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Arbeitnehmer können profitieren: Fiskus beteiligt sich an den Kosten des Homeoffice

In der persönlichen Steuererklärung für die Corona-Jahre 2020 und 2021 wird die Tätigkeit zu Hause mit der  "Homeoffice-Pauschale" berücksichtigt. Maximal 600 Euro im Jahr (120 Tage) werden anerkannt.

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Wer in diesen Corona-Zeiten in einer Ecke seiner Wohnung arbeiten muss, kann die Homeoffice-Pauschale in der Steuerklärung angeben. Foto: dpa / Pedersen

Wer in diesen Corona-Zeiten in einer Ecke seiner Wohnung arbeiten muss, kann die Homeoffice-Pauschale in der Steuerklärung angeben. Foto: dpa / Pedersen

"Ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland hat Ende Januar 2021 vorwiegend oder ausschließlich im Homeoffice gearbeitet" – das hat eine Befragung der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Zur Minimierung der Corona-Infektionsrisiken hatte die Bundesregierung zudem Ende Januar 2021 die Corona-Arbeitsschutzverordnung auf den Weg gebracht, die noch bis zum 30. April 2021 gilt. In dieser ist die Pflicht für Arbeitgeber festgelegt, ihren Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen, wann immer dies betrieblich möglich ist. Der Anteil der Homeoffice-Arbeitsplätze dürfte demnach im Februar weiter gestiegen sein.

Viele Menschen haben also wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Kontakteinschränkungen ihren Arbeitsplatz ganz oder teilweise nach Hause verlagert oder auf Anordnung des Arbeitgebers nach Hause verlagern müssen. In ihrem Heimbüro – neudeutsch "Homeoffice" – arbeiten immer mehr Menschen in einer Ecke ihres Wohnzimmers oder in der Küche. Wie aber steht es mit dem Ersatz der Kosten, die entstehen, wenn Arbeitnehmer coronabedingt vorübergehend zu Hause arbeiten? Kann der Fiskus daran beteiligt werden? Ja. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, die Homeoffice-Pauschale, die für die Steuerjahre 2020 und 2021 gewährt wird, sowie die Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers.

"Jeder Arbeitnehmer, der in Corona-Zeiten im Homeoffice arbeitet oder gearbeitet hat, kann die Pauschale nutzen."Silvia Klee, Finanzamt Vechta

Die Homeoffice-Pauschale soll in erster Linie die Fälle auffangen, in denen der Arbeitnehmer in einem vom Fiskus nicht als Büro anerkannten Raum in seiner eigenen Wohnung oder Haus arbeitet. Für jeden Arbeitstag in häuslicher Umgebung können Steuerpflichtige 5 Euro als Werbungskosten in ihrer Steuererklärung angeben. Der maximal anrechenbare Betrag liegt bei 600 Euro im Jahr oder 120 Homeoffice-Tage. "Jeder Arbeitnehmer, der in Corona-Zeiten im Homeoffice arbeitet oder gearbeitet hat, kann die Pauschale nutzen", sagt die beim Finanzamt Vechta den Arbeitnehmerbereich verantwortende Silvia Klee. Für die Steuererklärung wäre allerdings "eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die Zahl der Arbeitstage im Homeoffice" sehr hilfreich, so die Steuerbeamtin.

Die Pauschale wird allerdings nicht zusätzlich zum allgemeinen Werbungskostenpauschalbetrag für Arbeitnehmer in Höhe von 1.000 Euro/Jahr gewährt. Das heißt, sie bringt in der Steuererklärung erst dann nennenswerte Einsparungen, wenn ein Steuerpflichtiger die Grenze der Werbungskostenpauschale insgesamt überschreitet.

Als Homeoffice-Tag gilt jeder komplett im Heimbüro verbrachte Arbeitstag. Arbeitet der Arbeitnehmer auch nur für wenige Stunden an seinem betrieblichen Arbeitsplatz, kann er für diesen Tag nur die gewohnten Werbungskosten geltend machen, wie etwa die Fahrtkosten als Pendler.

Die Anerkennung eines Arbeitszimmers wird vom Finanzamt detailliert geprüft 

Steuerlich eigenständig behandelt wird das häusliche Arbeitszimmer. Wer sein eigenes Arbeitszimmer in Haus oder Wohnung nutzt, weil er keinen zugewiesenen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber hat, kann dessen Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro im Jahr absetzen. Der steuerliche Abzug als Werbungskosten ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Damit das Finanzamt die gesamten oder anteiligen Kosten für Büroeinrichtung, die Stromzahlung oder Mieten berücksichtigt, muss der Raum entsprechend eingerichtet sein und darf, so der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH), "nur ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt werden. Die Kosten für eine Arbeitsecke im Wohnzimmer sind damit nicht absetzbar". Der Bundesfinanzhof hat bestätigt, dass Räume mit einer Arbeitsecke "erkennbar auch privaten Wohnzwecken dienen", entsprechend dürfen die Kosten nicht geltend gemacht werden.

Ihr heimisches Büro absetzen können klassischerweise Außendienstler oder auch Lehrer. Wer komplett von zu Hause aus arbeitet wie zum Beispiel ein Schriftsteller, "kann die Kosten für das Arbeitszimmer sogar unbegrenzt von der Steuer absetzen – sofern das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet", erklärt die VLH.

Für alle, die derzeit im Homeoffice arbeiten, empfiehlt es sich, die Werbungskosten zu ermitteln. Welche Kosten letztlich steuerlich wirksam werden, darüber informieren Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine.

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