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Aus Liebe zu Tier und Natur

Der Bakumer Fabian Kurre hat sich mit einem mobilen Hühnerstall als Landwirt selbständig gemacht. Die Eier seiner 450 Hennen will er in der Region verkaufen.

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Geübter Handgriff: Fabian Kurre füttert seine Legehennen. Foto: Ebert

Geübter Handgriff: Fabian Kurre füttert seine Legehennen. Foto: Ebert

Als Fabian Kurre das Gehege betritt, gibt es bei den 450 Legehennen kein Halten mehr. Sie stürmen auf ihn zu und umringen ihn, als wäre er ein Filmstar. Dabei ist er "nur" Landwirt.

Auch der Reporter lernt das keineswegs scheue Federvieh kennen. Beherzt picken sie an Bein und Schuh; glücklicherweise ist beides durch Überzieher aus Kunststoff geschützt.

Kurre hingegen macht die Aufmerksamkeit der Tiere nichts aus. "Ich mag es, mit Tieren zusammen zu sein", sagt der 19-Jährige, der zu Jahresbeginn den elterlich Hof in Büschel bei Bakum übernommen. hat

Dem jungen Landwirt merkt man die Begeisterung an

Auf der ehemaligen Heuerlingsstelle hatte zunächst sein Großvater Kühe, Schweine, Hühner und Gänse gehalten. Kurres Vater Paul hielt als Landwirt im Nebenerwerb dann Gänse, deren Eier an Brütereien verkauft wurden.

Kurre Junior merkt man die Begeisterung für die Landwirtschaft an. Als sein Vater sich zur Ruhe gesetzt habe, habe die Familie zunächst überlegt, ob man die Ländereien verpachten solle. Doch Fabian Kurre entschloss sich, den Hof der Familie selbst als Betrieb fortzuführen.

Handarbeit: Die Eier werden auf dem Hof gestempelt. Foto: EbertHandarbeit: Die Eier werden auf dem Hof gestempelt. Foto: Ebert

"Ich wollte Tiere haben und Verantwortung übernehmen", sagt der 19-Jährige. "Ausruhen" sei nicht seine Sache, ergänzt er. Da passte es, dass er im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen hatte. Künftig will er noch seinen Landwirtschaftsmeister draufsatteln.

Die Eier werden per Hand aufgelesen

Da Kurre annahm, dass der Neubau von Viehställen vom Landkreis Vechta nicht genehmigt worden wäre, entschloss er sich, Hühner in einem mobilen Stall auf Grünflächen zu halten. Im Januar ging es los.

Etwa 400 Eier legen seine 450 Hühner am Tag. Die sammelt Fabian Kurre morgens und abends selbst im Stall ein. Den Tag verbringen die meisten Hühner draußen, durchschnittlich stehen jedem Tier zehn Quadratmeter zur Verfügung, sagt er.

Doch diesen Platz nutzen die Tiere kaum, denn Hühner sind gesellige Tiere. Die meisten verbringen ihre Zeit dicht gedrängt, auch wenn viel Fläche um sie zur Verfügung stehen würde.

Neugierig: Einige Hühner folgen dem Reporter, als dieser das Gehege verlassen will. Im Hintergrund kümmert Kurre sich um seine Hennen. Foto: EbertNeugierig: Einige Hühner folgen dem Reporter, als dieser das Gehege verlassen will. Im Hintergrund kümmert Kurre sich um seine Hennen. Foto: Ebert

Noch immer arbeitet der Jungbauer an drei Tagen in der Woche bei seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb in Holtrup. Den Rest der Woche verbringt er nun auf  seinem eigenen Betrieb. Zusätzlich geht es jeden Morgen und Abend in den Hühnerstall.

Denn die Tiere wollen nicht nur gefüttert werden: Eier entnehmen, sortieren, stempeln und für den Verkauf verpacken stehen als Aufgaben an. Und ab und zu muss der junge Landwirt auch ein Huhn einfangen, das über den Zaun geflogen ist. Denn Flügel werden nicht gestutzt und Schnäbel nicht gekürzt.

Wenn neben all dem Zeit übrig bleibt, dann hört der 19-Jährige Musik oder schwingt sich auf sein Motorrad. Außerdem ist er leidenschaftlicher Karnevalist. Das hat er von seiner aus Damme stammenden Mutter, sagt er und lacht. Auch in der Landjugend ist Fabian Kurre aktiv. Und: gegenwärtig macht er den Jagdschein. "Den Zusammenhalt in der Jägerschaft finde ich einfach super", schwärmt er.

Kurre stemmt sich gegen das Sterben der Höfe

Verkaufen will Kurre die Hühnereier vor allem in Supermärkten im  Oldenburger Münsterland. In Bakum will er darüberhinaus Eier ausliefern und einen Automaten im Ortskern bestücken. Außerdem können Kunden auf dem Hof einkaufen.

Der 19-Jährige glaubt, dass es ihn "durchaus" bewegen wird, wenn er die ersten Hühner nach zwölf bis 14 Monaten abgeben wird. Aber das gehöre eben dazu. Die Tiere würden dann entweder geschlachtet oder lebendig verkauft, etwa für die heimische Haltung.

Mit der Übernahme des elterlichen Betriebes will Kurre sich auch ein Stück weit gegen die Entwicklung stemmen, dass immer mehr kleine Höfe aufgegeben werden und letztlich nur große Agrarkonzerne übrig bleiben. Helfen kann dagegen wahrscheinlich nur das Engagement junger Bauern wie Fabian Kurre. Und die nächste Landwirtin steht auch bald bereit: Kurres 17-jährige Schwester macht eine Ausbildung zur Landwirtin.

Handzahm: Fabian Kurre mag seine Hühner. Foto: EbertHandzahm: Fabian Kurre mag seine Hühner. Foto: Ebert

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