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"Allianz der Chancen" fordert: Arbeitnehmer müssen besser auf die Zukunft vorbereitet werden

Alterung, Digitalisierung und Klimaschutz krempeln die Wirtschaft um. Eine "Allianz der Chancen" aus Firmen und Gewerkschaften will dazu beitragen, möglichst viele Jobs zu erhalten.

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Symbolfoto: dpa

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Ein Netzwerk aus 35 großen Unternehmen, Gewerkschaften und Institutionen fordert mehr Anstrengungen in der Weiterbildung von Arbeitnehmern und eine Aufwertung betrieblicher Ausbildungsgänge in Deutschland. Die "Allianz der Chancen" zog nach ihrer Gründung 2021 nun eine erste Zwischenbilanz in Berlin. Sie richtete sich dabei auch an die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik.

Zentrales Thema der Mitglieder, die nach eigenen Angaben allein in der Bundesrepublik über 1,3 Millionen Beschäftigte vertreten, sind die Umwälzungen durch Digitalisierung, Klimaschutzvorgaben und den demografischen Wandel. Diese Entwicklungen setzen speziell kleinere Betriebe schon heute unter erheblichen Investitions- und Kostendruck – zudem fallen etliche alte Jobprofile weg. "Es braucht Zielbilder und Perspektiven, das fängt an mit strategischer Personalplanung", sagte die Sprecherin der Initiative und Personalvorständin von Continental, Ariane Reinhart. "Das ist ein großer Aufwand, das müssen wir machen."

Wirtschaft und Politik könnten gemeinsam aber einiges verbessern. Reinhart bezog sich etwa auf das Qualifizierungschancen-Gesetz, bei dem die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungen finanziell fördert. "Das ist ein gutes Gesetz", meinte die Conti-Managerin. Im Rückblick auf die Corona-Zeit frage sie sich mitunter jedoch, «warum wir diese Chance nicht genutzt haben": Nur 5 Prozent von rund 12 Millionen Beschäftigten in Kurzarbeit hätten sich während dieser Phase weiterqualifizieren lassen. "Dabei haben wir doch keine Zeit zu verlieren", sagte Reinhart in Anbetracht der Job-Transformation.

"Es geht nicht nur um den Software-Entwickler"

Auch die Vermittlung in Praktika beispielsweise im Handwerk sei eine Alternative, um solche Zeiten zu überbrücken. Mancherorts komme den Umbrüchen am Arbeitsmarkt nicht die Bedeutung zu, die sie verdienten. "Nun kommt noch das Thema Massenflucht und Energiepreisschock dazu." Firmen, Verbände, Gewerkschaften und Politik müssten sich intensiver absprechen, "um Arbeitslosigkeit mit allen Mitteln zu vermeiden".

Von den Kompetenzen derjenigen, die aus der Ukraine nach Westeuropa fliehen müssen, könnten Branchen mit Fachkräftemangel profitieren. "Es geht aber nicht nur um den Software-Entwickler", so Reinhart. "Wir brauchen Menschen überall." Die Personalvorständin des Energie- und Telekommunikationskonzerns EWE, Marion Rövekamp, ergänzte: "Der demografische Wandel führt dazu, dass uns die Nachwuchskräfte in der Ausbildung ausgehen." Die Unternehmen müssten klarstellen, dass in vielen Bereichen eine solide Berufsausbildung genauso wichtig und genauso viel wert sein könne wie ein akademisches Studium.

"Wichtig ist Aussicht auf geförderte Bildungsteilzeit"

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sagte zur dualen Lehre in Deutschland: "Wir haben gute Voraussetzungen, wo uns andere beneiden." Für viele neue Jobs müssten indes klarere, übergreifende Grundlagen geschaffen werden – auch und gerade bei dualen Studiengängen, wo es einen "Wildwuchs ohne Ende" gebe und die Unterteilung in immer mehr kleine Spezialfächer ihn zunehmend verwirre. Außerdem sollten junge Leute in Engpass-Berufen attraktive Arbeitsbedingungen vorfinden, zum Beispiel durch eine angemessene Balance zwischen Arbeits- und Freizeit.

"Wichtig ist auch die Aussicht auf eine geförderte Bildungsteilzeit", sagte Hofmann. In solchen Modellen widmen Beschäftigte, ähnlich wie bei Eltern- oder Pflegezeit, nur einen Teil ihrer Woche der Arbeit, während sie sich parallel weiterbilden. Die Personalchefin der Telekom, Birgit Bohle, umriss die Dimension für Deutschland: "Wir haben mehr als 10 Millionen Menschen, die bis 2030 entweder deutlich weiterqualifiziert werden oder – circa 4 Millionen – komplett neue Berufe erlernen müssen. Das ist eine nationale Aufgabe."

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