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Arbeitsmarkt bleibt in 2022 im Oldenburger Münsterland trotz Krisen stabil

Die Arbeitslosenzahl im OM ging nach Angaben der Agentur im Jahresdurchschnitt deutlich zurück. Der Arbeitskräftefachmangel wird auch 2023 zunehmend zum Problem.

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Symbolfoto: dpa

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Die Arbeitsagentur Vechta hat am Dienstag (17. Januar) die Jahresbilanz 2022 der Arbeitsmarkt-Daten fürs Oldenburger Münsterland veröffentlicht: Demnach ist die Arbeitslosigkeit fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Die Kurzarbeit sichere weiterhin Beschäftigung. Nach Angaben der Behörde habe sich die Anzahl der Arbeitslosen jedoch durch die Erfassung ukrainischer Geflüchteter zunächst erhöht, aber später wieder eingependelt. Außerdem sei die Arbeitskräftenachfrage der hiesigen Betriebe konstant hoch geblieben, während die Beschäftigungszahl einen neuen Höchststand in 2022 erreicht habe.

Der Krieg in der Ukraine, die damit verbundenen Energieengpässe sowie gestiegen Kosten und die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben im Jahr 2022 auf dem Arbeitsmarkt im Oldenburger Münsterland Spuren hinterlassen. Insgesamt habe sich der Arbeitsmarkt aber weiter sehr robust dargestellt. Die Arbeitslosenzahl ging nach Angaben der Agentur trotz neu hinzu gekommener ukrainische Geflüchtete im Jahresdurchschnitt sogar deutlich zurück. Die Arbeitslosenquote lag mit 3,7 Prozent wieder auf Vor-Krisen-Niveau von 2019. Dazu habe auch der Einsatz von Kurzarbeitergeld beigetragen“, erläutert Tina Heliosch, Leiterin der Agentur für Arbeit Vechta.

Arbeitslosigkeit: Im Frühjahr habe sich die Erholung des Arbeitsmarktes von den Auswirkungen der Corona-Pandemie weiter fortgesetzt. Ab Juni seien die ukrainischen Geflüchteten in den Jobcenter betreut und erfasst worden. Dadurch stieg nach Angaben der Agentur die Arbeitslosenzahl bis August stark an und pendelte sich bis Jahresende wieder auf einem stabilen Niveau ein. Im Jahresdurchschnitt waren 7011 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren 693 beziehungsweise 9 Prozent weniger als im Jahr 2021 und 275 beziehungsweise 4,1 Prozent mehr als in 2019. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 3,7 Prozent, während sie im Vorjahr bei 4,1 Prozent und in 2019 ebenfalls bei 3,7 Prozent lag.

Unterbeschäftigung: Die Unterbeschäftigung enthält nach Angaben der Agentur für Arbeit zum Beispiel Personen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit. Sie fällt laut Mitteilung im Jahresdurchschnitt ebenfalls niedriger aus und lag bei 9189 Personen, 649 weniger als im Vorjahr.

Während im 1. Halbjahr die Unterbeschäftigung deutlich zurückgegangen sei, stieg sie im 2. Halbjahr unter anderem aufgrund der Teilnahme von ukrainischen Geflüchteten an Integrationskursen wieder an.

Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung: In den Zuständigkeitsbereichen der Agentur für Arbeit und der Jobcenter stellt sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in 2022 unterschiedlich dar: Während die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen bei der Agentur für Arbeit um 704 beziehungsweise 20 Prozent auf 2814 gesunken ist, blieb die Zahl bei den Jobcentern trotz der Erfassung ukrainischer Geflüchteter mit +11 beziehungsweise +0,3 Prozent und insgesamt 4197 nahezu konstant. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 fiel die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt bei der Agentur für Arbeit um 201 beziehungsweise 6,7 Prozent niedriger und bei den Jobcentern um 476 beziehungsweise 12,8 Prozent höher aus.

