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Ausbildungsmarkt im Handwerk: Aktuelle Zahlen erschrecken die Region

Verschiedene Vertreter schlagen Alarm: Die Zahl der Ausbildungsverträge ist weiter zurückgegangen. Dies bekommen auch die Landkreise Cloppenburg und Vechta zu spüren.

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Werben für das Handwerk: Günther Tönjes (Kreishandwerksmeister Cloppenburg), Dr. Michael Hoffschroer (Hauptgeschäftsführer Kreishandwerkerschaft Cloppenburg), Constanze Niemöller (Passgenaue Besetzung Vechta), Dirk Mrotzek (stellvertretender Kreishandwerksmeister Vechta) und Tina Heliosch (Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Vechta). Foto: Hermes

Werben für das Handwerk: Günther Tönjes (Kreishandwerksmeister Cloppenburg), Dr. Michael Hoffschroer (Hauptgeschäftsführer Kreishandwerkerschaft Cloppenburg), Constanze Niemöller (Passgenaue Besetzung Vechta), Dirk Mrotzek (stellvertretender Kreishandwerksmeister Vechta) und Tina Heliosch (Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Vechta). Foto: Hermes

Die zunehmend immer schwierigerer werdende Suche nach Fachkräften macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt im Oldenburger Münsterland bemerkbar. In einem Pressegespräch berichteten Vertreter der Kreishandwerkerschaften aus Cloppenburg und Vechta sowie der Agentur für Arbeit über die derzeit problematische Situation. "Die aktuellen Zahlen erschrecken die Region und stellen uns vor die Frage: Verliert das Oldenburger Münsterland seine Wirtschaftsmacht", erklärten die Verantwortlichen.

Zum Stichtag 30. Juni 2022 seien auf Kammerebene Oldenburg insgesamt 1333 neue Ausbildungsverträge zu verzeichnen. Dies ist ein deutliches Minus von knapp 15 Prozent (1560 im Vorjahr). Auch die Landkreise Cloppenburg und Vechta würden diesen Einbruch extrem spüren. So zählt der Landkreis Cloppenburg 269 Ausbildungsverträge (- 16,8 Prozent) und der Landkreis Vechta 227 neue Verträge (- 23, 1 Prozent).

Gewerkeübergreifend ein Abwärtstrend im Oldenburger Münsterland

Gewerkeübergreifend sei ein Abwärtstrend im Oldenburger Münsterland zu verzeichnen. Im Bau- und Ausbaugewerbe konnten 113 Ausbildungsverträge geschlossen werden (119 Verträge im Vorjahr), im Elektro-und Metallgewerbe sind es heute 266 Verträge (346 Verträge im Vorjahr) sowie 38 neue Verträge im Holzgewerbe (61 Verträge im Vorjahr). Insgesamt zählt die Region demnach aktuell 496 abgeschlossene Ausbildungsverträge im Handwerk, 2021 waren es noch 634.

Nach Angaben von Dr. Michael Hoffschroer verfüge der Landkreis Cloppenburg über zahlreiche starke Handwerksbetriebe. "Aber auch hier konnten zuletzt 30 bis 50 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden", so der Kreishandwerkerschafts-Geschäftsführer. So würden die Fachkräfte für die Zukunft fehlen, gerade mit Hinblick auf anstehende Aufgaben. Hoffschroer nannte dabei unter anderem die Mobilitäts- und Energiewende.

„Wir müssen dabei auch an die Schulen und Eltern herantreten.“Kreishandwerksmeister Günther Tönjes

Das Handwerk müsse sich überlegen, wie man die Zielgruppe wieder besser erreiche. "Wir müssen dabei auch an die Schulen und Eltern herantreten", sagte Kreishandwerksmeister Günther Tönjes. Die Betriebe müssten sich auf veränderte Bedingungen einstellen. Das Thema Freizeit spiele bei Vorstellungsgesprächen eine immer größere Rolle. Nach Angaben von Arbeitsagentur-Chefin Tina Heliosch sei auch die Zeit vorbei, in der Bewerber ihr gesamtes Arbeitsleben lang nur einen Beruf ausüben oder nur in einem Unternehmen beschäftigt seien: "Weiterbildung wird deshalb auch ein wichtiges Thema sein".

Hoffschroer sieht auch die Betriebe in der Pflicht. Man müsse vor Ort aktiv sein und die Bewerber auch mit individuellen Antworten überzeugen. Zudem sollten Lehrlinge nicht als günstige Arbeitskräfte angesehen werden, sie könnten auch nicht sofort alles können. "Aber viele Unternehmen sind schon auf einem guten Weg", so der Geschäftsführer weiter. Von verschiedenen Modellen wie zum Beispiel einer Wechselprämie halte er nicht so viel: "Das führt teilweise zu einer falschen Motivation bei den Bewerbern."

Hoffschroer sieht hohe Verantwortung bei der Politik

Eine hohe Verantwortung sieht Hoffschroer zudem bei der Politik, so müssten Berufsschulen und Bildungsstätten vom Land finanziell besser unterstützt werden. Vom Bund fordere er beschleunigte Verfahren bei der Neuordnung von Berufen. "Gerade mit dem technischen Wandel unterhalten wir uns sonst so oftmals über bereits wieder veraltete Themen". Lobende Worte gab es für den Landkreis, der die Berufsbildenden Schulen gut ausstatte, bei der Unterstützung von Marketingstrategien sehe er hingegen noch Potenzial.

Dirk Mrotzek, stellvertretender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft in Vechta, warb für mehr Veranstaltungen zur Berufsorientierung für Jugendliche, Schulen müssten noch aktiver mit einbezogen werden. "Wir brauchen die Leute", stellte er nochmals deutlich klar. Auch Heliosch nannte den Ausbildungsmarkt ein "dringliches Thema". Man brauche eine gemeinsame Anstrengung, gerade das Handwerk sorge für eine große Wertschöpfung in der Region.

Mitte Juni seien noch 671 junge Menschen auf der Suche nach einer Ausbildung gewesen, gleichzeitig habe es 1600 unbesetzte Stellen gegeben. "Es warten die Chancen auch kurzfristig", so die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur. Zudem sei man mit Beratern in Schulklassen gewesen, unterdessen sei die Anzahl der Schüler in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

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