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Alfred Bullermann blickt zurück: Vom Vater geprägt und noch viele Eisen im Feuer

2021 ist für den Metall-Gestalter ein besonderes Jahr: Vor 40 Jahren legte er seine Gesellenprüfung ab, seit 35 Jahren ist er Schmiedemeister, seit 30 Jahren Diplom-Metallgestalter und selbstständig.

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Sieht sich als gestaltender Handwerker: Alfred Bullermann in seinem Atelier "Eisenzeit" in Friesoythe. Foto: Gerald Lampe

Sieht sich als gestaltender Handwerker: Alfred Bullermann in seinem Atelier "Eisenzeit" in Friesoythe. Foto: Gerald Lampe

Feuer hat ihn immer schon fasziniert. Auch der Funke von Esse und Amboss sprang schnell über und bis heute brennt er für seinen Beruf. "Wenn du das, was du gerne tust, ein Leben lang tun darfst, ist das mit Geld nicht zu bezahlen", sagt Alfred Bullermann. Das, was er gerne tut, tut er bereits ein Leben lang und das Jahr 2021 ist für ihn mit besonderen Jahrestagen verbunden.

Vor 40 Jahren legte er seine Gesellenprüfung ab, seit 35 Jahren ist er Schmiedemeister, seit 30 Jahren Diplom-Metallgestalter und selbstständiger Unternehmer. Nicht zuletzt ist er in diesem Jahr 60 geworden und mit Ehefrau Anja seit 25 Jahren verheiratet. Vor 15 Jahren hat er in Friesoythe den ersten Schmiedegildetag initiiert, der an diesem Dienstag hätte begangen werden sollen, doch coronabedingt abgesagt werden musste.

Zeit, um auf einen bewegten und bewegenden Lebenslauf zurückzublicken: "Mein Vater hat mich natürlich maßgeblich geprägt", sagt der gebürtige Markhauser, der quasi in der Schmiede mit Ruß, Schweiß und vielen Pferden aufwuchs, die sein Vater Alfred beschlug. Immer wieder nahm er selbst mal den Hammer in die Hand, formte irgendwann die ersten Tiere als Geschenk für die Mama und entdeckte dabei seine kreative Seite.

Noch viele Eisen im Feuer: Der Schmiedemeister und Diplom-Metallgestalter will sich künftig verstärkt auf Workshops und Seminare konzentrieren. Foto: Gerald LampeNoch viele Eisen im Feuer: Der Schmiedemeister und Diplom-Metallgestalter will sich künftig verstärkt auf Workshops und Seminare konzentrieren. Foto: Gerald Lampe

Auch wenn Schule insgesamt zunächst nicht ganz so sein Ding war, im Werk- und Kunstunterricht malte und bastelte er gerne, holte dann nach der Ausbildung sein Abitur nach, um in Hildesheim studieren und sein Talent noch professioneller und vielschichtiger beherrschen und in Szene setzen zu können.

Dass sich der Sohn vom rein traditionellen Handwerksberuf wegbewegte, löste beim Vater zunächst Skepsis aus. "Musst du nich wat anners maoken?", fragte der Senior den Junior, weil er eine brotlose Kunst befürchtete. Doch als er die "Venusfalle" für die Expo 2000 in Hannover und  besondere Arbeiten für Hamburger Auftraggeber sah und auch ansonsten erlebte, wie sich der Junge national wie international einen Namen machte, "fand er das hoch spannend, unterstützte mich und machte mir Mut", sagt Bullermann voller Wertschätzung und stellte seinem Vater auch seinen ehemaligen Meister Jan Prütz vor. Mit seinem langen Bart war der schon optisch eine Erscheinung und forderte inhaltlich manches Mal mit philosophischer Manier von seinen Studenten Tatendrang und Eigeninitiative. "Wie viele Schläge braucht ein Eisen?" Keine Frage, auf die es eine stereotype und schematische Antwort gibt. Denn: "Es braucht so viele Schläge wie es braucht – aber keinen Schlag mehr."

Bis heute beherzigt auch Bullermann, dass der Schmied den Stahl formt und nicht der Stahl den Schmied. "Kultivieren Sie Ihre Beobachtung", eine weitere Weisheit, die sich ins Gedächtnis eingebrannt hat. "Guck richtig hin", übersetzt er sie als Chef  bodenständig, wenn er seine Praktikanten aus der ganzen Welt dazu motiviert, nicht ihn zu kopieren, sondern sich individuell auf sich zu besinnen und auf das, "was du willst".

Prägend: Vater und Hufbeschlagschmied Alfred Bullermann vermittelte seinem Sohn Handwerk und Leidenschaft. Foto: BullermannPrägend: Vater und Hufbeschlagschmied Alfred Bullermann vermittelte seinem Sohn Handwerk und Leidenschaft. Foto: Bullermann

Schmieden sei ein ewiger Lernprozess. "Ein Leben reicht nicht aus", weiß der Metallgestalter, der es als großes Glück empfindet, "dass ich so viele Menschen kennenlernen und mit so vielen Kollegen arbeiten darf und durfte“.

In der Szene gilt er nicht nur als fachlich versiert, sondern auch als renommierter Brückenbauer auf den verschiedensten Ebenen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie "Schmieden für den Frieden", die Organisation des Weltschmiedekongresses im Landkreis Cloppenburg, der Umbau eines Panzers zu einer Friedensskulptur oder der Prozess der Eisenverhüttung unter anderem für die "Sendung mit der Maus" in Friesoythe sind nur einige von zahlreichen umgesetzten Ideen und ausgerichteten Veranstaltungen. Bullermann reiste um den Globus, wurde wiederholt ausgezeichnet, richtete schon Superyachten ein, formte einen Bischofsstab, aber auch das Tor für die Familie nebenan, das Grabmal oder den Schmuck.

Dabei legt er Wert auf Interaktion mit seinen Kunden. "Ich möchte nicht etwas vorgeben, sondern das Gewünschte gemeinsam mit dem Auftraggeber entwickeln." Daraus habe sich übrigens auch die ein oder andere Freundschaft entwickelt.

Künftig soll der Fokus verstärkt auf Workshops und Seminaren liegen

60, sagt Alfred Bullermann schmunzelnd, ginge auch an ihm nicht spurlos vorüber. Und wie es in Zukunft weitergehen könnte, beschäftigt ihn. Von den Großaufträgen möchte er sich verabschieden, eher kleiner und feiner denken und fertigen – und sich verstärkt auf Workshops und Seminare konzentrieren. Junge Leute müsse man nicht zum Handwerk bewegen, sondern sie vielmehr davon überzeugen. "Und das fängt schon beim kreativen Werkunterricht an", unterstreicht der Schmiedemeister, der in Bösel wohnt und in Friesoythe arbeitet.

Dass es in seinem "Atelier Eisenzeit" hinterm Werkhaus Pancratz kreativ und handwerklich weitergeht, wünscht er sich möglichst noch für viele Jahrzehnte und er will den Weg dafür rechtzeitig bereiten. Ideen schmiedet er auch für Projekte, von denen die Stadt Friesoythe mit ihrer ganz eigenen Geschichte rund ums Eisen profitieren könne. Schließlich muss man es schmieden, solange es heiß ist. Im Leben wie im Beruf.

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