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Alpha Robotics Vechta präsentiert einen Wolf, der schützt

Der Fraktionschef der Bundestags-FDP, Christian Dürr, besucht den Roboterentwickler Alpha Robotics Germany in Vechta. Der Alpha Wolf wird im zivilen Bereich eingesetzt, so etwa bei Feuerwehren.

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Alpha-Robotics-Chef Oliver Rasche (links) begrüßte Christian Dürr (MdB), den Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion an dem in Vechta entwickelten taktischen Einsatzroboter Alpha Wolf. Foto: Kühn

Alpha-Robotics-Chef Oliver Rasche (links) begrüßte Christian Dürr (MdB), den Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion an dem in Vechta entwickelten taktischen Einsatzroboter Alpha Wolf. Foto: Kühn

Der Besuch des Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr (MdB), passt in die Zeit, die aktuell durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bestimmt wird. Die in Deutschland beschlossene Modernisierung der Bundeswehr sowie die Klagen der deutschen Zivilschützer über ihre mangelhafte Ausstattung dürften inzwischen wohl täglich Thema des Politikers sein. Dürr blieb dann bei der Präsentation der Produkte und des "super spannenden" Arbeitsbereiches von Alpha Robotics Germany letztlich fast 2 Stunden in den Räumen der Vechtaer Firma, obwohl die Termine drückten. Alpha-Robotics-Chef Oliver Rasche versprach er zum Abschied und nach einer eingehenden Präsentation des Innovationsproduktes des Betriebes, des taktischen Einsatzroboters Alpha Wolf, dann auch: "Wir sehen uns wieder!"

Alpha Robotics Germany wurde im Jahr 2015 von Rasche gegründet. Ausgangspunkt folgender Innovationen in Vechta sei die nahezu vollständige Entwicklung des weltweit leistungsstärksten Rasenmähroboters gewesen. Der Schritt zur Entwicklung eines taktischen Einsatzroboters für Feuerwehren und Katastrophenschutzeinrichtungen sei da nicht weit gewesen, berichtet der aktive Feuerwehrmann Rasche über die Entstehung der ersten Prototypen des Alpha Wolf. Dieser ist ein sogenanntes "unbemanntes Landfahrzeug (UGV)" und kann als mobile Plattform für mannigfaltige Aufgaben im zivilen Bereich eingesetzt werden. Der Prototyp R1 wurde als taktischer Roboter und Löschfahrzeug für die Feuerwehr entwickelt.

Risikoreiche Einsatzsituationen für den Menschen kann der Alpha Wolf übernehmen

Menschen sind potenziellen Gefahren bei einem Rettungs-/Brandeinsatz ausgesetzt. Diese zu minimieren, dafür sei der Alpha Wolf konzipiert worden: "Bei besonderen Gefährdungslagen wird so der nachhaltige Schutz für das Einsatzpersonal erreicht", erläutert Rasche. Risikoreiche Aufklärungs-, Sicherungs- oder Löscharbeiten kann die Maschine übernehmen.

Für die Erfüllung seiner Aufgaben ist der Alpha Wolf mit einem starken Elektromotor ausgerüstet, der bis zu 3 Tonnen Zugkraft mitbringt. Gesteuert wird der Roboter ferngelenkt oder entsprechend ausgerüstet als "Nachgänger" sogar durch Gesten. "Für die Bedienung des Gerätes muss man kein Raketentechniker sein", verweist Rasche auf unkomplizierte Handhabung.

Mithilfe der Feuerwehren im Kreis Vechta, besonders der Wehr in Lohne, wo der Wolf im Einsatz ist, konnten Praxiserfahrungen mit den Prototypen in realen Einsätzen gesammelt werden, so etwa beim Moorbrand in Südlohne, bei Großbränden in Quakenbrück, Steinfeld oder in Vechta-Calveslage. Diese Zusammenarbeit sei "Gold wert", dankt und lobt Rasche.

Die Ausrüstung des Alpha Wolf ist individuell konfigurierbar – je nach Einsatzgebiet. Foto: KühnDie Ausrüstung des Alpha Wolf ist individuell konfigurierbar – je nach Einsatzgebiet. Foto: Kühn

Die Ausrüstung des Alpha Wolf ist individuell konfigurierbar. Die "Tools" sind dem Schweizer Taschenmesser ähnlich, können je nach Einsatzgebiet optional aufgerüstet werden. Individualität beginnt beim Werfer oder der Beleuchtung, und hört bei Kameras, Winden oder Roboterarmen nicht auf. Die Basisversion eines Alpha Wolf wird laut Rasche rund 120.000 Euro kosten.

Um den Alpha Wolf herum wurde eine hochtechnisierte Peripherie entwickelt. So kann der Roboter am Boden mithilfe von Drohnen überwacht werden. Eine noch weiter reichende Lösung ist die von Alpha Robotics selbst entwickelte, jetzt unter dem Namen "Magirus TacticNet" vermarktete mobile Einsatzlösung. Unter Einbeziehung der Einsatzfahrzeuge werden mithilfe von Luftüberwachung und mobiler Kommunikation der Einsatzleitung Echtzeitbilder und Karten zur Verfügung gestellt. So wird eine Art "gläserne Glocke" über das Einsatzgebiet gelegt, Einsatzkräfte können so verschoben oder gezielt an "Brennpunkte" herangeführt werden. Das System kann auch nachgerüstet werden.

Reaktion am Markt auf den Alpha Wolf ist "fantastisch"

Zwei Weiterentwicklungen stehen bei Alpha Robotics bereits auf dem Arbeitsplan. So sollen größere automatisierte Löscheinheiten entwickelt werden, und auch der Drohneneinsatz soll noch professioneller werden. Quasi als "Erkundungsflieger" soll eine schwere Drohne zeitlich bereits weit vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte die Lage am Einsatzort erkunden.

Zum Besuch des 20-Mitarbeiter-Unternehmens am Alten Flugplatz hatte Dürr den Landtagskandidaten Yannick Wassenberg und Vertreter der Vechtaer Kreis- und Stadt-FDP mitgebracht. Angeregt hatte Vechtas Altbürgermeister Helmut Gels die Besichtigung der Innovationen der Firma.

Den Markt für den Wolf und die weiteren Lösungen sieht Rasche dort, wo die so genannten "BOS – Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" tätig werden, "also global alles, was ein Blaulicht auf dem Dach hat". Verkaufszahlen? Gibt es "noch nicht", sagt Rasche. Bisher habe man viel Geld zugelegt, um die Entwicklung so weit zu treiben, dass man funktionierende, praxisreife Lösungen anbieten könne. "Das ist unser Risiko als Unternehmer."

Noch wird der Alpha Wolf nicht in Serie gefertigt. Einen Versuchsaufbau für diese Fertigungsweise gibt es aber bereits. Foto: KühnNoch wird der Alpha Wolf nicht in Serie gefertigt. Einen Versuchsaufbau für diese Fertigungsweise gibt es aber bereits. Foto: Kühn

Die Reaktion auf den Alpha Wolf sei aber "fantastisch". Doch es dauere mit der Beschaffung, da in diesem Bereich oftmals auch Behörden beteiligt seien.

Rasche nutzte die Gelegenheit – "aus eigener leidvoller Erfahrung" – dem Bundespolitiker Dürr eine radikale Umkehr in der Vergabe von Fördergeldern im wissenschaftlich-technischen Bereich nahezulegen. Fehlvergabe, Doppel- und Mehrfachförderung ein und desselben Forschungsthemas sowie der bürokratische Aufwand: Die Förderungen kämen bei "klein- und mittelständische Unternehmen, wie wir es sind, nicht an".

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