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Apotheker bietet Versandhandel Paroli

Kopfschmerztabletten, Hustensaft oder Antibiotika auf Rezept: Der Online-Handel macht den Apotheken Konkurrenz. Doch auch diese erweitern ihre digitalen Angebote.

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Geht neue Wege: Apotheker Justus Bleß bietet einen neuen Online-Bestellservice an. Foto: gy

Geht neue Wege: Apotheker Justus Bleß bietet einen neuen Online-Bestellservice an. Foto: gy

Das Jahr 2022 könnte für die Apotheken in Deutschland zu einer Art Wendepunkt werden. Mit der Einführung des elektronischen Rezepts endet dann die jahrzehntelange Zettelwirtschaft. Was das für die Apotheken bedeutet, ist noch nicht ganz klar. Dass sie ihre Onlineangebote ausweiten müssen, steht für Justus Bleß aber außer Frage.

Der Inhaber der Alte-Königs-Apotheke in Löningen hat sich jetzt digital völlig neu aufgestellt. Eine Homepage gab es zwar schon lange. Viel mehr als allgemeine Informationen über die Apotheke bot sie aber nicht. Das soll sich jetzt ändern. Noch in dieser Woche schaltet Bleß eine neue Serviceseite frei, auf der Patienten direkt bei ihm bestellen und einkaufen können. Und mehr noch: „Die Kunden verwalten ihren Medikamentenbedarf selbst. Sollten sie feststellen, dass er zur Neige geht, können sie einfach per Klick nachbestellen,“ erklärt der junge Apotheker.

Das gilt auch für verschreibungspflichtige Arzneien. Die per PC eingegebenen Vorbestellungen landen   als Fax bei den Ärzten. Sobald diese den Rezeptwunsch bestätigen, erfolgt automatisch die Weiterleitung an die Apotheke. Die Patienten können sich die Mittel anschließend selber abholen oder sie sich per Bote bequem nach Hause bringen lassen. Ein weiteres Elektroauto hat Bleß gerade bestellt.

Botendienste im Radius von zehn Kilometern

Dem aufstrebenden Versandhandel will der Löninger damit zumindest auf lokaler Ebene erfolgreich Paroli bieten.  Er hat einen zehn Kilometer großen Zirkel um seine Apotheke geschlagen, innerhalb dessen er seine Botendienste anbietet. Als Spezialist für Inkontinenzprodukte und Pflegehilfsmittel glaubt er, das richtige Standbein gefunden zu haben. „Diese Produkte müssen immer wieder nachbestellt werden. Den Kunden ist Diskretion außerdem sehr wichtig.“

Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom kauft inzwischen fast jeder zweite Bundesbürger seine Medikamente für gewöhnlich im Internet. Zwar hat der Bundestag gerade ein neues Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken beschlossen. Trotzdem dürfte die in der Regal aus dem Ausland agierende digitale Konkurrenz dauerhaft bleiben und weiter wachsen..

„Wenn ich auf diesem Gebiet nichts mache, bin ich irgendwann raus.“Justus Bleß, Apotheker

Justus Bleß möchte das Beste aus beiden Welten haben. Er ist Realist. „Wenn ich auf diesem Gebiet nichts mache, bin ich irgendwann raus.“  Es käme aber auf die richtige Mischung an. Bleß hofft, sie gefunden zu haben.

Für die Apotheke vor Ort spreche ihre qualifizierte Beratung durch ausgebildete Pharmazeuten, sagt er. Das zeige sich gerade auch während der Coronakrise, in der die Apotheker für viele oft die ersten Ansprechpartner seien. Und das gehe weiterhin am besten vis-à-vis.

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