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Anne Böckmann bietet Fleisch aus der Region für "Heimatesser" an

Niedrige Tierpreise und die Afrikanische Schweinepest stellen Schweinehalter vor große Herausforderungen. Immer mehr Landwirte geben auf. Anne Böckmann aus Damme setzt nun auf die Direktvermarktung.

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Haben auch Spezialrassen im Angebot: Anne Böckmann (rechts) betreibt mit ihrem Lebensgefährten Christian Wehe die Schweinefleisch-Direktvermarktung "Heimatesser" in Damme. Foto: Bergmann

Haben auch Spezialrassen im Angebot: Anne Böckmann (rechts) betreibt mit ihrem Lebensgefährten Christian Wehe die Schweinefleisch-Direktvermarktung "Heimatesser" in Damme. Foto: Bergmann

Afrikanische Schweinepest, Schlachtstau nach Corona-Infektionen und existenzbedrohende Preise: Immer mehr Landwirte steigen aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen aus der Schweinehaltung aus. Die Zahl der Betriebe ist im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent gesunken. Das berichtete kürzlich das Statistische Bundesamt.

Ich glaube, mein Schwein pfeift: Wie viele Landwirte ist auch Anne Böckmann über diese Situation verärgert. Die Dammerin betreibt nebenberuflich einen landwirtschaftlichen Hof mit etwa 560 Schweinemastplätzen. „Ich wollte schon immer mal etwas anderes machen“, sagt die ausgebildete Agrar-Ingenieurin. Die Entwicklungen waren im Februar 2021 der Auslöser, selbst unter dem Namen „Heimatesser“ Schweinefleisch von ihren Tieren zu verkaufen.

Kunden können zwischen vier Fleischpaketen wählen

„Lieber bei Anne als bei Aldi kaufen“ – wie funktioniert diese Direktvermarktung? Zunächst bietet sie ihren Kunden komplette Schweinehälften an, erläutert Böckmann. Der Verbraucher kann dann zwischen vier verschiedenen Fleischpaketen wählen. Neben der Standard-Variante und einem Fleischpaket-Plus gibt es eine Zusammenstellung für Grillfans sowie seit Kurzem auch für Grünkohl-Liebhaber. Darin enthalten sind unter anderem Schnitzel, Kotelett, Rücken- und Nackensteaks oder Bratwurst. Die Preise variieren je nach Paket und Gewicht und liegen bei 210 Euro aufwärts pro Hälfte.

Anschließend organisiert die 45-Jährige zusammen mit ihrem Lebensgefährten Christian Wehe für den Käufer die Zerlegung und Verarbeitung der Hälften. „Je nach Paket bleiben am Ende zwischen 30 und 35 Kilo Fleisch pro  Hälfte übrig, die der Kunde unverpackt abholt und sich zu Hause selbst zu seinen Portionen abpackt.“ Aufgrund der großen Menge schließen sich Freunde und Familien oftmals zusammen und teilen sich eine Hälfte untereinander auf, weiß Böckmann.

"Die Transportwege sind kurz. Damit haben die Tiere weniger Stress und die Umwelt wird weniger belastet."Anne Böckmann

Die Dammerin setzt bei ihrem Konzept „Heimatesser“ vor allem auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Die Schweine kommen allesamt aus Norddeutschland. Neben den normalen Hausschweinen können die Kunden Fleisch von bestimmten Spezialrassen wählen. Darunter sind reinrassige Duroc- und Sattelschweine. Die Duroc-Ferkel bezieht Böckmann zum Beispiel bei einem Landwirt in Osterfeine.

Auch der 5D-Standard, den einige Supermärkte und Discounter bis Ende 2022 einführen wollen, gilt in Osterdamme bereits. Neben der Geburt, Aufzucht und Mästung werden die Tiere in Deutschland geschlachtet und zerlegt. Das passiert ebenfalls in Damme bei einer örtlichen Fleischerei. „Die Transportwege sind kurz. Damit haben die Tiere weniger Stress und die Umwelt wird weniger belastet“, sagt Anne Böckmann.

Verbraucher sollten mehr Wert auf Herkunft und Qualität des Fleisches legen

Der 45-Jährigen liegt zudem das Wohl ihrer Tiere am Herzen. Ihre Ställe wurden von der Initiative Tierwohl zertifiziert und erfüllen die QS-Kriterien. Diese schreiben etwa mehr Platz, ausreichend Tageslicht und Raufutter vor. „Ein Großteil unserer Tiere kann außerdem aus offener Wasserfläche trinken. Einige Tiere haben unkupiert – mit Ringelschwänzen – ihren Weg zu uns gefunden“, sagt die Agrar-Ingenieurin. Auch die Buchten wurden vergrößert, damit die Schweine mehr Bewegungsfreiheit haben.

Das Konzept kommt gut an, die Resonanz ist positiv. Etwa 20 Personen bestellen regelmäßig die frischen Fleischpakete. In den kommenden Tagen geht es für die nächsten Tiere zum Schlachter. Doch bisher handelt es sich nur um ein kleines Neben- beziehungsweise Nischenprodukt, berichtet Böckmann. Der Großteil ihrer Schweine geht unverändert den konventionellen Weg über einen Viehhändler.

Angesichts der aktuellen Marktentwicklungen würde sich die Dammerin wünschen, dass Verbraucher künftig grundsätzlich mehr Wert auf die Herkunft und Qualität des Fleisches legen. Und auch entsprechend höhere Preise in Kauf nehmen. Mit ihrem „Heimatesser“-Konzept hofft sie, auch diejenigen anzusprechen, die bewusst weniger Fleisch essen, dafür aber auf Nachhaltigkeit achten. Für Anne Böckmann ist zumindest klar: „Die Schweinehaltung würde ich auch in Zukunft gerne weitermachen, es macht mir einfach sehr viel Spaß.“

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