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Atka produziert in Lohne Bio-Mehrweg-Besteck

Der Kunststoffverarbeiter entwickelt gemeinsam mit einem Kunden neue, biologisch abbaubare Produkte. Denn ab 2021 ist in der EU Einweggeschirr und -besteck aus Plastik verboten.

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Produziert wird unter staubfreien Bedingungen: Die Atka-Firmeninhaber, die Brüder Jürgen Sieve (links) und Frank Sieve, haben das neue Bio-Mehrwegbesteck mit entwickelt. Foto: Kühn

Produziert wird unter staubfreien Bedingungen: Die Atka-Firmeninhaber, die Brüder Jürgen Sieve (links) und Frank Sieve, haben das neue Bio-Mehrwegbesteck mit entwickelt. Foto: Kühn

Nanu? Bierfässer aus Stahl auf dem Hof von Atka? Der Kunststoffverarbeiter ist doch kein Bierverlag, oder? Die Inhaber Frank und Jürgen Sieve lachen und klären auf: „Atka hat auch ein Standbein im Sondermaschinenbau. Das sind unsere Testfässer für die Verschlussanlagen, die wir hier für Brauereien konstruieren.“ Und die Kurve zum Kunststoff ist auch schnell geschlagen. Die roten Verschlusskappen am Fass stammen aus der Produktion von Atka. Der Einwegstopfen ist ein „Renner“, der „an Brauereien rund um die Welt verschickt wird“, sagt Frank Sieve. „Allerdings ist das ein Geschäftsbereich, der angesichts der Corona-Pandemie gerade nicht so gut läuft“, gibt er zu.

Dafür läuft es in anderen Bereichen umso besser. Atka hat bislang keine Kurzarbeit anmelden müssen, „da wir breit aufgestellt sind“, erklärt Jürgen Sieve. 100 Mitarbeiter hat die Firma am Südring inzwischen. In Kürze wird der 1981 gegründete Betrieb noch größer. Der Konstruktions- und Sondermaschinenbau sowie der Werkzeugbau werden bald vom jetzigen Firmenstandort in einen Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite verlagert.

Atka fertigt „technische Kunststoffbauteile für diverse Branchen“ erläutert Frank Sieve. Will heißen: Hier werden vorwiegend Spritzgussteile aus technischen Thermoplasten gefertigt. Unzählige Produktgruppen stammen aus dem Hause Atka. „Wir sind in der Automobilindustrie ebenso unterwegs wie in der Landwirtschaft. Ein wichtiger Abnehmer unserer Produkte ist der Verpackungssektor“, sagt Jürgen Sieve.

Produzierte man bislang mit konventionellem Kunststoff, wendet sich Atka jetzt verstärkt dem Thema Biopolymere zu. Unter diesem Begriff wird Material gefasst, das etwa aus nachwachsenden oder fossilen Rohstoffen gewonnen wird, und das in aller Regel in der Natur auch ohne Probleme abbaubar ist.

Der Hauptbestandteil des Biokunststoffes ist Holzmehl

Schon vor zehn Jahren gab es Versuche bei Atka, Holzmehl als „Füllstoff“ bei der Herstellung von Spritzgussteilen einzubringen. „In einem Produkt kann bis zu einer bestimmten Grenze, die in der Regel die Stabilität aufzeigt, der konventionelle Kunststoff ersetzt werden“, erklärt Jürgen Sieve. Doch bei den Versuchen, ein Kunststofflenkrad für ein Rutscheauto herzustellen, „haben wir fast die Firma abgefackelt“, erinnert sich Frank Sieve.

Den Anstoß, sich erneut mit der Materie zu beschäftigen, gab dann ein Kunde, der bislang in China produzierte konventionelle Einweg-Bestecke und Geschirr aus Kunststoff verkauft. „Die EU verbietet ab 2021 die Verwendung von Einweggeschirr und Trinkhalmen, deshalb muss man sich etwas einfallen lassen, will man weiter im Markt präsent sein“, berichtet Jürgen Sieve.

Der Kunde wollte ein Bio-Mehrweg-Besteckset. Gemeinsam wurde getüftelt, bis die Materialmischung stimmte. Weil die Produkte im Lebensmittelbereich eingesetzt werden, bedurfte es umfangreicher Labortests, neue Maschinen und Formen mussten entworfen werden. Im Oktober startete dann die Produktion auf einer neuen, rund 350.000 Euro teuren Maschine. Unter staubfreien Reinraumbedingungen werden jetzt täglich 51 .000 Stück Bio-Besteck in Lohne hergestellt.

Das aus Biokunststoff hergestellte Mehrweg-Besteck. Mit einer neuen Maschine werden täglich rund 51.000 Besteckteile bei Atka in Lohne produziert. Foto: KühnDas aus Biokunststoff hergestellte Mehrweg-Besteck. Mit einer neuen Maschine werden täglich rund 51.000 Besteckteile bei Atka in Lohne produziert. Foto: Kühn

Hauptbestandteil der spülmaschinengeeigneten braunen Löffel, Messer und Gabeln, die nach Holz riechen, aber nicht danach schmecken dürfen, ist ein abbaubarer Bio-Kunststoff mit Holzmehl aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Damit wirbt Atka. Der stabile Teil, der Trägerkunststoff, ist das ebenfalls biologisch abbaubare PLA (Polylactid Acid), umgangssprachlich auch Polymilchsäure genannt. Das neue Produkt ist genauso leicht wie das bekannte Einwegbesteck, etwas teurer in der Herstellung und im Verkauf, dafür aber auch, da zudem relativ hitzebeständig, auch mehrfach verwendbar. Bislang wird das Besteck ausschließlich an gewerbliche Abnehmer verkauft.

Die gute Formbarkeit wie Stabilität des Biomaterials lässt Atka und den Kunden längst über weitere Produkte nachdenken. So gibt es inzwischen die wiederverwendbare Salatschüssel, auch Teller oder ein „Coffee-to-go“-Becher sind angedacht.

Der neue Biokunststoff wird weiter geprüft 

Eine logische Folge des Schwenks in Richtung Nachhaltigkeit ist jetzt, so Jürgen Sieve, dass weitere Atka-Produkte der Prüfung unterzogen werden, ob man sie denn nicht – dort wo es möglich ist – aus biologisch abbaubarem Kunststoff herstellen kann. Auch mit dem roten Fassstopfen wird experimentiert. Damit das Fass ganz dicht bleibt, wird der Stopfen zusätzlich noch geschrumpft. Und gerade bei diesem Vorgang „ziert sich unser Material noch“, schmunzelt Jürgen Sieve. „Aber das bekommen wir auch noch hin.“

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