Kurzarbeit: Im Jahresverlauf gingen laut Mitteilung bei der Agentur für Arbeit Vechta insgesamt 514 Anzeigen für 7610 Beschäftigte ein, 481 Anzeigen und 3801 Beschäftigte weniger als im Vorjahr. Die meisten Anzeigen (150 für 1789 Personen) gingen im Januar ein, der noch stark von den Corona-Auswirkungen (unter anderem 61 Anzeigen für 480 Personen aus dem Gastgewerbe) betroffen war. Ab Februar sank demnach die Anzeigenzahl deutlich und stabilisierte sich auf einem niedrigen Niveau. Erst im Herbst und Winter stieg die Zahl der Anzeigen saisonüblich wieder leicht an, teilt die Behörde mit.

Ukrainische Geflüchtete: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat zu einer starken Fluchtbewegung, insbesondere von Frauen mit Kindern, nach Europa geführt. Seit dem 1. Juni 2022 werden erwerbsfähige ukrainische Geflüchtete bei den Jobcentern betreut. Zum Stichtag Dezember 2022 waren 721 ukrainische Geflüchtete arbeitslos gemeldet.

Arbeitskräftenachfrage: Die Arbeitskräftenachfrage war laut Mail im Jahresverlauf konstant. Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter wurden im vergangenem Jahr 8053 neue Stellen zur Besetzung gemeldet. Das waren 1616 beziehungsweise 16,7 Prozent weniger als im Vorjahr und 1223 beziehungsweise 13,2 Prozent mehr als 2019. Die starke Nachfrage in 2021 sei insbesondere auf coronabedingte Nachholeffekte zurückzuführen.

Der durchschnittliche Bestand an gemeldeten Stellen stieg auf 4481. Das waren 71 beziehungsweise 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr und 465 beziehungsweise 11,6 Prozent mehr als 2019.

Entwicklung der Beschäftigung (Stand Juni 2022): Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Oldenburger Münsterland ist bis zur Jahresmitte im Vergleich zum Vorjahr um 4025 Personen beziehungsweise 2,8 Prozent auf 149.662 gestiegen. Das waren 9216 Personen beziehungsweise 6,6 Prozent mehr als 2019, wie die Agentur mitteilt.

Nach Branchen betrachtet habe es gegenüber dem Vorjahresquartal absolut die stärkste Zunahme im 'Verarbeitenden Gewerbe' mit + 1266 oder + 2,6 Prozent, darunter fallen 534 auf die 'Metall-, Elektro- und Stahlindustrie', 517 auf die 'Herstellung überwiegend häuslich konsumierter Güter' und 215 auf die 'Herstellung von Vorleistungsgütern'. Aber auch in vielen weiteren Branchen sei die Zahl der Beschäftigten gestiegen, wie beispielsweise im 'Gesundheits- und Sozialwesen' (+571) und im 'Baubereich' (+334). Am ungünstigsten sei dagegen die Entwicklung im 'Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden' (-158 oder -23,6 Prozent) gewesen.


Ausblick 2023

Entwicklung Arbeitslosigkeit und Beschäftigung: Trotz Energiekrise und der zu erwartenden leichten Rezession rechnet die Agentur für Arbeit Vechta auch im laufenden Jahr mit einem weitgehend stabilen Arbeitsmarkt im Oldenburger Münsterland. Die Arbeitslosigkeit werde sich im Jahresdurchschnitt etwa auf dem gleichen Niveau wie in 2022 bewegen. Die Beschäftigung wird laut Mitteilung voraussichtlich sogar weiter steigen, jedoch weniger stark als in den Vorjahren.

Vieles hänge von der weiteren Entwicklung des Kriegs in der Ukraine und anderer möglicher Stressfaktoren für den Arbeitsmarkt, wie Lieferkettenengpässe, et cetera, ab.

