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Bauern werfen dem Handel Wortbruch vor

Der Ärger über die deutliche Senkung des Butterpreises entgegen anderer Zusagen ist ausgeprägt. Offenbar stehen neue Proteste der Landwirte bevor.

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Deutlich günstiger: Der Buttereinkaufspreis ist um 56 Cent pro Kilo gefallen - zu Lasten der Milchbauern. Foto:dpa/Ebener

Deutlich günstiger: Der Buttereinkaufspreis ist um 56 Cent pro Kilo gefallen - zu Lasten der Milchbauern. Foto:dpa/Ebener

Unter Landwirten herrscht angesichts der deutlichen Senkung des Butterpreises im Lebensmitteleinzelhandel erneut massive Verärgerung - und Proteststimmung. Sie werfen dem Handel Unehrlichkeit vor, da er zuvor nach Blockaden von Zentrallagern durch Bauern zum Jahresende angekündigt hatte, beim Butterpreis eine weniger deutliche Absenkung als die geplanten 56 Cent pro Kilo vorzunehmen.

Doch genau um diese Summe hat das Unternehmen Aldi nun den Einkaufspreis verringert. Das Magazin „Topagrar“ berichtete von einem einheitlichen Vorgehen des Handels beim Butter-Einkaufspreis für seine Eigenmarken.

"Eine Provokation" sei das, sagte Anthony Lee, Sprecher des Bauernbündnisses "Land schafft Verbindung" (LsV) gegenüber dem NDR. Üblich wären zu Jahresbeginn bis zu 20 Cent weniger, nun seien es gleich 56 Cent - obwohl auf dem Weltmarkt der Butterpreis sogar steige. Aldi habe sein Versprechen gebrochen. Der Konzern habe nur das Weihnachts- und Silvestergeschäft retten wollen, sagte Lee dem Sender.

Lee war einer der Wortführer der Proteste, die es vor wenigen Wochen auch im Oldenburger Land gab. Im Fokus war dabei auch Cloppenburg. Dort ging es vor allem um Fleischpreise.

"Die Landwirte fühlen sich vergackeiert."Marcus Kamphaus, Landwirt aus Dinklage

An den Protesten hatten sich auch Landwirte aus dem Landkreis Vechta beteiligt. Unter ihnen Julius Ellmann aus Lüsche und Marcus Kamphaus aus Dinklage, beide Mitglieder des LsV-Organisationsteams. Es herrsche wegen der Butterpreisabsenkung "starker Unmut" in den Gruppen in sozialen Medien, über die die Landwirte vernetzt sind, sagte Ellmann. Die Situation könne eskalieren.

Kamphaus sagte: "Die Landwirte fühlen sich vergackeiert." Bei der Stimmungslage seien neue Proteste nicht auszuschließen.

Protestaktion von Landwirten vor einem Aldi-Lager. Foto: dpaDittrichProtestaktion von Landwirten vor einem Aldi-Lager. Foto: dpa/Dittrich

Auch der Vechtaer Kreislandvolkvorsitzende Dr. Johannes Wilking kritisierte: "Die Entscheidung der Lebensmittelriesen zeigt einmal mehr, dass auf Ihre Worte kein Verlass ist." Während auf den Weltmärkten die Preise stiegen, würden sie hierzulande gedrückt. "Für die Milchviehhalterinnen und -halter ist das ein erneuter Nackenschlag, denn es zeigt, dass es hier allein um Marktmacht geht und nicht um einen fairen Umgang von Marktpartnern."

Grundsätzlich zeige sich hier "wieder einmal das altbekannte Dilemma der landwirtschaftlichen Urproduktion in Deutschland: Es gibt sehr hohe Erwartungen an Tierhaltung und Ackerbau, nur bezahlen möchte dafür am Ende kaum jemand." Die Lebensmittel würden im Gegenteil als Lockangebote genutzt.

"Wir hoffen, dass den politischen Worten nun auch Taten des Lebensmitteleinzelhandels folgen.“Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender Kreislandvolkverband Vechta

"So kann es nicht mehr weitergehen, dafür stehen zu viele Betriebe mit dem Rücken zur Wand, und es haben zu viele Landwirtinnen und Landwirte protestiert", sagte Wilking.  Er forderte "endlich verlässliche und faire Handelsbedingungen für die Lebensmittelerzeuger sowie wirksame Möglichkeiten, die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels einzuschränken".

Deshalb begrüße das Kreislandvolk auch den erneuten Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die mit der Umsetzung der Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken genau das erreichen wolle. "Wir hoffen, dass den politischen Worten nun auch Taten des Lebensmitteleinzelhandels folgen“, sagte Wilking

Berges fordert Markt- und Preistransparenz

Der Cloppenburger Kreislandvolkvorsitzende Hubertus Berges sagte, der Lebensmitteleinzelhandel habe mit der Butterpreissenkung „das Wort gebrochen“. Er forderte "mehr Markt- und Preistransparenz sowie eine gerechte Verteilung in der gesamten Wertschöpfungskette. Nicht nur für den Milchmarkt, sondern auch für den Schweinemarkt."

Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestgasfraktion, Friedrich Ostendorff, sagte laut Mitteilung:  "Die Butterpreissenkung von 56 Cent pro Kilogramm macht jede kleine Hoffnung des Vertrauens auf die Zusagen des Lebensmitteleinzelhandels kaputt."

Mit ihren Protesten hätten die Bäuerinnen und Bauern vor den Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels die Zusage erreicht, dass die Butterpreise nur sehr moderat gesenkt würden. "Mit leichter Zuversicht, ob dieses Erfolgs, fuhren die Protestierenden wieder auf die Höfe. Jetzt dieses Desaster."

Ministerin Otte-Kinast lädt zu Video-Konferenz

Wieder hätten Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel "auf dem Rücken von Bäuerinnen und Bauern die Preise unnötig stark runtergeknüppelt. Das ist schändlich", sagte Ostendorff.  Der Handel und die Molkereien seien "keine verlässlichen Verhandlungspartner". Er forderte Bundesagrarministerin Klöckner auf, sich einzuschalten. "Sie fabuliert von wertlosen Verhaltenskodexen", kritisierte der Grünen-Politiker.

Mit Blick auf die Bauernproteste sicherte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) laut einer Mitteilung Unterstützung zu: "Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft gibt es nicht zum Nulltarif. Denn oft sind hohe Investitionen nötig, die in der Regel am Markt nicht entsprechend honoriert werden."

Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Deutschland benötige man konkrete Strategien. Genau darum gehe es am 13. Januar in einer Videokonferenz, zu der Otte-Kinast Vertreter von Handel, Verarbeitern und Landwirten eingeladen hat.

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