliarde nicht auskommen werde. Dem Label fehle deshalb noch das Fundament. "Wer ein Haus bauen will, darf es aber nicht weglassen", betont der Kreislandwirt.

Die Unsicherheit in der Branche wirkt sich nach Einschätzung des Verbandes vor allem bei den Sauenhaltern aus. Gerade einmal 70 Prozent der in Deutschland benötigten Ferkel würden bisher im Inland produziert, erklärt Martin Roberg. Tendenz sinkend. "Der Trend verstärkt sich deutlich, so dass demnächst noch mehr Ferkel importiert werden müssen", so der 2. Vorsitzende. Allein 2021 seien die Besamungszahlen um 12 Prozent zurückgegangen. "Die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert sich zunehmend. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werden wir immer mehr Betriebe verlieren", ist Roberg überzeugt.

Grundsätzlich kann der Sauenhalter dem geplanten Label einiges abgewinnen. Importe bedeuteten vor allem lange Transportwege und damit weniger Tierwohl, weiß Roberg. Die Kennzeichnungspflicht könne dem entgegenwirken.

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