Arbeits- und Fachkräftesicherung: Vorherrschendes Thema für die Region ist bereits jetzt wieder der Arbeits- und Fachkräftemangel. Die Sicherung eines ausreichenden Erwerbspersonenpotenzials sei eine der großen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt für die nächsten Jahre. Die Unternehmen wollen einstellen, würden in vielen Branchen aber nicht genügend Arbeitskräfte finden. In Kombination mit dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und den Transformationsprozessen auf dem Arbeitsmarkt verschärften sich die Fachkräfteengpässe.

Deshalb gelte es, gemeinsam alle vorhandenen Potenziale zu nutzen und auszubauen. Das fange an bei den Auszubildenden, gehe weiter über die Erwerbsbeteiligung von Frauen, Chancen für Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte und reiche bis zur Zuwanderung.

Qualifizierung: Digitalisierung und Transformation auf dem Arbeitsmarkt bieten die Agentur für Arbeit und die Jobcenter in diesem Jahr neben der direkten Arbeits- und Ausbildungsvermittlung verstärkt weiter zur Unterstützung bei der beruflichen Orientierung sowie bei der Realisierung von Ausbildung und beruflichen Weiterbildung an.

„Jede Arbeitskraft wird in der Region weiter gebraucht. Für die stärkere Nutzung beider Hebel - berufliche Ausbildung und Weiterbildung – sind gemeinsames Engagement, innovative Ideen und Kooperation gefragt. Deswegen setzt die Arbeitsagentur gemeinsam mit den Jobcentern auch in 2023 auf die Intensivierung der Netzwerkaktivitäten, um in der Region dem Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen“, wird Agentur-Leiterin Heliosch zitiert.

Ausbau digitaler Angebote und Serviceleistungen: Digitale Arbeits- und Ausbildungssuche, Beratungsgespräche per Videokommunikation, online Beratungstermine buchen und Förderleistungen online beantragen: Das alles sei schon möglich und die digitalen Angebote würden ständig weiterentwickelt.

Neben den 24/7 nutzbaren digitalen Service- und Informationsangeboten legten Agentur für Arbeit und die Jobcenter den Schwerpunkt auf die terminierte, persönliche Beratung, die die Kundinnen und Kunden bezogen auf ihr Anliegen weiterbringe.


Das sind die aktuellen Zahlen:

  • Oldenburger Münsterland: Im Jahresdurchschnitt (2022) waren 7011 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren 693 beziehungsweise 9 Prozent weniger als im Jahr 2021 und 275 beziehungsweise 4,1 Prozent mehr als in 2019. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 3,7 Prozent, während sie im Vorjahr bei 4,1 Prozent und in 2019 ebenfalls bei 3,7 Prozent lag.
  • Landkreis Vechta: Mit 2995 Personen waren im vergangenen Jahr 289 Arbeitslose beziehungsweise 8,8 Prozent weniger gemeldet als im Jahr 2021. Die Arbeitslosenquote sank auf 3,4 Prozent, während sie im Vorjahr (2021) 3,7 Prozent betrug.
  • Landkreis Cloppenburg: Mit 4016 Personen waren im vergangenen Jahr 404 Arbeitslose beziehungsweise 9,1 Prozent weniger gemeldet als im November. Die Arbeitslosenquote sank auf 3,9 Prozent, während sie im Vorjahr (2021) 4,4 Prozent betrug.
  • Geschäftsstellenbereich Cloppenburg: Mit 2427 Personen waren im vergangenen Jahr 273 Arbeitslose beziehungsweise 10,1 Prozent weniger gemeldet als im Vorjahr (2021). Die Arbeitslosenquote sank um 0,4 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent, während sie im Vorjahr 3,9 Prozent betrug.
  • Geschäftsstellenbereich Friesoythe: Mit 1589 Personen waren im vergangenen Jahr 131 Arbeitslose beziehungsweise 7,6 Prozent weniger gemeldet als im Vorjahr (2021). Die Arbeitslosenquote sank um 0,5 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent, während sie im Vorjahr 5,4 Prozent betrug.

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